Arbeitsschutz Kompakt Nr. 155
Psychische Belastung reduzieren - Arbeitsorganisation
Insbesondere Zeitdruck, häufige Störungen und Unterbrechungen, unklare Prozesse und Zuständigkeiten sowie fehlende Unterstützung können zu einer mentalen Überlastung von Beschäftigten führen. Dies kann die Aufmerksamkeit sowie die Entscheidungs- und Koordinationsfähigkeit beeinträchtigen und dadurch das Risiko von Fehlhandlungen, Fehlerketten und Unfällen erhöhen. Häufige oder intensive Stressreaktionen können darüber hinaus langfristig die Gesundheit beeinträchtigen.
Gesundheits- und sicherheitskritische Faktoren:
Arbeitsintensität
- Ungünstiges Verhältnis zwischen Arbeitsmenge, Aufgabenvielfalt bzw. -komplexität und verfügbarer Zeit
- Unrealistische Vorgaben, Zeitdruck oder das Gefühl, alles zeitgleich erledigen zu müssen (Multitasking)
Störungen und Unterbrechungen
- Häufige oder lang andauernde Störungen an Maschinen und Anlagen
- Ständige Unterbrechungen des Arbeitsprozesses durch E-Mails, Chats, Meetings oder Ad-hoc-Aufgaben etc.
- Folge: Gleichzeitigkeit von Tätigkeiten oder nicht abgeschlossene Arbeiten, die im Hinterkopf behalten werden müssen.
Kommunikation und Kooperation
- Fehlende Möglichkeiten zum fachlichen und persönlichen Austausch
- Unklare oder nicht funktionierende Kommunikations- und Entscheidungswege
- Folge: Erhöhtes Risiko für Fehlhandlungen und Konflikte an Schnitt- und Übergabestellen
Kompetenzen und Zuständigkeiten
- Unklare Kompetenzen, Zuständigkeiten und Rollen an Schnitt- und Übergabestellen
- Verantwortung wird delegiert bzw. nicht übernommen (Verantwortungsdiffusion).
- Folge: Eigenverantwortliche Entscheidungen und die Kommunikation untereinander werden erschwert. Dies kann zu erhöhtem Stressempfinden, Resignation oder vermindertem Engagement führen.
Schutzziele und Gestaltungshinweise
Arbeitsaufgaben sind so zu organisieren, dass
- Arbeitsmenge, Aufgabenvielfalt und -komplexität mit der zur Verfügung stehenden Zeit und den vorhandenen Ressourcen bewältigt werden können,
- notwendige Abstimmungen, Unterbrechungen und Erholungszeiten berücksichtigt werden und nicht zu einer erhöhten Arbeitsintensität führen,
- Beschäftigte angemessene Einflussmöglichkeiten sowie Entscheidungsspielräume erhalten,
- Rollen, Verantwortlichkeiten und Kommunikationswege transparent und widerspruchsfrei sind,
- die erforderlichen Informationen und Kompetenzen zur Aufgabenbewältigung vorhanden sind und
- die Zusammenarbeit und gegenseitige Unterstützung gefördert werden.
Orientierung und Handlungssicherheit schaffen
Vor der Arbeit
- Aufgaben klar priorisieren.
- Ausreichend Zeit und Ressourcen für Aufgaben einplanen.
- Pufferzeiten für ungeplante Abweichungen und Zusatzaufgaben einkalkulieren.
- Störungsquellen identifizieren und durch vorbeugende Maßnahmen/Instandhaltung möglichst vermeiden.
- Kommunikations- und Entscheidungswege eindeutig festlegen.
- Kommunikationsetikette und den Umgang mit Konflikten festlegen.
- Informationen gezielt bereitstellen und Informationsüberflutung vermeiden.
- Rollen, Zuständigkeiten und Entscheidungsspielräume im Arbeitsprozess sowie zwischen Bereichen definieren.
- Klare Übergabeprozesse festlegen.
Während der Arbeit
- Unterstützung und Vertretung bei dringenden oder nicht planbaren Aufgaben sicherstellen.
- Bei Störungen und Unterbrechungen klare Prioritäten setzen und Unterstützung regeln.
- Melde- und Eskalationswege für unerwartete Schwierigkeiten und Unklarheiten einhalten.
- Eigenverantwortliche Entscheidungen im zuvor festgelegten Rahmen ermöglichen.
- Bei Schwierigkeiten die festgelegten Ansprechpersonen kontaktieren.
Nach der Arbeit
- Verbesserungsvorschläge zum Arbeitsablauf aufnehmen und bearbeiten.
- Störungen, Unterbrechungen und Überlastungen erfassen und zusätzliche Maßnahmen zur Ursachenbeseitigung besprechen.
- Abläufe und Kommunikationswege bei Bedarf anpassen.
- (Übergreifende) Zusammenarbeit fördern, z. B. durch gemeinsame „Projekte“ oder Hospitationen.
- Regelmäßige systematische Feedbackschleifen durchführen.
- Fähigkeiten und Fertigkeiten der Beschäftigten an veränderte Anforderungen anpassen.
Weitere Informationen
- Bericht „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt – Arbeitsintensität“ (Link: BAuA)
- Schwerpunkt „Psychische Gesundheit in der Arbeitswelt - Störungen und Unterbrechungen“ (Link: BAuA)
- Dossier „Soziale Beziehungen am Arbeitsplatz“ (Link: BAuA)
- Beitrag „Arbeitsorganisation“ (Link: BAuA)
- DGUV Barometer Arbeitswelt 2025 (Link: DGUV)
- Erfahrungsschatz Arbeitsgestaltung (Datenbank Praxisbeispiele) (Link: DGUV)
- BGHM-Themenseite: Gesundheit und Psyche (Beratung und Werkzeuge)
- Dialogkarten „Fehlerkultur“ und Dialogkarten „Kommunikation“
Stand: 10/2026