Unterweisung und Betriebsanweisung

Unterweisung im Betrieb; Foto: @ Kzenon - Fotolia.com

Unterweisungen und Betriebsanweisungen sind wichtige Bausteine des Arbeitsschutzes und eine logische Konsequenz aus der Gefährdungsbeurteilung. Mit der richtigen Gestaltung und Umsetzung können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht nur über Gefahren in ihrem Arbeitsbereich informiert, sondern auch aktiv beteiligt werden.

 

Denn in der Praxis stehen Unterweisende oft vor der Herausforderung, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
nicht nur zu informieren, sondern sie auch zu sicherheitsgerechtem Verhalten zu motivieren. Gerade bei den Wiederholungsunterweisungen ist es manchmal schwer, die Aufmerksamkeit der Beschäftigten zu erhalten. „Kenn‘ ich schon“ oder „Das hält doch nur von der Arbeit ab“ sind Vorwürfe, mit denen Unterweisende häufig konfrontiert werden. Damit Unterweisungen nicht zu langweiligen Pflichtveranstaltungen abdriften, ist es notwendig, sich Zeit für eine systematische Vorbereitung und Durchführung zu nehmen. Interesse wecken, erklären, überzeugen, vormachen, einüben lassen und den Erfolg kontrollieren sind wichtige methodische Bausteine im Rahmen eines Unterweisungskonzeptes. Betriebsanweisungen in Form schriftlicher Verhaltensregeln tragen ebenfalls dazu bei, die getroffenen Maßnahmen zu unterstützen und ihre Wirksamkeit zu erhalten. Bei der Vorbereitung einer Unterweisung gilt es, verschiedene Fragestellungen zu beantworten.

Wer ist verantwortlich?

Es gehört zu den Pflichten der Arbeitgeberin und des Arbeitgebers, die Beschäftigten „ausreichend und angemessen“ über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei ihrer Arbeit zu unterweisen, insbesondere über die mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen und die Maßnahmen zu ihrer Verhütung. Das Gleiche gilt für die Erstellung von Betriebsanweisungen, die den Beschäftigten in Schriftform zur Verfügung gestellt werden müssen.

Diese Aufgaben kann der Arbeitgeber auch auf direkte Vorgesetzte übertragen. Das ist durchaus sinnvoll, denn sie kennen ihre Beschäftigten sowie deren konkrete Arbeitsplätze und -abläufe. In der Praxis hat sich die Unterstützung durch die Fachkraft für Arbeitssicherheit oder die Betriebsärztin oder den Betriebsarzt ebenso bewährt wie die Beteiligung fachkundiger und zuverlässiger Personen.

Wer muss unterwiesen werden?

Jede(r) Beschäftigte hat das Recht auf eine Unterweisung über die bei seiner/ihrer Tätigkeit auftretenden Gefährdungen. Das gilt sowohl für Auszubildende, Praktikanten und Neulinge als auch für langjährige Betriebszugehörige. Auch Leiharbeitskräfte müssen vom entleihenden Betrieb arbeitsplatzspezifisch über die bei ihren Tätigkeiten auftretenden Gefährdungen, das richtige Verhalten und die Abwendung von Gefahren informiert werden (Paragraf 11, Absatz 6 Arbeitnehmerüberlassungsgesetz).

Wann, wie oft und worin unterweisen Sie?

Anlass für eine Erstunterweisung ist immer die Aufnahme einer Tätigkeit oder die Umsetzung an einen anderen Arbeitsplatz. Danach erfolgt in regelmäßigen Abständen eine Wiederholungsunterweisung. Bei bestimmten Adressatengruppen wie Jugendlichen muss halbjährlich unterwiesen werden.

Anlässe für Unterweisungen können z. B. sein:

  • Neuanschaffung von Maschinen, Anlagen oder Geräten
  • Einführung neuer Arbeitsmittel, neuer Technologien oder Arbeitsstoffe;
    Bedenken Sie: Fehlbedienungen können Schäden verursachen, die Verletzungen und auch zusätz-liche Kosten nach sich ziehen können.
  • Unterweisung nach besonderen Anlässen, beispielsweise nach Unfällen, Beinahe-Unfällen oder Störungen
  • neue Erkenntnisse nach Überarbeitung der Gefährdungsbeurteilung
  • Ergebnisse von Betriebsbesichtigungen;
    Bedenken Sie: Diese Anlässe bieten die Chance, Beschäftigte aktiv über Restrisiken zu informieren und sicherheits- und gesundheitsgerechte Verhaltensanforderungen zu etablieren.
  • wiederkehrende Unterweisungen als Auffrischung oder Nachschulung bei Abwesenheit
  • auffällige, sicherheitswidrige Verhaltensweisen
  • selten vorkommende Arbeiten mit einem hohen Gefahrenpotential;
    Bedenken Sie: Dass die Beschäftigten etwas wissen und können, bedeutet noch nicht, dass sie es auch anwenden und beibehalten. Routine kann ein Gefährdungsfaktor für dauerhaft sicheres Ver-halten sein. Deshalb wiederholen Sie die Unterweisungen regelmäßig.
Unterweisung im Betrieb; Foto: @ Phovoir-Fotolia.com
Bei bestimmten Zielgruppen wie Jugendlichen ist es wichtig, die Unterweisungen in kürzeren Abständen zu wiederholen.

Die Themen leiten sich aus den allgemeinen, betrieblichen Gegebenheiten und den tätigkeitsbezogenen
Gefährdungen ab. Betriebsanweisungen dienen dafür als Grundlage. Es empfiehlt sich, thematisch abgegrenzte Unterweisungen durchzuführen, die mit überschaubaren Inhalten in kürzeren Abständen aufeinanderfolgen.

Allgemeine und spezielle häufig vorkommende Themen sind:

  • Rechte und Pflichten der Beschäftigten
  • vorbeugende Brandschutzmaßnahmen und Verhalten im Brandfall 
  • Flucht-und Rettungswege
  • Erste Hilfe
  • Verkehrssicherheit
  • persönliche Schutzausrüstungen
  • Hautschutz, Hautreinigung und -pflege
  • Lärm
  • Anschlagen von Lasten
  • Tätigkeiten mit Gefahrstoffen
  • hoch gelegene Arbeitsplätze

Welche Ziele hat die Unterweisung?

Am Anfang steht die Frage: Was sollen die Beschäftigten nach der Unterweisung wissen und können und wie werden sie zu sicherem Verhalten motiviert? In der Praxis beobachtet man häufig sicherheitswidriges Verhalten, obwohl die Beschäftigten wissen, wie es sicher und gesund geht. Daher ist die Sensibilisierung ein weiteres wichtiges Unterweisungsziel. Orientieren Sie sich als unterweisende Person bei der Formulierung der Ziele an der Zielgruppe. Dabei sollten die Themen für alle Teilnehmenden gleich relevant sein und der Wissensstand berücksichtigt werden. Neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter benötigen verstärkt grundlegende Informationen, während „alte Hasen“ eher motiviert werden müssen.

Wie können Sie Unterweisungen modern und ansprechend vermitteln?

Wichtig ist eine durchdachte Vorplanung:

  • Was will ich mit der Unterweisung erreichen und welchen Nutzen haben die Beschäftigten von den Inhalten? Dazu gehören beispielsweise die Vermittlung von Kenntnissen über sicheres und gesund-heitsgerechtes Arbeiten, Motivation, störungsfreies und produktives Arbeiten und die Einhaltung von Schutzmaßnahmen.
  • Welchen Inhalt wollen Sie vermitteln?
  • Wann soll die Unterweisung stattfinden und wie lange soll sie dauern? Der Termin während der Arbeitszeit sollte rechtzeitig per Aushang oder E-Mail bekannt gegeben werden. Auch der Zeitumfang sollte festgelegt werden; Empfohlen werden bei Einzelpersonen etwa 5 bis 15 Minuten, für besondere Gruppen 10 bis 30 Minuten und bei einer Abteilung circa 10 bis 45 Minuten.
  • Wo soll die Unterweisung stattfinden, beispielsweise in einem störungsfreien Raum für eine Gruppe oder personen- und praxisbezogen am Arbeitsplatz?
  • Welche Unterweisungshilfen kann ich nutzen? Dazu gehören z. B. Präsentationen, Demonstrations-mittel, Bilder (auch aus dem eigenen Betrieb), Flipchart, Pinnwand, Anschauungsmaterial, Modelle,
    Videos und Broschüren 
  • evtl. Fachleute einladen

Das ansprechende und gut strukturierte Konzept

Überlegen Sie, mit welchen Methoden und Medien Sie Ihre Unterweisung wirksam und ansprechend gestalten wollen. Wirkungsvoll unterweisen Sie, wenn Sie möglichst viele Sinne ansprechen und die Teilnehmenden über das Thema sprechen, sich aktiv damit auseinandersetzen und auch praktisch üben können. Frontalvorträge wirken dagegen ermüdend. Methodische Vielfalt durch Dialog, Fragenstellen und praktische Übungen erhöhen die Wahrscheinlichkeit, dass sicherheitsgerechtes Verhalten auch praktiziert wird. Das Interesse am Thema zu wecken, indem Gefühle erzeugt werden, verbessert die Einprägsamkeit: beispielsweise Neugier auf die zu erprobenden neuen Muster-PSA oder Betroffenheit bei der Schilderung kritischer betrieblicher Situationen. Am besten gelingt das durch einen konkreten Bezug zum Arbeitsplatz.

Fragen sind ein gutes methodisches Mittel, um Interesse zu wecken, Wissen zu erfragen oder den Nutzen von Verhaltensanforderungen deutlich zu machen: „Wie können wir unseren Sicherheitsstandard noch verbessern?“ „Was gehört zur Sichtkontrolle am Stapler?“ „Wofür dient diese Sicherheitseinrichtung an dieser Maschine? Warum ist sie so wichtig?“

Die Methode der „umgekehrt richtigen Fragestellung“ lädt auch zu intensiven Diskussionen ein: „Wie kann ich mich und meine Kollegen bei der Arbeit erfolgreich in Gefahr bringen?“ Solche Fragen provozieren oft lebhafte Diskussionen, die durchaus zur Klärung der eigentlichen Frage beitragen. Experimentieren Sie: Zum Thema Suchtmittel am Arbeitsplatz durchlaufen die Teilnehmenden beispielsweise mit einer „Rauschbrille“ einen Parcours um zu erleben, wie Alkohol die Wahrnehmung verändert und sicheres Gehen beeinträchtigt.

Betriebsanweisung der Firma Barsch; Foto: @ Firma Barsch
Betriebsanweisungen müssen den Beschäftigten in Schriftform zur Verfügung gestellt werden.

Setzen Sie Medien gezielt als Hilfsmittel ein!

Ein Bild sagt bekanntlich mehr als tausend Worte. Am besten sind natürlich Alltagssituationen aus Ihrem Betrieb. Das weckt Neugier beim Betrachter und Fragen können Türöffner ins Thema sein: „Was fällt Ihnen hier auf?“ Sie regen das Problembewusstsein an. Bewegte Bilder in Form von kurzen Filmsequenzen aus dem eigenen Betrieb bewegen die Menschen und fördern das Mitdenken. Sie können dabei sowohl positive als auch negative Situationen auswerten. Bedenken Sie dabei: Allein das Zeigen von Arbeitsschutzfilmen bewirkt noch keine Verhaltensänderung. Es kommt auf die Kombination von Film und regem Dialog mit den Teilnehmenden an, mit dem Ziel, ein bestimmtes Verhalten zu vereinbaren. Auch E-Learningprogramme eignen sich zur Vorbereitung einer Unterweisung oder als eine Form der Wissensaneignung, nicht aber zur alleinigen Nutzung, da sie die Komplexität des betrieblichen Umfeldes nicht abdecken können.

Unterweisungen mit Betriebsanweisungen

Betriebsanweisungen dokumentieren die geforderten verbindlichen Verhaltensweisen für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind daher als Leitfaden gerade für Kurzunterweisungen gut geeignet. Für den Gefahrstoffbereich und für Maschinen gibt es bereits gegliederte Formulare, die als Vorlagen dienen können.

Die Gefahrstoffverordnung und die DGUV Vorschrift 1 schreiben eine Dokumentation der Unterweisungen vor. Bestandteil sind Inhalte, Datum und Unterschrift von Unterweisenden und Teilnehmenden. Das hilft den Vorgesetzten, stets einen aktuellen Überblick über den Kenntnisstand der Beschäftigten zu behalten.

Es zeigt sich: Ein strukturiertes, geplantes Vorgehen zahlt sich für alle Seiten aus. Keine Störungen des Betriebsablaufs, Gesundheit der Beschäftigten, gelebtes wertschätzendes, fürsorgliches Miteinander sind wesentliche Eckpfeiler für einen sicheren Betrieb.

Dr. Evelyn Zingrefe, BGHM

 

 

Hinweis

Kurz erklärt: Unterweisung und Betriebsanweisung

Unterweisungen und Betriebsanweisungen stehen für die Verantwortung und Fürsorgepflicht des Arbeitgebers für die Sicherheit und Gesundheit seiner Beschäftigten. Gemeinsam mit der Gefährdungsbeurteilun bilden sie die Säulen, auf denen das Sicherheitskonzept eines Betriebes basiert.

Unterweisung
Der Unternehmer muss die Beschäftigten über die bei ihrer Tätigkeit auftretenden Gefährdungen und sicherheitsgerechte Verhaltensweisen unterweisen. Unterweisungen zu organisieren und durchzuführen gehört zu den grundlegenden Aufgaben von Führungskräften.

Betriebsanweisung
Betriebsanweisungen informieren die Beschäftigten über Gefährdungen, die beispielsweise im Umgang mit Maschinen, Arbeitsmitteln und Gefahrstoffen auftreten. Sie fassen auch die Schutzmaßnahmen und geforderten Verhaltensregeln für den konkreten Einzelfall in knapper Form schriftlich zusammen und sind für alle Beschäftigten an den entsprechenden Arbeitsplätzen zugänglich.

Hinweis

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