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Was gilt als Arbeitsunfall?
Fredi Lahr von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall klärt auf

Als Teil des deutschen Sozialversicherungssystems übernimmt die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) die Haftpflicht von nahezu 227.000 Betrieben des Holz und Metall verarbeitenden Gewerbes und versichert rund 5,4 Millionen Arbeitnehmer. Doch wie sieht dieser Versicherungsschutz genau aus? Was ist ein Arbeitsunfall und welche Wegstrecken sind versichert? Fredi Lahr, Leiter der Rehabilitation der BGHM, erklärt, worauf es ankommt und was Betroffene beachten müssen.

Herr Lahr, wann handelt es sich um einen Arbeits- oder Wegeunfall?

Unfälle, die sich bei der Arbeit oder auf Dienstwegen ereignen, sind Arbeitsunfälle. Allerdings gibt es dabei einiges zu beachten, denn nicht jeder Unfall, der während der Arbeitszeit passiert, ist auch ein Arbeitsunfall. Um als Arbeitsunfall anerkannt zu werden, muss der Unfall mit der betrieblichen Tätigkeit im Zusammenhang stehen und den Gesundheitsschaden verursacht haben. Das heißt, wenn schon vor dem Unfall ein Gesundheitsschaden bestand, der während der Arbeitszeit nur akut wird, kann dieser nicht von der Berufsgenossenschaft entschädigt werden. Versicherungsschutz besteht auch auf dem direkten Weg zur Arbeitsstelle und auf dem Weg von dort nach Hause.

Wann besteht kein Versicherungsschutz?

Grundsätzlich gilt: Bei privaten Tätigkeiten, auch wenn sie im Betrieb stattfinden, besteht kein Versicherungsschutz. Ein Beispiel hierfür ist das Einnehmen der Mahlzeit und der Aufenthalt in der Kantine während der Mittagspause. Rauchen und die Wege zum Raucherraum sind ebenfalls in der Regel nicht versichert.

Welche Wegstrecken sind versichert?

Von Wegeunfällen sprechen wir, wenn der Unfall auf dem Weg von der Wohnung zum Arbeitsplatz oder zurück passiert. Dabei ist der direkte Weg zwischen der Wohnung und dem Betrieb versichert und zwar unabhängig vom gewählten Verkehrsmittel. Umwege sind nur dann versichert, wenn sie verkehrsbedingt notwendig sind, also im Falle einer Umleitung, einer schnelleren Verbindung, bei Fahrgemeinschaften oder um Kinder vor der Arbeit in den Kindergarten oder die Schule zu bringen. Wenn der direkte Weg aus privaten Gründen, zum Beispiel für einen Einkauf, unterbrochen wird, besteht für die Dauer der Unterbrechung kein Versicherungsschutz. Sind Unfälle die Folge von Alkoholgenuss besteht ebenfalls kein Anspruch auf Leistungen.

Sind die Beschäftigten bei der Weihnachtsfeier versichert?

Auch bei Weihnachtsfeiern kann Versicherungsschutz bestehen. Dies ist der Fall, wenn der Unternehmer die Feier veranstaltet beziehungsweise zumindest billigt oder fördert. Des Weiteren muss die Planung und Durchführung der Feier vom Unternehmer selbst oder einem von ihm Beauftragten - das kann auch der Betriebsrat sein - getragen werden. Der Unternehmer oder sein Beauftragter muss anwesend sein und alle Betriebsangehörigen müssen - wenn auch ohne Verpflichtung - an der Feier teilnehmen können und ein größerer Teil auch tatsächlich teilnehmen. In größeren Betrieben sind auch Abteilungsfeiern möglich. Versicherungsschutz besteht während des offiziellen Teils bis zur Beendigung durch den Unternehmer. Bei „Nachfeiern“ erlischt der Versicherungsschutz ebenso wie für Unfälle infolge übermäßigen Alkoholgenusses. Selbstverständlich sind auch die Wege zur Feier und zurück versichert.