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Gemeinsam sportlich und versichert

Versicherungsschutz bei einem betrieblichen Fußballturnier

Nicht nur in ihrer Freizeit, sondern häufig auch auf betrieblichen Veranstaltungen sind Beschäftigte sportlich aktiv. Doch wie sieht es dabei mit dem Versicherungsschutz aus? Manchmal müssen die Gerichte entscheiden, in welchen Fällen Betriebssport versichert ist. Lesen Sie hier, unter welchen Voraussetzungen eine betriebliche Sportveranstaltung unter dem Schutz der deutschen gesetzlichen Unfallversicherung steht.

Wettkampf schließt versicherten Betriebssport aus: Mit Urteil vom 13.12.2005 hat das Bundessozialgericht (BSG) entschieden, dass kein versicherter Betriebssport vorliegt, wenn Mannschaften Wettkämpfe gegeneinander austragen. Egal, ob es sich um ein Turnier des eigenen Unternehmens oder um die Teilnahme an einem fremden Turnier handelt.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Firmenturnier jedoch eine versicherte Gemeinschaftsveranstaltung sein:

  • Die Zusammenkunft muss der Pflege der Verbundenheit zwischen der Unternehmensleitung und den Beschäftigten sowie den Beschäftigten untereinander dienen.
  • Sie muss deshalb allen Beschäftigten des Unternehmens offenstehen und
  • von der Unternehmensleitung selbst veranstaltet oder zumindest gebilligt oder gefördert und von ihrer Autorität als betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung getragen werden.
  • Versichert sind dann alle Verrichtungen, die mit dem Zweck der Veranstaltung vereinbar sind.

Für die Beurteilung, ob diese Voraussetzungen erfüllt sind, ist stets eine Gesamtbetrachtung aller Umstände erforderlich.

Die Programmgestaltung des Turniers ist entscheidend. Hierzu hat das BSG (zuletzt mit Urteil vom 04.12.2014) folgende Hinweise gegeben: Sportliche Aktivitäten mit spielerischem Charakter sind versichert, wenn sie der Förderung des Gemeinsinnes oder des Zusammengehörigkeitsgefühls aller Beschäftigten und nicht nur dem persönlichen Interesse der Mitspielenden dienen.  Die Veranstaltung muss allerdings von ihrer Programmgestaltung her geeignet sein, die Gesamtheit der Beschäftigten anzusprechen. Hiervon konnte beispielsweise bei einem Faschingsfußballturnier mit Kostümzwang im nicht als Karnevalshochburg bekannten Kiel keine Rede sein, da sich die Veranstaltung nur an die karnevalsbegeisterten Beschäftigten des Unternehmens richtete (BSG vom 22.09.2009). 

Auch eine Einladung an alle Fußballfans ohne Alternativprogramm reicht nicht: Richtet sich ein betriebliches Fußballturnier, selbst wenn es von der Unternehmensleitung organisiert und finanziert worden ist, nur an den männlichen und gleichzeitig fußballbegeisterten Teil der Belegschaft, scheidet Versicherungsschutz nach dem Urteil des LSG Stuttgart vom 14.05.2013 aus.

Spaß muss im Vordergrund stehen: Das Bayerische LSG bejahte mit Urteil vom 21.08.2012 den Versicherungsschutz bei einem Firmenturnier, weil es sich dabei nicht um eine rein sportliche Gemeinschaftsveranstaltung gehandelt habe, sondern um ein betriebliches Event, vergleichbar mit einem Betriebsfest. Die Geschäftsleitung befürwortete das Turnier und war komplett anwesend. Adressaten des Turniers waren alle Beschäftigten. Gemäß der Vorankündigung „der Spaß stehe im Vordergrund“ habe die Veranstaltung keinen Wettkampfcharakter gehabt, vielmehr sei das Zusammengehörigkeitsgefühl aller gefördert worden. Die Beteiligung von fast 50 Prozent der Belegschaft rundete das Gesamtbild ab.

Bei geringer Beteiligung ist die Gesamtbetrachtung entscheidend: Das LSG Essen hat mit Urteil vom 04.11.2005 Versicherungsschutz bei einem vom gesamten Unternehmen organisierten und finanzierten Turnier mit anschließender Feier im Bürgerhaus bejaht, obwohl nur 10 Prozent aller Eingeladenen daran teilnahmen: Dies spreche grundsätzlich zwar gegen den Versicherungsschutz, es sei in diesem Fall aber besonders zu bewerten, dass der Unternehmer Turnier und Abendveranstaltung nicht nur unterstützt, sondern aktiv initiiert und durchgeführt habe. Das Turnier diente der Kontaktpflege der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Standorte und Fahrt, Unterkunft und Verpflegung wurden für auswärtige Betriebsangehörige vom Unternehmen finanziert. Das LSG stellte fest, dass Unterhaltung und geselliges Beisammensein im Vordergrund standen.

Turniere mit Beteiligung fremder Unternehmen dienen nicht dem Gemeinschaftszweck des Unternehmens und scheiden für die Anerkennung des Versicherungsschutzes grundsätzlich aus (Urteile LSG vom 28.09.2010, LSG Essen vom 14.03.2012 sowie LSG Mainz vom 18.03.2015). Bei einem Turnier mit Beteiligung von 78 Externen (Mitarbeiter von Tochtergesellschaften, Fremdfirmen, Familienangehörigen und Bekannten) bei insgesamt 672 Teilnehmern handelt es sich nicht mehr um eine versicherte betriebliche Gemeinschaftsveranstaltung, so das BSG in seiner jüngsten Entscheidung vom 15.11.2016.