Stäuben auf der Spur

BGHM-Innovationstag 2025 machte Forschung zu Gefahrstoffen anschaulich
Kontinuierliche Forschung und der Ausbau von Wissen über Gefährdungen bei der Arbeit tragen entscheidend dazu bei, Arbeitsplätze sicherer und gesünder zu gestalten. Die BGHM beteiligt sich regelmäßig an Forschungsprojekten oder initiiert sie. Neue Projekte und aus abgeschlossenen Forschungsvorhaben gewonnene Erkenntnisse präsentieren Forschende Interessierten aus den Branchen Holz und Metall alle zwei Jahre auf dem BGHM-Innovationstag.
Umfassende Studie zur Krebsgefahr durch CFK-Stäube
Einer der Programmpunkte beim Innovationstag 2025 war die Forschung zu CFK-Stäuben. Das sind Stäube, die bei der Verarbeitung von carbonfaserverstärkten Kunststoffen (CFK) entstehen. „Carbonfaserverstärkte Kunststoffe sind sehr leicht und besitzen eine hohe Festigkeit. Aus dem modernen Fahrzeug- und Maschinenbau sowie der Luftfahrtindustrie sind sie nicht mehr wegzudenken – gleichzeitig liegen bislang nur begrenzte Informationen über mögliche Gesundheitsrisiken im Zusammenhang mit der Bearbeitung des Materials vor“, erklärte Dr. Oliver Will, Fachreferent für Fahrzeugbau bei der BGHM, in seinem Vortrag. Was bekannt und auch Forschungsthema bei der BGHM ist: Wird das Material bearbeitet, werden winzig kleine Fasern freigesetzt und können tief in die Lunge gelangen, wo sie lange bleiben und sich nur schwer wieder auflösen. Gemeinsam mit anderen Berufsgenossenschaften führt die BGHM im Rahmen eines Forschungsprojekts eine umfassende Studie zur möglichen Krebsgefahr durch CFK-Stäube durch. Das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover ist mit der Durchführung der Versuche beauftragt. Die Ergebnisse werden im Jahr 2028 erwartet. „Dann wissen wir, ob die bisherige Einstufung der Carbonfaserstäube hinsichtlich ihrer Kanzerogenität ausreichend ist – oder ob eine Neubewertung der Einstufung erforderlich ist“, so Dr. Will.
Ein weiteres Thema auf dem Innovationstag war der Explosionsschutz bei Holzstaub-Absauganlagen. In diese Anlagen eingebaute Systeme dienen der explosionstechnischen Entkopplung und sollen verhindern, dass sich eine Explosion über den Rückluftkanal in den Arbeitsraum ausbreitet. „Dadurch schützen die Systeme Menschen, Maschinen und Gebäude – und sind ein zentraler Bestandteil des betrieblichen Explosionsschutzes“, so Mike Jürgensmeier, Fachreferent für Holz, Maschinen und Technologie bei der BGHM. Um unter anderem die Wirksamkeit dieser in der DGUV Information 209-045 „Absauganlagen und Silos für Holzstaub und -späne“ beschriebenen Schutzsysteme zu evaluieren, führte die BGHM gemeinsam mit einem Prüfdienstleister für Anlagenkomponenten und Materialien experimentelle Versuche durch. Der Fokus lag dabei auf der Frage, durch welche Systemvariationen tatsächlich eine explosionstechnische Entkopplung gegeben ist.
Als Prüfobjekt diente eine Filteranlage mit Trennung zwischen Rohgas- und Reingasbereich, die häufig in Betrieben genutzt werden. Sie war in einem der Versuchsaufbauten für den Explosionsschutz mit zwei 90-Grad-T-Stücken inklusive Berstscheiben zur Druckentlastung und einer Pendelklappe ausgestattet. Zusätzlich kamen Druckaufnehmer, Funkenmelder und Kameras zum Einsatz, um den Verlauf von Flammen und den Explosionsdruck aufzuzeichnen. Für die Versuche wurde Holzstaub in den Rohgasbereich eingeblasen und anschließend gezündet. Der zeitliche Verlauf der Druckwelle und deren Auswirkungen auf die vorhandenen Entkopplungseinrichtungen wurden aufgezeichnet. Es kam in fast allen Versuchen zu einem Flammendurchschlag an der Pendelklappe – jedoch in gewissen Konstellationen nicht über die zweite 90-Grad-Umlenkung hinaus. Es ist beabsichtigt, die gewonnenen Erkenntnisse in die laufende Überarbeitung der entsprechenden Norm einfließen zu lassen. Die DGUV Information 209-045 soll ebenfalls entsprechend überarbeitet werden.
Vielfältige Forschungsförderung
Darüber hinaus standen die Ermittlung von Gefahrstoffen beim Einsatz exothermer Speiser und die Forschung zum Seilversagen durch nicht sichtbare Schäden im Seilinneren auf der Tagesordnung des Innovationstages. „Das Programm verdeutlicht, wie vielfältig die Forschungsförderung für den Arbeitsschutz in den Branchen Holz und Metall ist. Auch künftig greifen wir aktuelle und für die Betriebe relevante Themen auf – mehr dazu beim Innovationstag 2027“, sagt Dr. Wolfgang Marschner, Leiter des Referats Forschung und Risikomonitoring bei der BGHM.