Präventionstag Holz: Ergebnisse und Erkenntnisse

Glühbirne aus Holz
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Solides Fundament, Potenzial in den Details

Wie gut ist der Arbeitsschutz in Holzbetrieben aufgestellt? Eine bundesweite Schwerpunktaktion der BGHM liefert dazu aktuelle Einblicke. Im Fokus standen unter anderem Holzbearbeitungsmaschinen, Sägewerke und die Arbeitsschutzorganisation. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick.

Rund 350 BGHM-Aufsichtspersonen haben am sogenannten Präventionstag Holz im Frühjahr 1.736 Betriebe besucht – ausschließlich Holzbetriebe, die meisten davon Kleinbetriebe bis 49 Beschäftigte. Dabei haben sie zur Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten beraten, aber auch den Arbeitsschutz überprüft. Sie betrachteten unter anderem die allgemeine Arbeitsschutzorganisation, zum Beispiel in Bezug auf die Gefährdungsbeurteilung und Unterweisungen. Weitere Aspekte waren Schutzmaßnahmen an Holzbearbeitungsmaschinen, Tätigkeiten in Sägewerken und Absauganlagen. 

Solide Basis für funktionierenden Arbeitsschutz

Die Auswertungen des Präventionstags Holz zeigen: Über 90 Prozent der Betriebe verfügen über eine Gefährdungsbeurteilung und führen regelmäßig Unterweisungen durch – wenngleich beides im Detail nicht immer vollständig oder aktuell ist. Etwa zwei Drittel der Unternehmen arbeiten mit Fachkräften für Arbeitssicherheit zusammen oder sind in der Alternativen Betreuung (In Betrieben mit bis zu 50 Beschäftigten können Unternehmerinnen und Unternehmer die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung selbst übernehmen. Voraussetzungen sind eine Qualifizierung und regelmäßige Fortbildungen. Mehr Informationen). Defizite sind in diesen Punkten primär in Kleinstbetrieben mit nur wenigen Beschäftigten zu finden. Zu vermuten ist, dass hier die Ressourcen fehlen. Große Schwachstelle in den besuchten Betrieben ist die regelmäßige Prüfung von Arbeitsmitteln. Ob Absauganlagen, elektrische Betriebsmittel oder Gabelstapler – Prüffristen werden häufig vernachlässigt. Im Ganzen betrachtet sind die Grundlagen in Sachen Arbeitsschutz meistens solide, in den Details steckt häufig Verbesserungspotenzial. 

Was Arbeitsschutz-Verantwortliche umtreibt

Die Aufsichtsperson (AP) prüft den Arbeitsschutz nicht nur, sondern berät auch dazu. Fragen, die Arbeitsschutz-Verantwortliche hier am häufigsten stellen, betreffen die rechtlich-organisatorische Umsetzung im Alltag und die konkrete technische Sicherheit an der Werkbank. „Die Verantwortlichen in den Betrieben wollen meist das Richtige tun, stehen aber vor der Herausforderung, komplexe Vorschriften pragmatisch in den Betriebsablauf zu integrieren“, berichtet Karl Hönig, Leiter des BGHM-Präventionsbezirks Südost und selbst AP.

Auf der organisatorischen Ebene treibe die Betriebe vor allem die Sorge vor Bürokratie um. Wie detailliert muss eine Gefährdungsbeurteilung sein? Wie können die sicherheitstechnische und arbeitsmedizinische Betreuung sichergestellt werden? Bei den meisten technischen Fragen geht es um Staubbelastung und Maschinensicherheit, etwa um Absaugung, Einhaltung von Holzstaubgrenzwerten oder Nachrüstung an älteren Holzbearbeitungsmaschinen.

  • „Solide Grundlagen sind vorhanden, aber der Teufel steckt im Detail. Wir werden daher die Kleinstbetriebe verstärkt in die sicherheitstechnische Betreuung holen und den Fokus auf die technischen Prüfzyklen legen.“
    Karl Hönig, Leiter des BGHM-Präventionsbezirks Südost und Aufsichtsperson

Sägewerke im Blick

Im Fokus der 56 besuchten Sägewerke standen jeweils der Rundholzplatz, die eingesetzte Fahrzeugtechnik, das Einschnittverfahren sowie die Absicherung der Sägelinie. Die Ergebnisse machen deutlich, dass in den Betrieben gerade hier ein zentraler Risikobereich ist. Knapp die Hälfte der untersuchten Sägewerke arbeitet mit einem manuellen Rundholzplatz. Meist ist damit ein hoher Anteil an händischem Arbeiten verbunden. Gleichzeitig kommen Maschinen wie Stapler, Radlader, Bagger und Spezialfahrzeuge zum Einsatz, um das Stammholz zu bewegen. Erfahrungsgemäß ereignen sich in diesem Bereich besonders schwere Unfälle. Deshalb sind ein tragfähiges Verkehrskonzept und eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung durch den Unternehmer unverzichtbar. Eine wirkungsvolle Schutzmaßnahme ist beispielsweise die klare Trennung von Bereichen für Personen und Fahrzeuge. 

Bei den Einschnittverfahren kommt in rund 60 Prozent der besuchten Sägewerke, vor allem in kleinen und mittleren Betrieben, eine Gattersäge zum Einsatz. Auch Blockbandsägen und Profilzerspanerlinien wurden vorgefunden. Besonders kritisch sind Instandhaltungstätigkeiten, wie Entstörung, Reparatur, Erneuerung und Wartung, die in der Praxis häufig nicht ausreichend beurteilt werden. Sichere Zugänge in die und in der Maschine, um beispielsweise an eine Störstelle zu gelangen, sind hier wichtig. Besonders relevant ist dabei die Absturzgefahr, die bei knapp 40 Prozent der Betriebe festgestellt wurde. Klare organisatorische Regeln für Arbeiten an Maschinen und Anlagen sind unerlässlich.

  • „Auswertung des Präventionstags Holz unterstreicht: Die größten Risiken in Sägewerken liegen im Produktionsprozess und im Zusammenspiel von Materialfluss, Verkehrswegen, Technik und Instandhaltung.“
    Kay Pfeiffer, Aufsichtsperson und Fachreferent zum Thema Sägewerksindustrie

Tischlereien und Schreinereien

Da Unfälle an Formatkreissägen, Abrichthobel- und Tischfräsmaschinen häufig zu schweren Verletzungen führen, standen diese bei den Besuchen in Tischlereien und Schreinereien im Fokus. An Formatkreissägemaschinen sind Schutzhauben sowie Hilfsmittel wie Schiebestock, Schiebeholz und Schiebehilfe überwiegend vorhanden. Rund zwei Drittel der Abrichthobelmaschinen verfügen über eine Werkzeugverdeckung nach dem Stand der Technik. An Tischfräsmaschinen ergibt sich ein komplexes Bild. Neben der Druck- und Schutzvorrichtung werden verbreitet noch alternative Schutzeinrichtungen wie etwa Bogenfedern bereitgestellt. An circa 40 Prozent der Maschinen wurde ein Abweisbügel vorgefunden – eine veraltete Schutzmaßnahme, die nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.

Handlungsbedarf besteht bei technischen, organisatorischen und personenbezogenen Maßnahmen. Insbesondere an Abrichthobel- und Tischfräsmaschine müssen aus Sicht der BGHM Werkzeugverdeckungen nach dem aktuellen Stand der Technik vorhanden sein. Organisatorisch ist sicherzustellen, dass ungeeignete Werkzeugverdeckungen auch nicht als Alternative bereitgestellt werden. Die geringsten Nachrüstbedarfe wurden bei Formatkreissägemaschinen festgestellt. Da aber auch an gut ausgestatteten Formatkreissägemaschinen weiterhin schwere Unfälle auftreten, bleibt sicheres Verhalten entscheidend. Die Kampagne CHECK F!VE bietet hierfür eine geeignete Unterstützung.

  • „Luft nach oben besteht unter anderem darin, dass endlich die Abweisbügel an Tischfräsmaschinen aus den Betrieben verschwinden, die seit vielen Jahren nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.“
    Jürgen Faiß, Fachreferent für Holzbe- und -verarbeitungsmaschinen und Aufsichtsperson

Absaugtechnik und Lagerung von Holzstaub: Luftgetragene Gefahrstoffe bleiben Thema 

Hinsichtlich der Absaugtechnik wurden mit Fokus auf den Brand- und Explosionsschutz die Absaugeinrichtungen sowie die angegliederte Lagerung betrachtet. Ein Großteil der Anlagen wurde von einer Fachfirma geplant, errichtet oder auch umgebaut. Etwa bei der Hälfte wurde die vorgeschriebene Wirksamkeitskontrolle bei Inbetriebnahme durchgeführt und dokumentiert. 

Die verschiedenen Typen von Absaugeinrichtungen – Entstauber, Filteranlage und rohluftseitiger Entstauber beziehungsweise Filterraum – sind in Klein- und Kleinstbetrieben bis 49 Mitarbeiter in etwa gleichmäßig präsent. Der überwiegende Teil wird ohne Luftrückführung betrieben. Wird die Luft in den Arbeitsraum zurückgeführt, so wird sie mehrheitlich nicht, wie gesetzlich gefordert, technisch überwacht. Es zeigte sich zudem, dass die Beschaffung von rohluftseitigen Entstaubern und Filterräumen in den vergangenen Jahren abgenommen hat, da sie im Zusammenhang mit Holzstaub nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen.

Gelagert wird Holzstaub zu rund einem Drittel in Silos. Insbesondere eine angemessene Organisation des Brand- und Explosionsschutzes ist in den Betrieben oftmals nicht vorhanden. Beispielsweise fehlen Regelungen zur Störungsbeseitigung im Silo oder zur Erstellung eines Explosionsschutzdokuments.

In Bezug auf die Absaugtechnik haben die Ergebnisse des Präventionstags Holz gezeigt, dass die Gefährdungen durch luftgetragene Gefahrstoffe ein Schwerpunktthema bei Betriebsbesuchen in Holzbetrieben sein müssen. Die BGHM wird das Thema auch in ihren Präventionsangeboten weiter verankern.

  • Der Neukauf rohluftseitiger Entstauber und die Errichtung von Filterräumen entspricht in der Holzbe- und -verarbeitung nicht mehr dem Stand der Technik. Dass beides in den vergangenen Jahren rückläufig ist, ist ein positives Signal.“
    Mike Jürgensmeier, Fachreferent für Holz, Maschinen und Technologie