Betriebsbesuche am Präventionstag Holz

Präventionstag Holz
Markus Plum, geschäftsführender Gesellschafter der Adrian Eichhorn Holzwerkstätte GmbH & Co. KG, und Aufsichtsperson Manfred Böhler beim Betriebsrundgang.
© BGHM

Überwachung und Beratung für neue Impulse: ein Praxisbericht

Einige Baumstämme warten darauf, zerteilt und für die Weiterverarbeitung vorbereitet zu werden. Die Maße, nach denen sie zugeschnitten werden sollen, müssen die Mitarbeiter der Herbert Palige GmbH zunächst in das große Gattersägewerk übertragen. Dazu montieren sie die zuvor frisch geschliffenen Gattersägeblätter wieder in die Maschine und stellen die passenden Abstände zwischen ihnen ein. 

Manfred Böhler, die für das Unternehmen zuständige Aufsichtsperson der BGHM, beobachtet den Vorgang und hat dabei unter anderem einen gelben Hebel links neben dem Gatter im Blick – die sogenannte Walzensicherung. „Sehr gut, die ist arretiert, so wie es sein soll.“ Andernfalls wären die Beschäftigten in ernsthafter Gefahr. Denn die schwere Walze, die unmittelbar vor den Gatterblättern hängt und während des Sägevorgangs den Baumstamm fixiert sowie für gleichmäßigen Vorschub sorgt, könnte sonst die Mitarbeitenden im schlimmsten Fall tödlich verletzen. 

Erinnerung an die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen 

Dass Böhler an diesem 19. März, dem sogenannten Josefstag – dem Schutzpatron der Tischler, Schreiner und Zimmerleute – hier ist und die Sägevorbereitungen beobachtet, ist kein Zufall. Er besucht die Herbert Palige GmbH, Säge- und Hobelwerk sowie Holzhandel im hessischen Jossgrund, im Rahmen des sogenannten Präventionstags Holz. Die BGHM hat diesen Aktionstag ins Leben gerufen, weil die Unfallquote in der Holz-Branche etwa doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt der Branchen, deren Betriebe bei ihr versichert sind. Das Ziel ist, an die hohe Priorität von Präventionsmaßnahmen zu erinnern. 

An diesem Tag besuchen die 350 Aufsichtspersonen der BGHM deutschlandweit etwa 1700 Betriebe. Die Herbert Palige GmbH ist einer davon. 1949 gegründet, ist sie mittlerweile in dritter Generation in Familienhand. Je nach Saison arbeiten hier bis zu 19 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen an unterschiedlichen Maschinen, vom Gattersägewerk über den Portalkran in Fachwerkbauweise bis zur Untertischkreissäge. Letztere ist hochmodern, andere Maschinen sind dagegen viele Jahre alt. Der Portalkran etwa ist Baujahr 1964. Damit er auch weiterhin gute Dienste leisten kann, sind Instandhaltungs- und Wartungsmaßnahmen notwendig. Manfred Böhler bespricht mit Betriebsinhaber Roland Palige, dass demnächst die Schweißnähte überprüft werden sollten. 

Etwa zwei Stunden dauert der Besuch insgesamt, dann zieht Böhler ein positives Fazit: „Die Herbert Palige GmbH ist ein Sägewerk, in dem sich im Vergleich nur wenige Unfälle ereignen. Hier wird kontinuierlich dafür gesorgt, dass auch an den älteren Maschinen sicher gearbeitet werden kann.“ 

Moderne Fertigung reduziert Gefährdungen 

Im wenige Kilometer entfernten Wächtersbach wartet Betrieb Nummer zwei auf Böhler. Die Adrian Eichhorn Holzwerkstätte GmbH hat eine lange Tradition. Das Unternehmen wurde 1776 als Schreinerei gegründet und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem hochspezialisierten Betrieb für den Möbel- und Innenausbau. Heute entstehen hier unter anderem Büroeinrichtungen für Großprojekte in ganz Deutschland. 60 Beschäftigte hat der Betrieb. 

Markus Plum, geschäftsführender Gesellschafter, setzt auf moderne Fertigungstechniken, insbesondere auf CNC-Verfahren. Ist ein Projekt geplant, werden zunächst die notwendigen Holzplatten vorbereitet. Auf ihnen werden Etiketten mit QR-Codes angebracht, anhand derer die Maschinen bis auf den Millimeter genau wissen, an welcher Stelle und in welcher Stärke geschnitten, gebohrt oder gefräst werden muss. Auch die zum Arbeitsschritt passenden Werkzeuge spannt die Maschine selbstständig ein. Der Arbeitsgang muss nicht händisch vorbereitet werden – damit sind viele Gefährdungen bereits ausgeschlossen. 

Haben die CNC-Maschinen die Möbelbauteile zugeschnitten, geht es weiter in den Handfertigungsbereich. Hier hat jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin einen eigenen Montagearbeitsplatz zur Verfügung, um die Bauteile zum Endprodukt zusammenzusetzen. Böhler begutachtet alle Maschinen. Hier und da fallen ihm Kleinigkeiten an den Schutzvorrichtungen auf. 

Markus Plum hört ihm aufmerksam zu und macht Fotos mit dem Handy. Er hält den Präventionstag Holz für eine sinnvolle Aktion. „Für mich ist das ein Impulstag“, sagt er. „Herr Böhler sieht einfach Dinge, die mir im Alltag nicht immer auffallen.“ Auch Roland Palige bewertet den Präventionstag Holz positiv: „Die Schwerpunktaktion ist eine gute Gelegenheit, den Blick noch mal mehr auf den Arbeitsschutz zu richten.“ Zwei Betriebe, ein Ziel: mehr Sicherheit im Arbeitsalltag.