Interview zum Präventionstag Holz

Was Betriebe jetzt wissen müssen
Schwerpunkttag für die Betriebe der Holzbranche: Die rund 350 Aufsichtspersonen der BGHM werden am 19. März 2026 ausschließlich Holz-Betriebe besuchen. Dabei beraten sie zur Prävention von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten, achten aber auch auf die Organisation des Arbeitsschutzes. Anlass ist der von der BGHM ausgerufene „Präventionstag Holz“. Der Leiter der Prävention bei der BGHM, Detlef Guyot, und Roland Trocha, als Leiter der Hauptabteilung Präventionsbezirke für die Aufsichtspersonen verantwortlich, erklären, was Betriebe erwartet und warum es speziell um die Holzbranche geht.
Herr Guyot. Wie kam es zu der Idee, einen „Präventionstag Holz“ ins Leben zu rufen?
Detlef Guyot: Unsere Aufsichtspersonen, kurz: APen, sind regelmäßig in unseren Mitgliedsbetrieben präsent und beraten und überwachen dort zu sicheren und gesunden Arbeitsbedingungen. Um die Aufmerksamkeit für den Arbeitsschutz auch darüber hinaus zu erhöhen, führen wir Schwerpunktaktionen durch. Wir möchten uns mit dem „Präventionstag Holz“ in diesem Jahr speziell den holzbearbeitenden und -verarbeitenden Betrieben widmen. Am 19. März ist der Tag des heiligen Josefs, der auch als Schutzpatron der Tischler und Schreiner bekannt ist. Daher ist für uns dieser Tag ein geeigneter Termin für den „Präventionstag Holz“.
Die Idee zu diesem Aktionstag entstand auch aus den positiven Erfahrungen, die wir bei der von uns organisierten Nacht des Arbeitsschutzes im Jahr 2025 gesammelt haben. Damals haben unsere APen Unternehmen während der Nachtschicht besucht, um die Wirksamkeit des Arbeitsschutzes in den Randzeiten zu betrachten. Die Ansprechpartner in den Betrieben, von den Führungskräften über die Fachkräfte für Arbeitssicherheit bis hin zu den Beschäftigten, nahmen sich viel Zeit für uns und waren offen für Gespräche. Der Tenor aus den Betrieben war, dass es als Wertschätzung wahrgenommen wurde, dass wir uns auch in der Nachtschicht um den Arbeitsschutz kümmern.
Welche Unfälle kommen in Holzbetrieben denn besonders oft vor, Herr Guyot?
Detlef Guyot: Unsere Auswertungen der von den Betrieben gemeldeten Unfälle zeigen, dass das Materialhandling sowie das Arbeiten an den üblichen Holzbearbeitungsmaschinen – von Tisch- und Formatkreissägen über Abrichthobelmaschinen bis hin zu Tischfräsmaschinen – nach wie vor besonders unfallträchtig sind. An den Maschinen kommt es immer noch zu Amputationsverletzungen. Das heißt, Beschäftigten werden bei einem Unfall ein oder mehrere Finger oder gar die ganze Hand abgetrennt. Der falsche Umgang mit Cuttermessern führt besonders häufig zu Schnittverletzungen.
Herr Trocha, aus der Praxis gesprochen: Wie könnten diese Unfälle verhindert werden? Welche präventiven Maßnahmen sind zu ergreifen?
Roland Trocha: Als Arbeitsschützer denken wir immer im TOP-Schema: Technische Maßnahmen haben Vorrang vor organisatorischen und persönlichen Schutzmaßnahmen. Während bei klassischen Holzbearbeitungsmaschinen früher beispielsweise oft Persönliche Schutzausrüstung eingesetzt wurde, sehen wir in den vergangenen Jahren einen Trend zu mehr technischer Sicherheit. Diese Entwicklung begrüßen wir und wir begleiten sie mit unserer Beratungsleistung vor Ort und der bei der BGHM angesiedelten DGUV Test Prüf- und Zertifizierungsstelle Fachbereich Holz und Metall, kurz: PuZ HM. Sie unterstützt Hersteller durch Prüfung von Produkten wie zum Beispiel Holzbearbeitungsmaschinen oder Sicherheitskomponenten, die den nationalen und europäischen Sicherheits- und Gesundheitsschutzanforderungen entsprechen. Weist eine Maschine das DGUV Test-Zertifikat auf, kann von Sicherheitstechnik auf höchstem Niveau ausgegangen werden.
Herr Trocha, als Leiter der Hauptabteilung Präventionsbezirke sind Sie der Vorgesetzte der Aufsichtspersonen bei der BGHM. Was genau ist deren Aufgabe?
Roland Trocha: Aufsichtspersonen beraten Versicherte und Unternehmen zu Fragen des Arbeitsschutzes. Dort, wo es notwendig ist, setzen sie auch Maßnahmen mit Nachdruck durch. Sie untersuchen zudem Arbeitsunfälle und ermitteln bei einem Verdacht auf eine Berufskrankheit. Ihre gesammelten Arbeitsschutz-Erkenntnisse geben sie außerdem in unseren Qualifizierungsveranstaltungen an Arbeitsschutz-Verantwortliche aus den Mitgliedsbetrieben weiter.
Wie genau läuft so ein Betriebsbesuch in einem Unternehmen ab?
Roland Trocha: Zunächst wird bei einem Betriebsbesuch die Arbeitsschutzorganisation des Unternehmens erfragt. Es geht zum Beispiel darum, dass eine Gefährdungsbeurteilung vorliegt und dass die Beschäftigten regelmäßig unterwiesen werden. Der Unternehmer erhält bei Bedarf Unterstützung dabei, seine Ansätze im Arbeitsschutz zu optimieren. Die Aufsichtsperson wählt auf Basis ihrer Branchenkenntnisse die Betriebsbereiche aus, die sie gezielt besichtigt. Abschließend erhält das Unternehmen Rückmeldungen zu notwendigen Verbesserungen. Bei gravierenden Mängeln, die nicht sofort abgestellt werden können, können Aufsichtspersonen auch Zwangsmaßnahmen wie zum Beispiel Anordnungen oder Bußgelder verhängen.
Was ist das Ziel des „Präventionstags Holz“ und wie wird es danach weitergehen?
Detlef Guyot: Ziel ist es, das Bewusstsein für den Arbeitsschutz in der Holzbranche zu stärken und Unternehmer sowie Unternehmerinnen dabei zu unterstützen, sichere und gesunde Arbeitsplätze zu schaffen. Die Impulse, die unsere APen aus den Betrieben mitbringen, werden in unsere Präventionsleistungen einfließen, um zu noch mehr Wirksamkeit im Arbeitsschutz und damit zu einem Rückgang der Arbeitsunfälle in der Branche beizutragen.