Arbeitsmedizinische Vorsorge bei Arbeiten im Freien

Arbeiter mit Schutzhelm; © Andrii Klemenchenko/123RF.com

Die BGHM erklärt, was Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber beachten müssen

Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber mit Beschäftigten, die im Freien arbeiten, haben die Sonnenstrahlung in der Gefährdungsbeurteilung zu berücksichtigen, geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu unterweisen.

Je nachdem, wie lange und stark die betreffenden Beschäftigten der Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, kann zudem eine Angebotsvorsorge nach der arbeitsmedizinischen Vorsorgeverordnung notwendig sein. Wann das der Fall ist und was sie beinhaltet, erklärt Dr. Birgit Pieper von der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM), Leiterin des Sachgebiets Hautschutz im DGUV-Fachbereich Persönliche Schutzausrüstung (PSA).

Angebotsvorsorge ist bei intensiver Belastung Pflicht

Durch die natürliche UV-Strahlung der Sonne können Haut und Augen geschädigt werden. Das Plattenepithelkarzinom, eine Form des weißen Hautkrebses, sowie seine Vorstufen, multiple aktinische Keratosen der Haut durch natürliche UV-Strahlung, wurden 2015 unter der Ziffer BK 5103 in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen. „Seitdem wurden viele entsprechende Verdachtsanzeigen gestellt“, erklärt Dr. Pieper.

Um arbeitsbedingte Gesundheitsgefährdungen durch natürliche UV-Strahlung zu vermeiden oder zu minimieren, wurde der Anhang 3 der Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) entsprechend ergänzt. Arbeitgebende müssen Beschäftigten, die im Freien arbeiten und dabei intensiver Belastung durch Sonnenstrahlung ausgesetzt sind, schriftlich eine arbeitsmedizinische Vorsorge durch eine Betriebsärztin oder einen Betriebsarzt anbieten (Angebotsvorsorge). Grundlage dafür ist die Gefährdungsbeurteilung.

Lage, Tages- und Jahreszeit spielen ebenfalls eine Rolle

Wann von einer intensiven Belastung durch Sonnenstrahlung auszugehen ist, definiert die Arbeitsmedizinische Regel (AMR) 13.3 „Tätigkeiten im Freien mit intensiver Belastung durch natürliche UV-Strahlung von regelmäßig einer Stunde oder mehr je Tag“. Ob eine arbeitsmedizinische Vorsorge angeboten werden muss, ist nicht nur allein von der Dauer abhängig, also ob Beschäftigte der Sonne regelmäßig eine Stunde oder mehr ausgesetzt sind. Auch die geografische Lage sowie die jeweilige Jahres- und Tageszeit spielen dabei eine Rolle.

„Außerdem ist eine arbeitsmedizinische Vorsorge auch dann anzubieten, wenn bereits persönliche Schutzmaßnahmen ergriffen werden“, ergänzt Dr. Pieper. Da eine Gesundheitsgefährdung durch Sonnenstrahlung auch bei geringerer Exposition nicht ausgeschlossen werden kann, können in diesem Fall Beschäftigte für Tätigkeiten im Freien eine arbeitsmedizinische Wunschvorsorge gemäß Paragraf 5a ArbMedVV in Anspruch nehmen.

Häufigkeit und Zuständigkeit

Die arbeitsmedizinische Vorsorge hat vor Aufnahme der Tätigkeit und anschließend in regelmäßigen Abständen zu erfolgen. Sie darf nur von Fachärztinnen und Fachärzten für Arbeitsmedizin sowie Ärztinnen und Ärzten mit der Zusatzbezeichnung Betriebsmedizin durchgeführt werden. Die Vorsorge im Zusammenhang mit Sonnenstrahlung umfasst eine allgemeine Anamnese unter Berücksichtigung individueller Faktoren, wie Hauttyp, Medikamenteneinnahme sowie Krankheiten, die mit Sonnenstrahlung in Verbindung stehen.

Darüber hinaus wird eine detaillierte Arbeitsanamnese unter Beachtung der Tätigkeiten, Kontaktstoffe und Schutzmaßnahmen erstellt. Darauf basierend werden die Beschäftigten individuell beraten und gegebenenfalls untersucht – immer mit dem Ziel, Hautschäden vorzubeugen.