Risikofaktor für Lungenkrebs: Neue Messpflicht für Radon

Ausschnitt aus dem Periodensystem: Radon; © antoine2k/123RF.com

Mess-Start in Radon-Vorsorgegebieten

Radon gehört nach dem Rauchen zu den größten Risiken für eine Lungenkrebserkrankung. Nach dem Strahlenschutzgesetz und der dazugehörigen Strahlenschutzverordnung müssen deswegen an Arbeitsplätzen in sogenannten Radon-Vorsorgegebieten, die in Deutschland in sechs Bundesländern zu finden sind, besondere Schutzmaßnahmen vor Radon getroffen werden.

Das Ziel ist, dass eine Radon-Konzentration in der Luft im Jahresmittel unterhalb des Referenzwertes von 300 Becquerel pro Kubikmeter liegt. Messungen in Betrieben, die in sogenannten Radon-Vorsorgegebieten liegen, müssen im Juni starten. Diese Messungen sind der erste Schritt in einem vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vorgegebenen Stufenkonzept.

Radon ist ein radioaktives Edelgas, das geschmacks- und geruchslos ist und damit nicht mit den menschlichen Sinnen wahrgenommen werden kann. Es entsteht beispielsweise beim natürlichen radioaktiven Zerfall von Uran oder Thorium im Erdreich und gelangt über den Erdboden ins Freie oder über Risse, Fugen, Zugänge und Rohranschlüsse in Gebäude. Im Freien kommt es zu einer schnellen und starken Verdünnung des Edelgases, sodass hier nur geringe Radon-Konzentrationen entstehen.

In Innenräumen können jedoch unter gewissen Umständen hohe Radon-Konzentrationen auftreten, insbesondere in Kellern oder erdnahen Räumen. Werden Radon oder dessen Zerfallsprodukte über einen längeren Zeitraum hinweg in einer bestimmten Konzentration eingeatmet, so kann aufgrund der damit verbundenen ionisierenden Strahlung das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken, steigen. 

Messungen an Arbeitsplätzen

Bis Ende 2020 mussten die Bundesländer sogenannte Radon-Vorsorgegebiete ermitteln und bekanntgeben, in denen der Radon-Referenzwert von 300 Becquerel pro Kubikmeter innerhalb von Gebäuden überschritten werden kann. Die Regelungen zum Schutz vor Radon geben vor, dass in diesen Vorsorgegebieten an Arbeitsplätzen in Erd- oder Kellergeschossen bis Mitte 2022 eine Messung der Radonkonzentration stattgefunden haben muss. Bei einer vorgegebenen Messdauer von einem Jahr ergibt sich damit, dass die Messungen im Juni 2021 starten müssen.

Eine Messung von Radon in Innenräumen erfolgt unkompliziert mittels eines kleinen Passivsammlers, der von zertifizierten Messstellen bezogen und ausgewertet wird. Eine Liste anerkannter Messstellen findet sich auf der Webseite des Bundesamtes für Strahlenschutz. Zeigen die Messergebnisse, dass die gemittelte Radon-Konzentration 300 Becquerel pro Kubikmeter überschreitet, sind nach dem Stufenkonzept weitere Maßnahmen, wie etwa Lüftungspläne oder das Abdichten beispielsweise von Türen, Fugen oder Rohrleitungen, zu ergreifen.

Wenn die Konzentration darunter liegt, sind die Messergebnisse zu dokumentieren und aufzubewahren. Zu beachten ist, dass Veränderungen an Gebäuden oder Lüftungseinrichtungen den aufgenommenen Radon-Konzentrationswert beeinflussen können. Auch außerhalb der Radon-Vorsorgegebiete kann es sein, dass der Radon-Referenzwert überschritten wird. Eine freiwillige Messung entsprechend einer betrieblichen Gefährdungsbeurteilung erscheint sinnvoll.