Eierstockkrebs durch Asbest

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat „Berufskrankheiten“ beim BMAS hat empfohlen, die bestehende Berufskrankheit-Nr. 4104 zu ergänzen.

Der Ärztliche Sachverständigenbeirat „Berufskrankheiten“ (ÄSVB) beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat empfohlen, die bestehende Berufskrankheit-Nr. 4104 (Lungenkrebs/Kehlkopfkrebs durch Asbest) um folgende neue Berufskrankheit zu ergänzen (Bekanntmachung vom 01.12.2016, GMBl 2017 Nr. 2, S. 15):

„Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs)

  • in Verbindung mit Asbeststaublungenerkrankung (Asbestose),
  • in Verbindung mit durch Asbeststaub verursachter Erkrankung der Pleura oder
  • bei Nachweis der Einwirkung einer kumulativen Asbestfaserstaub-Dosis am Arbeitsplatz von mindestens 25 Faserjahren → {25 x 106 [(Fasern/m³) x Jahre]}“

Damit sind bei Vorliegen der genannten Voraussetzungen Anerkennungen derartiger Krebserkrankungen nach Paragraf 9 Abs. SGB VII „wie eine Berufskrankheit“ möglich. Es ist zu erwarten, dass der Verordnungsgeber dem Vorschlag folgen wird und bei der nächsten Neufassung der Liste der Berufskrankheiten die bestehende BK-Nr. 4104 um das Ovarialkarzinom ergänzt.

In der wissenschaftlichen Begründung zur Aufnahmeempfehlung in die Liste der Berufskrankheiten weist der ÄSVB darauf hin, dass eingeatmete Asbestfasern neben der die Lunge schädigenden Wirkung (Asbestose) auch lokal Krebs verursachen können. Die Aufnahme der Asbestfasern erfolge in erster Linie beim Einatmen. Durch die Selbstreinigungsprozesse der Lunge werde der größte Teil der in der Lunge abgelagerten Fasern zunächst in das Magen-Darm-System überführt und von dort aus offenbar zum Teil in die Bauchhöhle. Auch werden ein Transport über die Blutbahn und ein Eindringen der Fasern in die Höhlen des Brust- und Bauchraumes diskutiert. Obwohl Probleme bestehen, aus den vorliegenden Studien eine exakte Dosis für die Anerkennung zu belegen, sei es aufgrund der ausgewerteten Daten wissenschaftlich gerechtfertigt, die Anerkennung eines Ovarialkarzinoms als Berufskrankheit infolge beruflicher Asbestexposition an dieselben medizinischen und arbeitstechnischen Voraussetzungen zu knüpfen, die für die Bejahung eines asbestbedingten Lungenkrebses gefordert werden.

Weitere Informationen beim BMAS.