Sicher arbeiten an Werkzeugmaschinen

Fachleute informieren in Bamberg über neue Entwicklungen und Aspekte beim Arbeitsschutz

Bamberg/Mainz (BGHM) Mehr Funktionen, vernetzte Produktion und eine rasante Weiterentwicklung – doch trotz fortgeschrittener Sicherheitstechnik gibt es immer noch, zum Teil auch neues Gefahrenpotenzial beim Arbeiten an Werkzeugmaschinen. Um über erforderliche Arbeitsschutzaspekte zu informieren, haben Fachleute der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) und des Fachbereichs Holz und Metall (FBHM) der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung am 11. Juli 2019 die Fachveranstaltung Maschinen der Berufsgenossenschaft Holz und Metall in Bamberg organisiert. Einer von ihnen ist Christoph Meyer, Mitarbeiter in der Abteilung Maschinen, Robotik, Holzverarbeitung der BGHM. Im Interview erzählt er von einigen Schwerpunkten rund um die Sicherheit an Werkzeugmaschinen.

Herr Meyer, wieso stehen gerade Werkzeugmaschinen im Fokus der diesjährigen Fachveranstaltung?

Christoph Meyer: Werkzeugmaschinen sind in Produktionsbetrieben und Werkstätten weit verbreitet. Für sehr viele Beschäftigte ist es daher wichtig, dass ein sicherer Betrieb dieser Maschinen gewährleistet wird. Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Maschinen- und Werkzeugtechnologie führt zu immer komplexeren Fertigungsmöglichkeiten, die zugleich auch neue Risiken für sicheres Arbeiten mit sich bringen können. Darauf muss der Arbeitsschutz reagieren, zum Beispiel in Form überarbeiteter internationaler Sicherheitsnormen für Maschinen. Darüber hinaus helfen neue sicherheitstechnische Lösungen, die Risiken für Anwender zu minimieren. Aufgrund dieser wechselseitigen Dynamik kommt dem Austausch über aktuelle Informationen zum Stand der Technik, über neue Lösungsansätze und Ideen für die Zukunft große Bedeutung zu. Um das Expertenwissen aus verschiedenen Disziplinen zu bündeln und den Austausch zu fördern, gibt es die Fachveranstaltung Maschinen. Sie bringt alle relevanten Zielgruppen an einem Ort zusammen: Hersteller und Betreiber von Werkzeugmaschinen sowie CE-Beauftragte, Fachkräfte für Arbeitssicherheit, Einkäufer, Fertigungsplaner und Konstrukteure.

Was sind wichtige Aspekte, die die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit an diesen Maschinen verbessern?

Christoph Meyer: Entscheidend für die Sicherheit an Werkzeugmaschinen ist, den Anreiz zur Manipulation von Schutzeinrichtungen möglichst gering zu halten. Bei bestimmten Fertigungsverfahren an automatischen Werkzeugmaschinen kann beispielsweise eine softwaregestützte Simulation verhindern, dass Schutztüren so manipuliert werden, dass die bedienende Person dem laufenden Bearbeitungsprozess zu nahekommt und direkt eingreift. Des Weiteren besteht ein nicht zu unterschätzendes Brand- und Explosionsrisiko bei Bearbeitungskonstellationen, bei denen nicht wassermischbare, brennbare Kühlschmierstoffe eingesetzt werden. Die dafür vorgesehenen Schutzeinrichtungen an Werkzeugmaschinen müssen festgelegte Kriterien erfüllen, um Brand- und Explosionsrisiken wirksam zu minimieren. Um dies sicherzustellen, werden im Rahmen eines BGHM-geförderten Forschungsprojekts neue Prüfverfahren entwickelt. Ein Ziel dabei ist beispielsweise die Wirksamkeit von Schutzeinrichtungen gegen Flammenaustritte nachzuweisen oder zu verbessern.

Wie können Unternehmensverantwortliche diese Themen im Betrieb ansprechen?

Christoph Meyer: Schutzmaßnahmen an der Maschine selbst, für die der Hersteller zu sorgen hat, sind lediglich ein erster Schritt für den sicheren Betrieb. Der zweite Schritt obliegt dem Betreiber: Er muss anhand einer sorgfältig durchgeführten Gefährdungsbeurteilung unter Beachtung der Herstellerangaben die vorhandenen Restrisiken im Umgang mit der Maschine am jeweiligen Einsatzort erkennen und wirksam minimieren. Zugleich muss auf Grundlage der Gefährdungsbeurteilung eine Betriebsanweisung erstellt und das bedienende Personal in regelmäßigen Abständen unterwiesen werden.

Seit mehreren Jahren schreitet die Digitalisierung auch bei Werkzeugmaschinen weiter voran. Welche neuen Herausforderungen stellt das an den Arbeitsschutz?

Christoph Meyer: Die digitale Vernetzung von Maschinen – über das Internet oder ein firmeneigenes Netzwerk – ermöglicht die Entwicklung von komplexen Fertigungsprozessen und damit verbundenen Produktivitätssteigerungen. Vernetzte Produktionssysteme bieten allerdings auch neue Angriffsmöglichkeiten, zum Beispiel durch eingeschleuste Schadsoftware. Sicherheitsfunktionen von Maschinen können so unbeabsichtigt oder gezielt beeinträchtigt oder außer Kraft gesetzt werden. Das betrifft folglich auch den Arbeitsschutz. Die Aspekte „Safety“ und „Security“, also technische Sicherheit und IT-Sicherheit, lassen sich daher auch nicht mehr getrennt betrachten. Hier setzen die BGHM und der FBHM an und veröffentlichen fortlaufend gemeinsam mit anderen Institutionen, darunter Sozialpartner, Fachverbände und Wissenschaft, praxisnahe Fachinformationen (z. B. FB AKTUELL, DGUV-Informationen) und beteiligen sich an der Entwicklung von Prüfgrundsätzen der innerhalb von DGUV-Test organisierten vier Prüfstellen für die Holz- und Metallbranche.

Weitere Informationen unter www.bghm.de, Webcode 626 und www.dguv.de Webcode: d545136. Dort steht die DGUV Information Nr. 102 „Safety und Security in der vernetzten Produktion“ als PDF zum Herunterladen zur Verfügung.