Neue Unfallverhütungsvorschrift „Bauarbeiten“ tritt zum 1. Juli in Kraft

Fachmann der Berufsgenossenschaft Holz und Metall erläutert Neuerungen

Der Arbeitsschutz auf Baustellen, zusammengefasst in der Unfallverhütungsvorschrift (UVV) „Bauarbeiten“, die auch als DGUV Vorschrift 38 bezeichnet wird, ist neu geregelt worden. Zum 1. Juli 2020 tritt die aktuelle Version der DGUV Vorschrift „Bauarbeiten“ bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) in Kraft – neu strukturiert, inhaltlich grundlegend überarbeitet und an das staatliche Vorschriften- und Regelwerk angepasst. Somit gibt es nun klarere und einheitlichere Regelungen für ein sicheres Arbeiten auf Bau- und Montagestellen. „Neu ist beispielsweise, dass diese UVV auch für Solo-Selbständige gilt. Auch sie sind damit verpflichtet, die Unfallverhütungsvorschriften der Berufsgenossenschaft einzuhalten, da diese in erster Linie im öffentlichen Interesse der Verhinderung von Arbeitsunfällen und dem Schutz von Leben und Gesundheit der Menschen dienen“, erklärt Stephan Mrosek von der BGHM.

Die neue UVV „Bauarbeiten“ wurde erheblich gestrafft. Zu den wichtigsten Themen gehören neben der Baustellenleitung und -aufsicht die Standsicherheit und Tragfähigkeit von baulichen Anlagen oder Einrichtungen, der Betrieb von selbstfahrenden Arbeitsmitteln und Fahrzeugen auf Baustellen sowie Gefahren durch Absturz oder herabfallende Gegenstände.

Allgemeine Änderungen

Im Abschnitt „Begriffsbestimmungen“ ist nun definiert, was genau ein Arbeitsplatz ist und was Verkehrswege sind. Damit ist eine eindeutige Abgrenzung, beispielsweise in Bezug auf unterschiedliche Vorgaben bei Schutzmaßnahmen gegen Absturz, möglich. Neu ist zudem die Forderung, dass es bei der Durchführung von Bauarbeiten möglich sein muss, zumindest mit dem Aufsichtführenden oder dessen Vertretung in deutscher Sprache zu kommunizieren. „Das kann auch über einen Dolmetscher erfolgen, der natürlich die notwendigen Fachbegriffe kennen muss“, so Mrosek.

Verwendung von Leitern

Die Verwendung von Leitern als Arbeitsplatz wurde den Bestimmungen aus der TRBS 2121 Teil 2 „Gefährdung von Beschäftigten bei der Verwendung von Leitern“ angepasst. So dürfen sie nur zum Einsatz kommen, wenn andere, sicherere Arbeitsmittel, wie Hubarbeitsbühnen oder fahrbare Arbeitsbühnen (Rollgerüste), nicht verwendet werden können und dies in der Gefährdungsbeurteilung nachvollziehbar begründet wurde. Grundsätzlich dürfen Arbeiten auf Leitern nur noch bis zu einer Standhöhe von 5 Metern ausgeführt werden, ab 2 Metern ausschließlich zeitweilige Arbeiten. Der Begriff „zeitweilige Bauarbeiten“ wurde in dieser UVV neu definiert und umfasst zum Beispiel Wartungs-, Inspektions-, oder kleinere Montagearbeiten, die einen Zeitraum von zwei Stunden je Arbeitsschicht nicht überschreiten. Eine weitere Neuerung ist, dass tragbare Leitern als Arbeitsplatz bei Bauarbeiten nur eingesetzt werden dürfen, wenn Versicherte mit beiden Füßen auf einer Stufe (Breite mindestens 80 Millimeter) oder auf einer Plattform stehen. Für vorhandene Sprossenleitern ist der Einsatz von Einhängepodesten möglich, wobei hier jedoch die Praxistauglichkeit eingeschränkt ist.

Absturz

Die Festlegungen zu den Absturzhöhen wurden ebenfalls an das staatliche Regelwerk angepasst. Verkehrswege bei Bauarbeiten sind nun generell ab mindestens 1 Meter Absturzhöhe zu sichern, Arbeitsplätze allgemein dagegen erst ab 2 Metern. Bisher geltende Ausnahmen für Dacharbeiten sowie Mauern über die Hand und an Fenstern sind entfallen. Die bewährte Rangfolge bei der Auswahl von Schutzmaßnahmen gegen Absturz wurde dagegen beibehalten. So gilt nach wie vor, dass Schutzvorrichtungen (zum Beispiel Geländer) vor Auffangeinrichtungen (zum Beispiel Schutznetz) einzusetzen sind und diese wiederum vor Persönlichen Schutzausrüstungen gegen Absturz (PSAgA, zum Beispiel Auffangsystem). Hinzugefügt wurde, dass vor Benutzung von PSAgA beurteilt werden muss, ob sie für die vorgesehene Tätigkeit geeignet sind. Dabei müssen unter anderem der erforderliche Freiraum unter dem Standplatz, geeignete Anschlageinrichtungen oder mögliche Kantenbeanspruchungen berücksichtigt werden. Zudem müssen Beschäftigte darin unterwiesen werden, wie sie PSAgA verwenden und wie sie erforderliche Rettungsmaßnahmen durchführen.

Erläuterungen zu den Inhalten der DGUV Vorschrift 38 erfolgen noch über eine DGUV Regel, die im Laufe des Jahres 2020 veröffentlicht werden soll.