Der Mensch steht im Mittelpunkt

ITW EF&C Selb GmbH erhält „Schlauen Fuchs“ der BGHM für gelebte Präventionskultur

Selb (BGHM). Jeder Neuanfang bietet die Chance, über sich hinauszuwachsen. Das galt auch für den Selber Automobilzulieferer ITW EF&C Selb GmbH, als der US-Konzern ITW vor zwei Jahren das Werk übernahm. Aufgrund des Wechsels und der damit verbundenen Neuausrichtung der gesamten Betriebsorganisation wurde auch der Arbeitsschutz umstrukturiert. „Wir mussten diese Chance nutzen und unseren Arbeitsschutz auf eine neue fundierte Grundlage stellen. Wichtig war uns insbesondere, dass alle Beschäftigten aktiv an den Verbesserungen beteiligt sind“, erinnert sich Hermann Ondruschka, Sicherheitsfachkraft bei ITW EF&C Selb GmbH. Der 59-jährige gestaltet seit 16 Jahren den Arbeitsschutz im Werk mit – das Thema ist für ihn eine Herzensangelegenheit. „Die gesamte Belegschaft eint das Ziel, für ein sicheres und gesundes Arbeiten im gesamten Betriebsgeschehen zu sorgen. Dafür haben wir unser standorteigenes Projekt entwickelt: ‚Die Null-Unfall-Strategie‘. Teil dieser Strategie sind Sicherheits- und Ergonomieworkshops, eine aktive Beteiligung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch ein funktionierendes Vorschlagswesen sowie eine offenere und transparentere Kommunikation.“ Für diese gelebte Präventionskultur erhält das Unternehmen nun den „Schlauen Fuchs“, eine Auszeichnung der Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) für besonderes Engagement in Sachen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz.

Von Angesicht zu Angesicht

Im Mittelpunkt des Arbeitssicherheitsprojektes stehen die Beschäftigten. Sie sind gefordert, Augen und Ohren offen zu halten und den Arbeitsschutz bei allen Tätigkeiten im Blick zu behalten. „Über einen sogenannten Pocket Check kann jeder Sicherheitsgefahren melden, die im Betrieb auffallen“, erklärt Hermann Ondruschka. Pocket Checks sind kleine Formulare zum Abreißen, auf denen Sicherheitsrisiken und Gefahrenstellen notiert und so direkt an die Verantwortlichen gemeldet werden – so verschwinden sie nicht ungesehen in einer Box. „Der kleine Zettel muss persönlich einer Person aus der Abteilung HSE (kurz für Health, Safety, Environment) übergeben werden, die sich dann den Mangel sofort ansieht. Wenn möglich behebt sie die Situation umgehend oder veranlasst entsprechendes“, sagt Ondruschka. Für einen positiv bewerteten Pocket Check werden mindestens fünf Euro auf einer Bonuskarte gutgeschrieben. Falls es nicht möglich ist, den Mangel schnell zu beheben, finden spezielle Sicherheitsworkshops mit den jeweiligen Beschäftigten der betroffenen Abteilungen sowie den Führungskräften direkt vor Ort statt. „Unsere Mitarbeiter wissen am besten, wie sie die Sicherheit und Gesundheit in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld verbessern können. Diese Zusammenarbeit mit den Vorgesetzten und der Werkleitung erhöht die Arbeitssicherheit im gesamten Unternehmen. Jeden Mitarbeiter auf allen Ebenen mit einzubeziehen ist zudem das A und O. Das schafft Vertrauen und erhöht zugleich die Achtsamkeit beim Arbeitsschutz.“ Seit dem Start des neuen Arbeitssicherheitprojektes wurden 113 Pocket Checks bearbeitet und es fanden 28 Verbesserungsworkshops statt. Darüber hinaus wird die Null-Unfall-Strategie inzwischen auch in zwei weiteren ITW Werken angewendet. „Seit Oktober 2017 haben wir im Werk Selb keinen einzigen meldepflichtigen Unfall mehr verzeichnet“, erzählt Ondruschka. Carolin Schleyer, Präventionsmitarbeiterin der BGHM, ist vom umfangreichen Engagement des Unternehmens und von den vielfältigen und detaillierten Arbeitsschutzmaßnahmen beeindruckt: „Die Idee mit dem Pocket Check ist einfach, aber wirkungsvoll. Die persönliche Meldung und das umgehende Feedback fördern die Kommunikation und zeigt den Beschäftigten, dass ihr Engagement wirklich wertgeschätzt wird.“