Sicher unterwegs

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In der heutigen schnelllebigen Zeit ist Mobilität für Beschäftigte und für Unternehmen eine wesentliche Voraussetzung, um sich in der Betriebs- und Arbeitswelt zu bewähren. Wege zu Kunden und zur Arbeit werden immer länger und erfordern immer mehr Zeit. Was können Unternehmer tun, um Wegeunfälle zu verhindern?

Verkehrsunfälle verursachen oft großes persönliches Leid eines Beschäftigten und seiner Familie. Zudem fallen
nach einem Verkehrsunfall häufig hohe Kosten für Unternehmen an – durch lange Ausfallzeiten, Lohnfortzahlungen und Störungen in Betriebsabläufen. Arbeitgeber oder Führungskräfte haben jedoch viele Möglichkeiten, die Sicherheit ihrer Mitarbeiter im Straßenverkehr präventiv zu beeinflussen.

Sichere Arbeitswege

Auf die Mobilitätswahl und das Verhalten ihrer Beschäftigten im Straßenverkehr zur Arbeit und wieder zurück können Arbeitgeber keinen direkten Einfluss nehmen, denn dies liegt nicht in ihrem Verantwortungs- und Weisungsbereich. Dort entscheiden die Mitarbeiter selbst über ihr akzeptiertes Risiko. Doch schon kleine Veränderungen in der Arbeitsorganisation können das Mobilitätsverhalten der Pendler im Straßenverkehr positiv beeinflussen: Besteht im Unternehmen die Möglichkeit, Freiräume für den Arbeitsbeginn und das Arbeitsende durch Gleitzeitvereinbarungen zu gestalten? Die flexiblen Arbeitszeiten können genutzt werden, um Fahrten zu Zeiten mit geringerem Verkehrsaufkommen und damit weniger Gefährdungen (zum Beispiel durch Staus) durchzuführen. Auch auf das Verhalten im Straßenverkehr kann sich die Regelung positiv auswirken: Geschwindigkeitsbegrenzungen und Sicherheitsabstände werden eingehalten und riskante Manöver vermieden. Für einen Teil der Belegschaft könnte zudem die Benutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) statt des Pkw attraktiv werden, da sich der Arbeitsbeginn an Fahrpläne anpassen lässt. Ist die Einführung einer flexibleren Arbeitszeit nicht möglich, sollten Anreize zur Nutzung sicherer Verkehrsmittel wie Busse und Bahnen geschaffen werden. Bei festgesetzten Arbeitszeiten kommt man Arbeitnehmern insbesondere an abseits gelegenen Standorten entgegen, wenn die Zeiten des ÖPNV Berücksichtigung finden. Angebote wie Jobticket und Bahncard motivieren dazu, sichere Verkehrsmittel zu nutzen und das Auto zu Hause zu lassen.

Kulante Vereinbarungen bei Verspätungen

Unangepasste Geschwindigkeit ist die häufigste Ursache bei Unfällen mit Todesfolge. Kulante Vereinbarungen bei Verspätungen der Arbeitnehmer durch zum Beispiel erhöhtes Verkehrsaufkommen oder schlechte Witterungsbedingungen können Einfluss auf deren Verhalten nehmen. In Einzelfällen kann es helfen, Schichtarbeitszeiten für einzelne Arbeitnehmer an wichtige persönliche Anliegen (zum Beispiel häusliche Pflege, Kita, Fahrgemeinschaften) anzupassen, um Stressfaktoren zu reduzieren.

Unterstützung bei der Bildung von Fahrgemeinschaften

In Städten oder zu Zeiten von Schichtwechsel stehen oft nicht ausreichend Parkplätze für alle Beschäftigten zur Verfügung. Der Arbeitgeber kann Unterstützung bei der Bildung von Fahrgemeinschaften anbieten und hierfür einen kostenfreien Parkplatz bereitstellen. Somit entspannt sich die Parkplatzsituation und der Arbeitsweg wird für die Fahrgemeinschaften sicherer, denn die Fahrenden halten sich häufiger an die Verkehrsbeschilderungen und sind aufmerksamer.

Sichere Dienstwege

Legt ein Mitarbeiter im Rahmen seiner Arbeitsaufgaben Dienstwege zurück, hat der Arbeitgeber sowohl Weisungsbefugnis als auch Verantwortung. Viele Unternehmen haben Firmenbereiche und Geschäftspartner in mehreren Städten und Ländern. Der Einsatz moderner Techniken wie Online-Meetings und Tools, mit deren Hilfe viele Besprechungen und Dokumentenbearbeitungen vom Dienstsitz aus durchgeführt werden können, ersetzt zwar nicht gänzlich den notwendigen persönlichen Kontakt vor Ort, reduziert jedoch Fahrwege.

Unaufmerksamkeit und Ablenkung

Bereits bei der Auswahl und dem Kauf der Firmenfahrzeuge sollte der Sicherheitsaspekt mit in den Mittelpunkt gestellt werden. Bei der Ausstaffierung von Fahrzeugen sollte insbesondere auf eine Ausstattung geachtet werden, die den Fahrer nicht dazu zwingt, sich von der reinen Fahrtätigkeit abwenden zu müssen. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) geht davon aus, dass auf deutschen Straßen bei mindestens jedem zehnten Unfall mit Todesfolge Ablenkung ursächlich ist. Schon vor einigen Jahrzehnten war das Thema Ablenkung während der Fahrt ein erkanntes Problem mit hohem Gefährdungspotenzial im Straßenverkehr. Damals standen das Rauchen und Schminken während der Autofahrt im Fokus der Aufklärung – die Suche nach brennender Glut oder Zigarettenkippen im Wageninneren und das Auftragen von Lippenstift während der Fahrt waren häufig Auslöser für Unfälle. Heute sind es hauptsächlich die technischen Geräte, die im Mittelpunkt der Betrachtungen stehen: Handys, Smartphones und Tablets ziehen permanent die Aufmerksamkeit auf sich und ermöglichen es den Menschen, ständig mit ihrem sozialen Umfeld in Kontakt zu stehen. Das Lesen und Schreiben von Textbotschaften und das Bedienen von Apps sind die wesentliche Gefahr beim Fahren, aber auch das Bedienen des Navigationsgerätes und Radios, das Telefonieren, Essen und Trinken führen zu Unaufmerksamkeiten und beeinflussen die Achtsamkeit beim Autofahren negativ. In nur einer Sekunde Blickabwendung bei Tempo 50 km/h in der Stadt legt ein Fahrer 14 Meter „blind“ zurück. Bei Tempo 130 km/h sind das in einer Sekunde schon 36 Meter ohne Einfluss auf das Verkehrsgeschehen. Dabei kann sich blitzschnell eine Situation entwickeln, die zum Unfall führt. Radios, Navigationsgeräte und Freisprechanlagen sollten einfach zu bedienen sein und ein großes Display haben, das mit einem kurzen Blick erfasst werden kann. So kann die eigentliche Fahraufgabe weiter fortgeführt werden und Ablenkung wird vermieden. Generell sollten elektronische Geräte vor der Fahrt einfach ausgeschaltet werden, da es für die Sicherheit des Fahrenden nicht förderlich ist, während dieser erreichbar zu sein, fahrfremde Aufgaben zu erledigen oder Kundengespräche zu führen.

Realistischer Zeitpuffer

Das Navigationsgerät sollte immer bereits vor der Fahrt programmiert und Dienstfahrten mit realistischen Zeitpuffern geplant werden, damit kein Zeitdruck entsteht und bei längeren Fahrten regelmäßige Pausen eingelegt werden können. Bei der Einsatzplanung der Mitarbeiter sollte auch der Arbeitsweg, den diese bereits zurückgelegt haben, berücksichtigt werden, um Arbeits-, Lenk- und Ruhezeiten sicher einzuhalten. Alle Mitarbeiter sollten im Rahmen von Unterweisungen gezielt für die Themen „Unaufmerksamkeit und Ablenkung“ sensibilisiert werden – unabhängig davon, ob sie nur Arbeitswege oder auch Dienstwege zurücklegen.

Ladungssicherung

Bei Verkehrsunfällen werden selbst kleine ungesicherte Gegenstände (zum Beispiel Handys oder Regenschirme) im Innenraum eines Fahrzeugs schnell zu gefährlichen Geschossen. Bei einem Auffahrunfall mit einer Geschwindigkeit von 50 km/h entwickeln diese laut ADAC beim Aufschlag eine Kraft, die je nach Länge der Flugstrecke dem Dreißig- bis Fünfzigfachen ihres Eigengewichtes entspricht. Ein achtlos auf der Rückbank abgelegtes Tablet mit einem Gewicht von nur 500 Gramm schlägt in einem solchen Fall also mit einer Wucht von bis zu 25 Kilogramm schlimmstenfalls gegen den Kopf oder den Nacken des Fahrers. Dienstliche Fahrzeuge müssen mit Rückhaltesystemen und modellabhängig mit einem Schutzgitter zwischen Kofferraum und Fahrgastraum ausgestattet sein. Jeder Wagen sollte über Antirutschmatten, Zurrgurte und Ladungssicherungsnetze sowie zusätzlich verschließbare Boxen für kleinere Teile verfügen, um diese bei einem Bremsmanöver vor dem Herumfliegen zu sichern. In Verbindung mit den im Kofferraum angebrachten Ladungssicherungsösen lässt sich so das zu transportierende Gut sicher befördern. Ist ein Transport im Kofferraum nicht möglich, lassen sich die Sicherheitsgurte der Rücksitzbank gut und sicher mitverwenden. Diese sind nur einige Punkte, bei deren Beachtung aber die Verkehrssicherheit der Beschäftigten und der Unternehmer erhöht wird. Die zuständigen Aufsichtspersonen der BGHM helfen auch bei diesem Thema gerne weiter.

Annette Schubert, BGHM

Foto: BGHM
Nutzen Sie das Plakat und die Checkliste aus dem BGHM-Wandkalender 2018 für Ihre betriebliche Präventionsarbeit

Info

Hintergrund

Im Jahr 2017 hat die Zahl der Verkehrsunfälle einen neuen Höchststand erreicht: Die Polizei nahm rund 2,6 Millionen Unfälle auf, 2 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Die Anzahl der Verkehrstoten im Straßenverkehr erreichte laut Statistischem Bundesamt in Deutschland im Jahr 2017 mit 3.180 gleichzeitig den niedrigsten Stand seit Beginn der Statistik vor mehr als 60 Jahren. Verletzt wurden 390.312 Personen, 1,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch bei der BGHM verringerte sich die Anzahl der bei Wegeunfällen tödlich verletzten Versicherten von 57 im Jahr 2016 auf 39 im Jahr 2017. Allerdings erhöhte sich die Anzahl der Verletzten um 4,3 Prozent auf 20.536.

Hinweis

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