Hubarbeitsbühnen

© view7 / Fotolia.com
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Oft liegen die Einsatzorte für Montagen oder Instandhaltungsarbeiten in der Höhe. Je nach Umfang der Arbeiten ist die in vielen Fällen eingesetzte Leiter eher eine schlechte Wahl, um hochgelegene Arbeitsplätze zu erreichen. Gerüste, auch in fahrbarer Ausführung, bieten zwar mehr Sicherheit, sind aber nicht so flexibel einsetzbar. Die Verwendung von fahrbaren Hubarbeitsbühnen (FHAB) ist hingegen mittlerweile Stand der Technik.

Ob Hubarbeitsbühnen ihre Stärken hinsichtlich der Sicherheit auch ausspielen können, hängt maßgeblich vom Verhalten der bedienenden Person ab. Während technisches Versagen als Unfallursache eine sehr geringe Rolle spielt, kommt es immer wieder zu schweren Unfällen durch eine nicht bestimmungsgemäße Verwendung der Hubarbeitsbühnen.

Als Unfallursachen lassen sich dabei unterscheiden:

  • Fehlverhalten des Bedieners • technische Mängel an den eingesetzten Hubarbeitsbühnen
  • äußere Einwirkungen (zum Beispiel Umsturz einer Hubarbeitsbühne, die von einem Brückenkran angefahren wurde)

Die Unfallarten lassen sich in Schwerpunkte unterteilen, bei denen

  • Hubarbeitsbühnen umgekippt sind
  • Bediener sich im Arbeitskorb eingequetscht haben
  • Bediener durch den Katapulteffekt aus dem Arbeitskorb herausgeschleudert wurden
  • Bediener (zum Beispiel beim Übersteigen) abgestürzt sind.

Rechtliche Situation

Hubarbeitsbühnen sind Maschinen im Sinne des Anhangs IV der Maschinenrichtlinie (2006/42/ EG), welche die grundlegenden technischen Baubestimmungen und Sicherheitsausrüstungen von Maschinen festlegt. Die harmonisierte europäische Norm DIN EN 280 „Fahrbare Hubarbeitsbühnen – Berechnung – Standsicherheit – Bau – Sicherheit – Prüfungen“, die sich an die Hersteller und Inverkehrbringer richtet, legt Sicherheitsanforderungen hinsichtlich Konstruktion, Bauart und Prüfung von fahrbaren Hubarbeitsbühnen fest. Hubarbeitsbühnen, die den vorgenannten Bestimmungen entsprechen, werden vom Hersteller mit dem CE-Zeichen gekennzeichnet und erhalten eine EG-Konformitätserklärung. Grundsätzlich lassen sich FHAB anhand der Hubeinrichtung in Senkrechtbühnen und Auslegerbühnen unterscheiden. Im Gegensatz zur Senkrechtbühne kann die Auslegerbühne den Arbeitskorb nicht nur vertikal, sondern darüber hinaus auch horizontal bewegen. Den Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen regeln das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG), die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) sowie die nachgeordneten technischen Regeln (TRBS). Speziell die TRBS 2111 – Teil 4 „Mechanische Gefährdungen – Maßnahmen zum Schutz vor Gefährdungen durch mobile Arbeitsmittel“ konkretisiert die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) hinsichtlich der Ermittlung und Bewertung von Gefährdungen sowie der Ableitung von technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen.

Berufsgenossenschaftliche Regeln (BGR), Grundsätze (BGG) und Informationen (BGI) verdeutlichen die Anforderungen an das sichere Betreiben von Hubarbeitsbühnen. Folgende Schriften kommen für Hubarbeitsbühnen zur Anwendung:

  • DGUV-Regel 100-500 „Betreiben von Arbeitsmitteln“, Kapitel 2.10 „Betreiben von Hebebühnen“
  • DGUV-Grundsatz 308-002 „Prüfung von Hebebühnen“
  • DGUV-Grundsatz 308-003 „Prüfbuch für Hebebühnen“
  • DGUV-Grundsatz 308-008 „Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen“
  • DGUV-Information 208-019 „Sicherer Umgang mit fahrbaren Hubarbeitsbühnen“

Der Arbeitgeber kommt seinen Verpflichtungen nach, wenn er die beim Umgang mit Hubarbeitsbühnen auftretenden Gefahren ermittelt, die notwendigen Maßnahmen des Arbeitsschutzes festlegt, nur befähigte Beschäftigte beauftragt und die Unterweisungen durchführt.

Sicherer Betrieb

Beim Einsatz von Hubarbeitsbühnen kann von folgenden Hauptgefährdungen ausgegangen werden:

  • Quetschgefahr, zum Beispiel durch das Einquetschen zwischen Bedienpult bzw. Geländer der FHAB und Teilen der Umgebung
  • Absturzgefahr, zum Beispiel durch das Herausfallen bzw. Herausschleudern aus der FHAB
  • Gefahr des Umkippens der Hubarbeitsbühne, zum Beispiel durch eine mangelhafte Abstützung

Quetsch- und Scherstellen treten insbesondere beim Verfahren der Bühne zwischen Bedienpult oder Geländer der Hubarbeitsbühne und Teilen der Umgebung auf sowie zwischen Teilen der Hubeinrichtung und dem Untergestell der Arbeitsbühne. Ursächlich hierfür kann beispielsweise das Verdrehen des Arbeitskorbes um mehr als 90 Grad sein, da sich hierbei die Fahrtrichtungen am Joystick umkehren. Dies kann zu ungewollten Fahrbewegungen führen. Häufig befinden sich derartige „Teile der Umgebung“, wie Stahlträger, Deckenunterzüge im Rücken der bedienenden Person und werden nicht bemerkt. Beim Drehen, Teleskopieren, Heben und Senken des Arbeitskorbes besteht die Gefahr, dass die Bedienperson sich zwischen Teilen der Umgebung und dem Bedienpult so einquetscht, dass sie selbst nicht mehr in der Lage ist, sich wieder freizufahren. Neuere FHAB besitzen teilweise Schutzbügel über dem Bedienpult und sind zusätzlich mit mechanisch wirkenden Schutzleisten oder Ultraschallsensoren abgesichert. Eine bühnen- und ortsbezogene Einweisung ist hier hinsichtlich einer Reduzierung der möglichen Quetschgefahr unerlässlich.

Bediener können beim Einsatz der FHAB aus dem Arbeitskorb herausfallen bzw. herausgeschleudert werden. Ursachen hierfür sind beispielsweise:

  • unsachgemäßes Abstützen • eine Überlastung des Arbeitskorbes
  • Nichtbeachtung der Bodenverhältnisse oder des  Untergrundes
  • Aufbringung von zu großen Montagekräften
  • Überschreitung der zulässigen seitlichen Reichweite
  • Kollision mit anderen Fahrzeugen
  • Fehlverhalten des Bedieners, zum Beispiel Aufsteigen auf den Seitenschutz
  • Aus- und Übersteigen in Konstruktions- und Gebäudeteile im angehobenen Zustand
  • Auftreten des sogenannten Peitschen- bzw. Katapulteffektes

Bei Teleskoparbeitsbühnen (Auslegerbühnen) kann es insbesondere zum Peitschen- bzw. Katapulteffekt kommen, wenn

  • vorbeifahrende Fahrzeuge die Bühne streifen
  • durch nachgebenden Untergrund der Ausleger sich plötzlich bewegt (schlechte Bodenverhältnisse)
  • die Bühne sich in der Konstruktion verhakt, sodass der Ausleger beim Freifahren plötzlich ins Schwingen kommt
  • der Ausleger beim Verfahren mit angehobenem Arbeitskorb, zum Beispiel durch das Überfahren eines Bordsteines, heftig ins Schwingen gerät
  • der Arbeitskorb beim Baumschnitt eingeklemmt wird.

Aus diesen Gründen ist insbesondere bei Arbeiten mit Teleskoparbeitsbühnen die Bedienperson mit einem Personenrückhaltesystem gegen Herausfallen/-schleudern zu sichern. Bei Senkrechtbühnen kann unter Umständen auf das Rückhaltesystem verzichtet werden, wenn der Hersteller der Hubarbeitsbühne in seiner Betriebsanleitung nichts Gegenteiliges vorsieht und der Arbeitgeber in seiner Gefährdungsbeurteilung ebenfalls zu keinem anderen Ergebnis kommt.

In der DIN EN 280 ist festgelegt, dass der Hersteller Anschlagpunkte für das Einhaken von Personenrückhaltesystemen vorsehen muss. Ein Rückhaltesystem besteht aus einem Auffanggurt und einem Verbindungsmittel. Das Verbindungsmittel darf maximal 1,80 Meter lang und sollte längenverstellbar sein. In Abhängigkeit der Korbgeometrie und der durchzuführenden Arbeiten ist es möglichst kurz einzustellen. Um die Lasteinwirkungen auf den Anschlagpunkt gering zu halten, muss das Verbindungsmittel außerdem mit einem Falldämpfer ausgestattet sein. Speziell für Hubarbeitsbühnen zugelassene Höhensicherungsgeräte haben sich für diesen Anwendungsfall besonders bewährt.

Übersteigen ist nicht erlaubt

Das Aus- und Übersteigen aus dem Arbeitskorb auf angrenzende Bauteile ist grundsätzlich nicht erlaubt. Sollte jedoch aufgrund einzelner kurzzeitiger Montagevorgänge ein Auf-, Über- oder Aussteigen unabdingbar sein, und die Verwendung anderweitiger kollektiver Absturzsicherungsmaßnahmen gleichzeitig ein höheres Gefährdungspotenzial mit sich bringen, so kann dies in begründeten Ausnahmesituationen zulässig sein. Für diesen begründeten Einzelfall ist eine Gefährdungsbeurteilung zu erstellen, welche die hierbei notwendigen Ersatzmaßnahmen enthält. Ohne die Dokumentation der Gefährdungsbeurteilung ist das Auf-, Über- oder Aussteigen grundsätzlich nicht erlaubt. Notwendige Ersatzmaßnahmen können beispielsweise sein:

  • Verwendung einer größeren Hubarbeitsbühne, die bei einem Absturz die zusätzlich auftretenden dynamischen Kräfte aufnehmen kann
  • selbsthemmendes Drehwerk am Drehtisch der Hubarbeitsbühne
  • geeignete PSA zum Übersteigen benutzen (zum Beispiel Zweiseilsicherung)
  • eine Kontrollperson am Fahrwerk der Hubarbeitsbühne
  • Rettungsmöglichkeiten im Falle eines Absturzes
  • besondere Unterweisung

Anforderungen an die Bedienperson

Bedienpersonen müssen besonders geschult und ausgebildet sein, da sie für den gesamten Arbeitsablauf, wie etwa das Aufstellen oder das Steuern, Verantwortung tragen. Es gelten folgende Anforderungen: Die Person

  • ist mindestens 18 Jahre alt
  • ist sowohl in der Bedienung der eingesetzten Hubarbeitsbühne eingewiesen als auch über die mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdungen und Schutzmaßnahmen unterwiesen
  • verfügt über den Nachweis der Befähigung zum Bedienen der Hubarbeitsbühne
  • ist schriftlich zum Bedienen der Hubarbeitsbühne beauftragt
  • ist körperlich und geistig geeignet, verfügt etwa über gutes Hören und (räumliches) Sehen und ist schwindelfrei.

Um die letztgenannten Eigenschaften abzuklären, empfehlen sich Eignungsuntersuchungen nach den DGUV-Informationen 250-427 G 25 „Fahr-, Steuer- und Überwachungstätigkeiten“ sowie 250-449 G 41 „Arbeiten mit Absturzgefahr“ vor Aufnahme der Tätigkeit. Den Nachweis der Befähigung kann der Bediener zum Beispiel durch die erfolgreiche Teilnahme an einer Ausbildung nach dem DGUV-Grundsatz 308-008 „Ausbildung und Beauftragung der Bediener von Hubarbeitsbühnen“ erbringen.

Zu den Aufgaben des Bedieners zählen

  • Kontrolle der Tragfähigkeit des Bodens (Gully- oder Kanaldeckel, Schächte, Rinnen und Hanglage beachten)
  • Aufbau der Hubarbeitsbühne und Gewährleistung der Standsicherheit
  • Kontrolle und eventuelle Sicherung der Fahr- und Schwenkbereiche (Abstände zu Freileitungen, Baugruben, Böschungen beachten)
  • das bestimmungsgemäße Verwenden der Hubarbeitsbühne entsprechend der Bedienungsanleitung
  • Einsatz von Persönlicher Schutzausrüstung entsprechend den örtlichen Gegebenheiten und der Gefährdungsbeurteilung
  • gegenseitige Rücksichtnahme und Koordination mit anderen Gewerken bzw. Personen
  • sicherer Betrieb und Schutz vor unbefugter Benutzung.

Prüfungen von Hubarbeitsbühnen

Der Bediener einer FHAB hat vor jeder Benutzung eine Sicht- und Funktionsprüfung durchzuführen, darüber hinaus sind FHAB regelmäßig durch befähigte Personen sicherheitstechnisch zu überprüfen. Empfohlen wird die Überprüfung in Abständen von maximal einem Jahr (DGUV-Regel 100-500 Kap. 2.10, DGUV-Grundsatz 308-003). Die Ergebnisse der wiederkehrenden Prüfung sind in einem Prüfprotokoll zu dokumentieren. Hubarbeitsbühnen, die nicht betriebsbereit angeliefert und vor Ort vom Betreiber zusammengebaut werden, sind jeweils vor der ersten Inbetriebnahme von einer befähigten Person zu prüfen. Hubarbeitsbühnen sind die sicherste Höhenzugangstechnik, die es auf dem Markt gibt. Entscheidenden Einfluss auf das sichere Arbeiten haben die Personen, die mit FHAB umgehen. Vermieter, Betreiber, Unternehmer und Führungskräfte, Prüfer, Instandhaltungspersonal und vor allen Dingen die bedienenden Personen tragen ihren Teil dazu bei.

Kathrin Stocker, Armin Deuchert und Christian Zepp, BGHM

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