Augenschutz

Fast 71.000 Augenunfälle haben sich im Jahr 2016 ereignet. Jeder sechste Betrieb, der bei der BGHM versichert ist, war betroffen.

Hat sich in Ihrem Betrieb im vergangenen Jahr ein Arbeitsunfall ereignet, bei dem die Augen eines Beschäftigten verletzt wurden? Sie wissen es nicht? Das könnte daran liegen, dass keine Unfallmeldung ausgefüllt werden musste. Nur fünf Prozent dieser Unfälle sind meldepflichtig. Die meisten derartigen Unfälle verursachen einen Arbeitsausfall von ein bis zwei Tagen für die Betroffenen und etwa zwei Stunden Arbeitsausfall für die Person, die sie zur ärztlichen Versorgung begleitet. Es erfolgt eine Eintragung in das Verbandbuch und die BGHM begleicht die Rechnung des Arztes. Für diese Arbeitsunfälle hatte die BGHM im Jahr 2016 Aufwendungen in Höhe von 5,9 Millionen Euro zu erbringen. Betrieblich steht einer Stunde Arbeitsausfall ein Auftragsvolumen von mehr als 1.000 Euro gegenüber. Diese Unfälle ereignen sich nicht nur in kleinen und mittelständischen Betrieben: Bei Betrieben mit mehr als 250 Beschäftigten gehen noch 15 Prozent der Arbeitsunfälle mit Augenverletzungen einher. Es lohnt sich also, bei diesen Arbeitsunfällen genauer hinzusehen.

Was sind das für Arbeitsunfälle?

In der Holz- und Metallindustrie sind es hauptsächlich Verletzungen des Auges durch Eindringen von Fremdkörpern. Sie setzen sich unter das Lid – zum Beispiel Staub – oder verletzen die Hornhaut oberflächlich – zum Beispiel Schleifstaub und Holzsplitter. Seltener dringen Fremdkörper in das Auge ein, beispielsweise bei Arbeiten mit dem Schraubendreher oder mit Hammer und Meißel („Meißelbart“). Eine weitere sehr
häufige Verletzung ist das „Verblitzen“ der Augen bei Schweißarbeiten. Darunter versteht man eine übermäßige Bestrahlung der Hornhaut mit UVStrahlung, vergleichbar mit einem Sonnenbrand. Überwiegend heilen diese Verletzungen nach einiger Zeit folgenlos aus. Die Penetrationsverletzungen der Hornhaut sind dabei ausgenommen. Verbrennungen oder Verätzungen sind im Zuständigkeitsbereich der BGHM eher selten.

Häufig liegen nur die spärlichen Angaben aus dem Verbandbuch vor. So bleibt das Gespräch mit den Betroffenen, um auf der Suche nach Unfallursachen Hintergrundinformationen zu erlangen. Hilfreiche Fragestellungen, die auf Unfallschwerpunkte hinweisen können, sind:

  • Welche Arbeitsaufgabe hatte der Beschäftigte?
  • Wie sind die räumlichen Gegebenheiten (zum Beispiel benachbarte Arbeitsplätze, beengte Platzverhältnisse)?
  • In welchem Zeitraum fanden die Unfälle statt (zum Beispiel in welcher Schicht, bei bestimmten
    Arbeitsaufträgen)?
  • Welche Mitarbeiter betrifft es (beispielsweise neue Mitarbeiter, immer dieselben Kollegen, Helfer, Unbeteiligte)?
  • Welche Schutzmaßnahmen waren vorgesehen (zum Beispiel Absaugungen, Abschirmungen,
    Persönliche Schutzausrüstung)?
  • Welche Schutzmaßnahmen wurden benutzt?

Gefährdungsbeurteilung und PSA

Auf die gesetzlichen Anforderungen der Gefährdungsbeurteilung soll hier nicht eingegangen werden. In der Praxis ist es ohnehin selten, dass Gefährdungen der Augen separat betrachtet werden. Sie werden fast immer in einer arbeitsplatz- oder verfahrensbezogenen Analyse bewertet. Bei der Gestaltung der Schutzmaßnahmen ist es wichtig, unbedingt die Rangfolge der Schutzmaßnahmen einzuhalten:

  1. Substitution der Gefährdung (beispielsweise Ersatz durch ungefährlichere Verfahren)
  2. Technische Maßnahmen
  3. Organisatorische Maßnahmen
  4. Persönliche Schutzausrüstung (PSA)

Nicht immer ist es eine Schutzbehauptung, wenn die Mitarbeiter nach einem Arbeitsunfall mit Augenverletzung sagen: „Ich hatte aber eine Schutzbrille auf.“ Manchmal war es einfach die falsche.

Das Marktangebot ist groß und es findet sich für jeden Anwendungsfall und für jedes Gesicht der richtige Augenschutz. Rechtlich gesehen ist man auf der sicheren Seite, wenn CE-gekennzeichneter Augenschutz verwendet wird. Grundlegende Anforderungen werden in der Gefährdungsbeurteilung festgelegt. Schutzbrillen schützen nur die Augen. Dicht sitzende Korbbrillen schützen zum Beispiel gegen Flüssigkeiten oder stark verwirbelte Schleifstäube besser als Gestellbrillen, sie ermöglichen aber keine gute Rundumsicht und
beschlagen schneller. Visiere und Schilde schützen Augen, Gesicht und einen Teil des Halsbereiches. Visiere sind helmintegrierbar. Nachteilig wirkt sich in engen Arbeitsbereichen manchmal der etwas größere Platzbedarf aus. Insbesondere im Seitenbereich kann es bei allen Arten von Augenschutz zu Blendungen und Spiegelungen kommen. Wie bei jeder Schutzausrüstung, die eine Person schützen soll, ist es bei der Auswahl
wichtig, persönliche körperliche Voraussetzungen und wenn möglich, den persönlichen Geschmack mit zu berücksichtigen. Es empfiehlt sich daher, die Beschäftigten bei der Auswahl zu beteiligen und sie die verschiedenen Modelle und Möglichkeiten des Augenschutzes ausprobieren zu lassen. PSA schützt eine Person nur, wenn die Person die richtige PSA zur Verfügung gestellt bekommt und sie auch benutzt.

Je nach Tätigkeit muss eine passende Schutzbrille ausgewählt werden.

Versorgung fehlsichtiger Beschäftigter

Nach einer Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach sind fast zwei Drittel der Menschen in Deutschland auf eine Brille angewiesen. 36 Prozent tragen sie ständig, 28 Prozent gelegentlich. Für kurzfristige Tätigkeiten bieten sich eine Überbrille oder ein Visier an. Gerade bei der Nutzung der Überbrille ist das Tragegefühl oft unangenehm oder die eigene Brille passt nicht gut darunter. Bei beiden Varianten beschlägt die Brille und es kommt zu Spiegelungen. Sehr viel mehr Sicherheit und Tragekomfort bieten korrigierte Schutzbrillen. Die Trageakzeptanz ist hoch. Einige der damit versorgten Beschäftigten nutzen sie sogar während der kompletten Arbeitszeit. Worauf muss geachtet werden, wenn die Beschäftigten mit korrigierten Schutzbrillen ausgestattet werden sollen?

  1. Anbieter aussuchen (Schutzbrillenhersteller, Optiker)
  2. Qualitätskriterien festlegen (zum Beispiel Mineral- oder Kunststoffgläser, Fassungen, Beschichtungen, Tönungen, hochklappbare Aufstecker als Sonnenbrillenersatz). Generell ist es erforderlich, die korrigierten Gläser der Schutzbrille in derselben Qualität wie die privaten Gläser auszuführen (beispielsweise Gleitsicht- oder Bivokal-Gläser, Entspiegelung). Denn das Auge ist nicht in der Lage, sich so schnell umzugewöhnen und die Beschäftigten fallen im schlimmsten Fall über
    ihre eigenen Füße. Gläser mit höherer Dioptrienzahl können unter Umständen nur in Kunststoff ausgeführt werden. Tönungen filtern grundsätzlich Licht weg. Die Gelbtönung der Gläser zur Kontrasterhöhung in staubiger Umgebung verhindert unter Umständen, dass Signale erkannt werden. Sinnvoll sind sie nach medizinischer Verordnung. Fassungen gibt es in Kunststoff-, Metall- und Titanausführung. Letztere wird zum Beispiel bei der Versorgung von Allergikern eingesetzt.
  3. Bezahlung: Für korrigierte Schutzbrillen gibt es keine Regelungen vergleichbar der Versorgung
    mit orthopädischem Fußschutz. Es liegt also im Ermessen des Betriebes, unter Einbeziehung
    des Betriebsrates, dies zu regeln.

Bei manchen Tätigkeiten versagt der klassische Augenschutz. Als Beispiel seien hier Schleifarbeiten im Radkasten von Omnibussen angeführt. Durch Rückprall abgeschliffener Teilchen – verursacht durch die Geometrie – kam es bei Beschäftigten trotz Schutzbrille und/oder Visier immer wieder zu Augenverletzungen. Entweder verletzten sie sich direkt bei den Arbeiten oder danach, weil Schleifstaub von Haaren und Schutzbrille in die Augen geriet. Heute tragen die Beschäftigten für diese Tätigkeiten Atemschutzmasken und Nackenschutz. Diese Kombination von PSA ist nicht wirklich komfortabel. Sie wird von den Beschäftigten aber zu 100 Prozent akzeptiert, weil sie bei der Lösungsfindung mit eingebunden waren und sie nur für diese speziellen Arbeiten eingesetzt wird.

Nutzen Sie das Plakat und die Checkliste zum Schwerpunktthema im Monat Februar für Ihre betriebliche Präventionsarbeit. Sie sind Bestandteil des BGHM-Wandkalenders.

Wie wird persönlicher Augenschutz gepflegt?

Es gibt bei der Pflege keine wesentlichen Unterschiede zwischen Schutzbrillen, korrigierten Schutzbrillen oder Visieren. Mechanische Einwirkungen und Einbrände, zum Beispiel durch Schleifstäube, verkürzen die Lebensdauer. Bei Reinigung, Transport und Lagerung ist also unbedingt ein Schmirgeleffekt zu vermeiden. Reinigungsstationen für Schutzbrillen bieten die Möglichkeit einer materialschonenden Reinigung. Alternativ dazu kann Augenschutz mit Wasser und reibmittelfreier Seife einfach abgespült werden. Für Visiere besteht die Möglichkeit, ersetzbare Folien zu verwenden. Augenschutz sollte nicht auf den Gläsern oder dem Visier abgelegt werden. Wenn die Schutzbrille beispielsweise in der Tasche des Arbeitsanzugs steckt, dann bitte
nicht zusammen mit dem Gliedermaßstab, Kugelschreiber oder ähnlichen Gegenständen.

Einsatz von PSA bei Schweißarbeiten

Generelle Schutzbrillentragepflicht sinnvoll?

In manchen Betrieben gehört die generelle Schutzbrillentragepflicht zum grundsätzlichen Sicherheitskonzept der Firma. Bevor diese Verpflichtung eingeführt wird, können folgende Fragestellungen hilfreich sein:

  • Wurden alle vorrangigen Maßnahmen geprüft und ausgeschöpft?
  • Sind die Arbeitsplätze vergleichbar?
  • Rechtfertigt das Unfallgeschehen diese Maßnahme?

Die Maßnahme hat Vor- und Nachteile. Der Vorteil besteht darin, dass es keine Diskussionen darüber gibt, ob die Schutzbrille getragen werden muss und wo. Nachteile können sein: Belastung der Beschäftigten durch das Tragen der Schutzbrille, Akzeptanzprobleme bei Nichtbrillenträgern, höhere Kosten für Schutzbrillen und korrigierte Schutzbrillen sowie unter Umständen sogar ein Ansteigen der Unfallzahlen mit Augenverletzungen in einzelnen, besonderen Tätigkeitsbereichen, wenn die Schutzwirkung der Brille nicht zur Tätigkeit passt. Es sollte daher selbstverständlich auch nach Einführung einer generellen Schutzbrillentragepflicht stets darauf geachtet werden, dass die Schutzbrille bei Bedarf der entsprechenden Tätigkeit angepasst wird. Nach betrieblichen Erfahrungen wirkt sich die generelle Schutzbrillentragepflicht meist positiv
auf das Unfallgeschehen aus und die Unfallzahlen mit Augenverletzungen insgesamt sinken. Die Vorgesetzten wachen darüber, dass Sicherheitsvorschriften eingehalten werden und sie müssen sie selbst einhalten. Das hat wirtschaftliche und rechtliche Gründe und letztendlich ist die Vorbildwirkung ein wichtiges Führungsinstrument.

Merly Loebe-Behrendt, BGHM