Tisch- und Formatkreissägen

Sägen sind die mit Abstand am häufigsten verwendeten Maschinen in der Holzbearbeitung. Tisch- und Formatkreissägen gehören zur Grundausstattung jeder Schreinerei oder Tischlerei. Aber auch Kappsägen, Plattensägen, Bandsägen oder einfache Handkreissägen sind Standardmaschinen. Mit ihrer Hilfe können aus Plattenwerkstoffen, Brettern, Balken oder Leisten handwerklich hochwertige Produkte individuell und passgenau gefertigt werden.

 

Im Unterschied zur Metallbearbeitung fällt beim Sägen von Massivholz und Holzwerkstoffen eine wesentliche Besonderheit auf: Häufig sind die Hände zum Führen der Werkstücke beim Sägevorgang nur wenige Zentimeter von dem mit hoher Drehzahl rotierenden Sägeblatt entfernt. Aufgrund der leichten Zerspanbarkeit des Werkstoffes Holz treten geringere Schnittkräfte als in der Metallbearbeitung auf und erlauben damit das „Spannen von Hand“ mit in der Regel höheren Vorschubgeschwindigkeiten. Schon eine kurze Berührung des rotierenden Sägeblatts mit der Hand oder den Fingern kann allerdings zu Verletzungen führen. Mit Glück wird die Haut nur leicht angeritzt, häufig sind aber schwere Schnittverletzungen oder der Verlust von Fingern die Folge. Unfallursachen hierfür sind überwiegend das Abrutschen vom Werkstück, eine unkonzentrierte und falsche Handhaltung oder das Übergreifen und versehentliche Berühren des ungeschützten Sägeblatts.

Alle Sägemaschinen müssen mit Schutzeinrichtungen ausgerüstet sein, die nur den zum Schneiden benötigten Teil des Sägeblatts freilassen. Diese müssen allerdings auch stets vom Maschinenbediener korrekt eingestellt werden, um Schnittverletzungen zu vermeiden. Die Erfahrung des Maschinenbedieners mit dem Werkstoff Holz spielt dabei eine wichtige Rolle. Holz ist kein homogener Werkstoff und so können sich zwei äußerlich gleich aussehende Holzstücke beim Sägen ganz unterschiedlich verhalten. Äste, Unterschiede im Feuchtegehalt oder in der Holzdichte, innere Spannungen oder ein Wechsel der Faserrichtung im Werkstück können beim Schneiden eine schlagartige Änderung der auftretenden Kräfte bewirken. Beim Zuschneiden von schmalen Leisten oder rissigem Holz besteht zudem die Gefahr, dass beim Sägen lose Teile wegfliegen und Personen treffen können.

Maschinen nicht unterschätzen

Sehr gefährlich wird es, wenn der Vorschub des Werkstückes durch Verklemmen ins Stocken gerät oder das Werkstück im
Gleichlauf mit den Schneiden des Sägeblattes bewegt wird. Die dabei möglicherweise auftretenden Rückschlagkräfte kommen für den Maschinenbediener völlig überraschend und sehr häufig kann er eine Berührung des Werkzeugs oder das Wegfliegen des Werkstücks nicht verhindern.

Tisch-und Formatkreissägen wurden für eine handwerkliche Fertigung entwickelt. Sie sind sehr vielseitig geeignet: für das Bearbeiten von Holz oder holzähnlichen Werkstoffen (z. B. Kunststoffen, Schildpatt, Horn, Elfenbein) und – mit entsprechender Freigabe des Herstellers – für Leichtmetalle wie Aluminium. Dem Benutzer erscheinen Kreissägen und ihre Funktionsweise wohl aufgrund ihrer einfachen Konstruktion nach kurzer Anlernphase sofort beherrschbar. Dabei zählen sie seit Jahren zu den gefährlichsten Maschinen, deren Risiken sowohl Neulinge als auch erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr häufig unterschätzen. Die Unfallstatistik zeigt, dass Auszubildende ein sechsfach höheres Risiko haben, einen Unfall an der Kreissäge zu erleiden, als Unternehmer, Meister oder Facharbeiter. Zahlen, die zu denken geben und in denen sich fehlende Kenntnisse, vielleicht auch falsche Vorbilder, widerspiegeln. Dass sicheres Arbeiten an Tisch-und Formatkreissägen aber möglich ist, beweisen viele Betriebe, in denen es seit Jahren keinen Unfall mehr an einer solchen Maschine gegeben hat.

Werkstücke können bei der Bearbeitung sicher fixiert (beispielsweise an der Formatkreissäge mit der Sägehilfe „Fritz
und Franz“) und damit sicherer geführt werden. Leider wird dies mit unterschiedlichen Begründungen wie einem erhöhten
Zeitbedarf, Bequemlichkeit oder Gewohnheit („Das haben wir schon immer so gemacht“) von Unternehmerinnen und Unternehmern sowie Beschäftigten immer wieder missachtet. Angefangen bei den offensichtlichen und einfachen Dingen für einen sicheren Betrieb gilt es, die folgenden Grundsätze einzuhalten.

Sägeblatt

Rissige oder verbogene Sägeblätter und solche aus HSS-Stahl dürfen nicht verwendet werden. Je nach Material und Arbeitsgang ist ein geeignetes Kreissägeblatt auszuwählen und die passende Schnittgeschwindigkeit einzustellen:

  • Massivholz in Faserrichtung: Flachzahn
  • Massivholz quer zur Faserrichtung: Wechselzahn
  • Massivholz quer zur Faserrichtung, furnierte Platten: Wechselzahn
  • Beschichtete Plattenwerkstoffe: Hohl-Trapezzahn (Bilder unten)

Vorschub- und Schnittgeschwindigkeit sind so zu wählen, dass die auftretenden Schnittkräfte von Hand gehalten werden
können. Die Schnittgeschwindigkeit soll im Bereich von 60 bis 100 m/s liegen.

Für Material und Arbeitsgang geeignetes Kreissägeblatt verwenden

Spaltkeil

Ohne Spaltkeil zu sägen ist höchst riskant. Spaltkeile sind so konstruiert, dass – bei richtiger Einstellung – eine Berührung
des aufsteigenden Teiles des Sägeblattes verhindert wird. Um den gefährlichen Werkstückrückschlag zu vermeiden, ist der Spaltkeil etwas dicker als der Sägeblattgrundkörper. Gleichzeitig muss er dünner sein als die Schnittfugenbreite, damit sich das Werkstück beim Vorschieben nicht verklemmt. Richtig montiert befindet sich seine Oberkante zwei Millimeter unter der höchsten Zahnspitze und der Abstand zum Sägeblatt beträgt etwa acht bis zehn Millimeter.

Schutzhaube

Unfalluntersuchungen haben gezeigt, dass eine richtig abgesenkte Schutzhaube in den allermeisten Fällen das Berühren des Sägeblattes vermieden hätte. Die Schutzhaube sollte daher so eingestellt sein, dass das Sägeblatt und ein eventuell vorhandenes Vorritzsägeblatt abgedeckt werden. Vor dem Sägen ist die Schutzhaube bis auf das Werkstück abzusenken – nur in dieser Position kann sie ihre Schutzfunktion erfüllen.

Führen des Werkstücks

Es gibt eine ganze Reihe von Hilfsmitteln und Einrichtungen für das sichere Führen des Werkstückes an der Kreissäge:
Parallelanschlag, Queranschlag, Tischverlängerung, Schiebestock, Schiebeholz, Sägehilfe, Abweiskeil. Unfälle an der
Kreissäge ereignen sich sehr häufig beim Sägen von schmalen Leisten. Bei genauer Betrachtung dieses Arbeitsgangs
wird deutlich, worauf es beim sicheren Arbeiten ankommt: Schnittverletzungen an den Händen könnten verhindert werden, wenn diese während der Bearbeitung konsequent außerhalb des Gefahrenbereichs von 120 Millimetern (allseitig um das Sägeblatt) blieben.

Werkstücke von 30 bis 120 Millimetern Breite werden mit dem Schiebestock bei abgesenkter Schutzhaube sicher am Parallelanschlag entlang geschoben. Bei schmalen Werkstücken unter 30 Millimetern Breite ist die niedere Kante des Parallelanschlages einzusetzen. Nur so kann die Schutzhaube bis auf das Werkstück abgesenkt werden. Wird nun noch das Schiebeholz für den Vorschub verwendet, bleibt auch hier die Hand des Bedienpersonals außerhalb des Gefahrenbereichs. Alternativ können auf Formatkreissägen schmale Leisten sehr sicher mit der Sägehilfe gesägt werden. Das Werkstück wird dabei zwischen die beiden Hälften der Sägehilfe geklemmt und sicher geführt, der Parallelanschlag wird vor das Sägeblatt gezogen, um das Verklemmen abgetrennter Teile zu vermeiden. Kleine abgetrennte Werkstückteile dürfen nicht mit der Hand, sondern nur mithilfe des Abweiskeils oder des Schiebestockes aus dem Bereich des aufsteigenden Teiles des Sägeblattes entfernt werden. Ein weiteres Gefahrenmoment für den Bediener kann sich durch das unkontrollierte Abkippen langer Werkstücke ergeben. Nicht selten passieren dabei Unfälle durch reflexartiges Nachgreifen. Durch eine ausreichende Tischverlängerung kann leicht Abhilfe geschaffen werden. 

Lärm und Staub

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die an Kreissägen arbeiten sollen, müssen bereits vor Aufnahme dieser Tätigkeit arbeitsmedizinisch untersucht werden. Beim Sägevorgang können je nach Material und Sägeblatt Lärmpegel von 103 dB (A) bis 115 dB(A) erreicht werden. Gehörschutz konsequent zu tragen ist daher unerlässlich. Durch den Einsatz von neuartigen Sägeblättern mit lärmreduzierender Zahngeometrie kann der Lärmpegel erheblich gesenkt werden. Aufgrund der gesundheitsschädlichen Eigenschaften der feinen Holzstäube sind Tisch-und Formatkreissägen ober- und unterhalb des Maschinentisches an eine Absauganlage mit einer Luftgeschwindigkeit von mindestens 20 m/s anzuschließen.

Lehrling an einer Formatkreissäge in einer BGHM-Lehrwerkstatt