Metallbau und Bauschlosserei

Eine große Metallwendeltreppe; © 500cx - Fotolia.com

Im Gegensatz zur Großindustrie, wo es auf hohe Stückzahlen ankommt, ist in Schlossereien und Metallbauwerkstätten der Automatisierungsgrad relativ niedrig. Oft werden Werkstücke auf Kundenwunsch gefertigt, wobei die Stückzahl so niedrig ist, dass sich die Bearbeitung auf großen Bearbeitungszentren nicht lohnt. Hier spielen die Fertigkeiten des Menschen eine große Rolle.

 

Historisch betrachtet gehört der Metallbau zu den ältesten Handwerksberufen. Bereits im 14. Jahrhundert bildeten die Kleinschmiede ihre eigene Zunft. Aufgrund ihrer Produkte wie Schlösser, Schlüssel und Beschläge wandelte sich die Berufsbezeichnung des „Kleinschmieds“ in „Schlosser“. Mit Beginn der Industrialisierung im 19. Jahrhundert änderte sich das Tätigkeitsfeld der Schlossereien: Die zur industriellen Produktion erforderlichen Maschinen mussten zum einen hergestellt und zum anderen auch gewartet werden.
Ab 1989 wurden einige Berufe neu geordnet und anders benannt. Aus dem Bauschlosser wurde der "Metallbauer - Konstruktionstechnik", aus dem Kunstschlosser der "Metallbauer - Metallgestaltung" und aus dem Landmaschinenschlosser der "Metallbauer - Nutzfahrzeugbau".

Der Beruf des Metallbauers fordert verschiedene Fertigkeiten: Dazu gehören das Anreißen, Trennen und der Zusammenbau von Werkstücken nach Zeichnung, das Fügen durch Schraubverbindungen, Nieten oder Schweißen, die Bedienung von Maschinen zur Umformung, wie Kantbänke oder Biegemaschinen, und die Bedienung von Ständerbohrwerken und Sägen. Nach wie vor ist aber auch die Beherrschung manueller Verfahren zur Kalt- und Warmumformung und zur Trennung oder zum Schleifen von Werkstücken von höchster Bedeutung.

Unfallschwerpunkte

Auch wenn die Sicherheitstechnik den Werkzeugmaschinenschutz in den vergangenen Jahren stark verbessert hat, ist die Zahl der Arbeitsunfälle in den Metallbau-Schlossereien vergleichsweise hoch.
Im Metallbau handelt es sich größtenteils um Handarbeit, z. B. Werkstückbearbeitung mit konventionellen
Bearbeitungsmaschinen oder die Herstellung von Schweißkonstruktionen mit anschließender Bearbeitung mit Handwerkzeugen. Ein Großteil der meldepflichtigen Unfälle ereignet sich somit auch beim Arbeiten mit Handwerkzeugen. Allerdings sind die Verletzungsfolgen weniger gravierend als beim Einsatz von Maschinen. Besonders viele der Unfälle in der Metallbaubranche ereignen sich beim:

  • Umgang mit Handwerkzeugen und Handmaschinen (Kontrollverlust)
  • Gehen/ Laufen – aus einer Stolper-, Rutsch- oder Sturzbewegung 
  • Umgang mit Leitern (Unfallschwerpunkt bei den Absturzunfällen)
  • Kontrollverlust über kraftbetriebene Werkzeuge, z. B. Trennschleifmaschine, Bohrmaschine
  • Kontakt mit scharfen Schneiden der Werkzeuge, z. B. bei Kreissägen 
  • Bedienen von Werkzeugmaschinen (Schwerpunkt sind Handverletzungen, Quetschung/Einklemmen des Beschäftigten) 
  • Umgang mit Flurförderzeugen, Materialtransportwagen.

Mehr als die Hälfte aller Arbeitsunfälle der Branche Metallbau haben Verletzungen an Finger, Hand oder Arm zur Folge, während nur jeder vierte Arbeitsunfall Verletzungen der unteren Extremitäten (Zehe, Fuß, Bein) nach sich zieht. Es handelt sich zu einem großen Teil um reversible Verletzungen.

Berufskrankheiten

Den mit Abstand größten Anteil der angezeigten Berufskrankheiten in Metallbau-Schlossereien nimmt die Lärmschwerhörigkeit ein. Die Ursache dafür ist größtenteils in Maschinengeräuschen zu sehen. Aber auch die Reinigung der bearbeiteten Werkstücke mittels Druckluft bewirkt eine hohe Lärmexposition der Beschäftigten. Durch den Einsatz von Kühlschmierstoffen an den Werkzeugmaschinen sowie die Verwendung weiterer Gefahrstoffe beim Reinigen oder Lackieren entsteht auch eine Belastung der Haut. Derartige Einwirkungen können Hauterkrankungen auslösen, die frühzeitig behandelt werden müssen. Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems, beispielsweise durch das Halten, Heben und Tragen von Lasten, sowie Erkrankungen der Atemwege sind in Schlossereien durchaus nicht ungewöhnlich.

Die Verwendung und die Verarbeitung asbesthaltiger Werkstoffe war bis zum Jahr 1993 in der Bundesrepublik Deutschland erlaubt. Seit 2005 gilt ein EU-weites Verbot. Ausnahmen vom Asbestverwendungsverbot sind in Deutschland in der TRGS 519 geregelt. Asbest wurde früher in Faserzementprodukten verwendet und kann prinzipiell bei Abrissarbeiten auch heute noch zu schädlichen Expositionen führen. In Bauteilen von alten Elektrogeräten, Dichtungen, Bremsbelägen, Fußbodenbelägen, Estrichen sowie nach neueren Erkenntnissen auch in Putzen, Spachtelmassen und Fliesenklebern können noch Asbestbestandteile enthalten sein. Erkrankungen, die mit Asbest in Verbindung stehen (z. B. Asbestose, Krebserkrankungen der Atemwege), können auch noch nach mehr als 30 Jahren nach der letzten Exposition auftreten.

Bei den anerkannten Berufskrankheiten sah die Verteilung 2015 innerhalb der Metallbaubranche folgendermaßen aus:

Schutzmaßnahmen

Der Arbeitgeber muss gemäß Arbeitsschutzgesetz im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung die Gefährdungen ermitteln, beurteilen und Schutzmaßnahmen festlegen. Da beim Einsatz von Handwerkzeugen die Gefahrstellen nicht abgesichert werden können, spielt die Unterweisung der Beschäftigten für den sicheren Umgang mit diesen Arbeitsmitteln eine große Rolle.
Dies ist bei Werkzeugmaschinen anders. Bei der mechanischen Fertigung ist primär darauf zu achten, dass von den Maschinen und den Werkstücken keine Gefährdungen für das Bedienpersonal ausgehen können. Die Manipulation von Schutzeinrichtungen an Maschinen ist heute leider oft gängige Praxis. Rund ein Drittel aller Schutzeinrichtungen an Maschinen sind zeitweise oder permanent manipuliert. Es ist davon auszugehen, dass viele Unfälle an Maschinen auf Manipulationen zurückzuführen sind. Die Firmenleitung sollte bereits bei der Verwendung von Schutzeinrichtungen auf ein Schutz- und Bedienkonzept achten, das den Anreiz für deren Manipulation vermeidet. Die Ursachen für Manipulationen liegen häufig im Fehlen notwendiger zusätzlicher Betriebsarten, die unerlässliche manuelle Eingriffe (z. B. bei der Prozessüberwachung oder Störungsbeseitigung) in ihren Schutzmaßnahmenkonzepten berücksichtigen. Betriebsarten wie Einrichtbetrieb und Prozessbeobachtung, die gemäß Maschinenrichtlinie (2006/42/EG) vorgesehen werden können, unterstützen das sichere Arbeiten. Im Rahmen der wiederkehrenden Prüfungen an Maschinen sind durch den Arbeitgeber auch die Schutzeinrichtungen auf Wirksamkeit zu überwachen.

Arbeitsmittel, die Schäden verursachenden Einflüssen ausgesetzt sind, sind gemäß Betriebssicherheitsverordnung regelmäßig zu prüfen. Die Prüffristen müssen anhand einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt werden. In regelmäßigen Abständen sind nicht nur Werkzeuge und Maschinen zu prüfen, sondern unter anderem auch Leitern, Tritte, Gerüste, Hebezeuge, Anschlagmittel, Flurförderzeuge, Gebäude- und Lagereinrichtungen (elektrische Tore, Regale). Der Arbeitgeber darf nur Arbeitsmittel zur Verfügung stellen und verwenden lassen, die unter Berücksichtigung der vorgesehenen Einsatzbedingungen bei der Verwendung sicher sind.

Die Anforderungen an die Arbeitsumgebung, welche in der Arbeitsstättenverordnung und den dazugehörigen technischen Regeln behandelt werden, sind einzuhalten. Dies beinhaltet sowohl den Schutz vor Absturz und den Schutz vor herabfallenden Teilen als auch Anforderungen an die Verkehrswege. Etwa die Hälfte der Arbeitsunfälle, die eine Rentenzahlung nach sich ziehen, ereignen sich durch Abstürze, Abrutschen oder Stolpern von Personen, wobei die meisten davon in Zusammenhang mit dem Umgang mit Leitern und Gerüsten stehen. Schwere Stürze und massive herabfallende Teile ziehen oft irreversible Schäden nach sich.
Ab einem Meter Absturzhöhe sind im stationären Bereich und ab zwei Metern Absturzhöhe auf Baustellen Schutzmaßnahmen gegen Absturz gefordert (laut ASR 2.1). Unabhängig davon können Maßnahmen schon in geringeren Höhen laut Gefährdungsbeurteilung notwendig werden. Für den Leitereinsatz besteht grundsätzlich Minimierungsgebot: Diese dürfen nur verwendet werden, wenn sicherere Arbeitsmittel wie Hubarbeitsbühnen nicht eingesetzt werden können.

Die Gefahr einer erhöhten Lärmexposition sollte grundsätzlich an der Quelle bekämpft werden. Dies ist mit einem Austausch der Arbeitsmittel möglich, beispielsweise mit der Anschaffung von lärmgeminderten Druckluftdüsen. Falls dies nicht ausreicht, muss mit Persönlicher Schutzausrüstung gearbeitet werden. Ein geeigneter Gehörschutz ist vom Arbeitgeber bereits bei einem Tageslärmexpositionspegel von 80 dB(A) zur Verfügung zu stellen. Er muss vom Arbeitgeber angeordnet und überwacht werden, wenn ein Wert von 85 dB(A) erreicht wird. Dieser wird beispielsweise bereits überschritten, wenn mit einem Winkelschleifer
(Schallpegel ~100 dB(A)) 15 Minuten am Tag gearbeitet wird.

Beim Arbeiten mit Stoffen, die die Haut belasten können, müssen geeignete Schutzmaßnahmen getroffen werden. Schutzhandschuhe und Hautmittel (Hautschutz, Hautreinigung und Hautpflege) müssen durch den Arbeitgeber bereitgestellt werden. Scharfkantige Werkstücke, thermische Gefahren (heiße oder kalte Oberflächen) und Strahlung (z. B. beim Schweißen) erfordern das Tragen von geeigneten Schutzhandschuhen. Grundsätzlich dürfen Schutzhandschuhe nicht länger als erforderlich verwendet werden. Ein Wechsel von Tätigkeiten mit und ohne flüssigkeitsdichten Handschuhen ist zur Hautregeneration anzustreben. Durch bestimmte Hautschutzcremes oder Unterziehhandschuhe aus Baumwolle kann verhindert oder zumindest reduziert werden, dass die Haut beim Tragen von flüssigkeitsdichten Schutzhandschuhen aufweicht.

Neben der Einwirkung auf und über die Haut können Gefahrstoffe auch inhalativ in den menschlichen Körper gelangen. Dies kann z. B. beim Schweißen geschehen. Besonders gefährlich sind Schweißrauche von Edelstählen, da diese Chrom- und Nickel-Verbindungen enthalten, die als krebserzeugend eingestuft sind. Schutzmaßnahmen müssen in erster Linie auf technischer Ebene erfolgen, z. B. in Form einer wirksamen
Absaugung des Schweißrauches direkt an der Entstehungsstelle. Schweißarbeitsplätze ohne wirksame Absaugung dürfte es heutzutage nicht mehr geben.

Christian Butz/Kathrin Stocker, BGHM