Heizungsbau

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Durch die technische Weiterentwicklung haben sich Berufsbild und Aufgabenspektrum im Heizungsbau in den vergangenen Jahren erheblich verändert. Dies ist durchaus mit neuen Gefährdungen verbunden.

 

Der Ausbildungsberuf des Anlagenmechanikers umfasst heute die ehemaligen Berufsbilder des Gas- und Wasserinstallateurs sowie des Heizungs- und Lüftungsbauers. Hinzu kommen inzwischen noch Komponenten der Solar- und Elektrotechnik. Mit diesem erweiterten und vielseitigen Tätigkeitsfeld steigen auch die Anforderungen an den Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Die Unfallhäufigkeit im Heizungsbau liegt statistisch deutlich über dem Gesamtdurchschnitt aller bei der BGHM versicherten Mitgliedsbetriebe. Die Unfallstatistik lässt zudem Rückschlüsse auf die Schwerpunkte und Ursachen für Arbeitsunfälle zu. So sind die Beschäftigten bei Montage- und Installationsarbeiten, den örtlichen und betrieblichen Verhältnissen entsprechend, einer höheren Gefährdung ausgesetzt als die an stationären Arbeitsplätzen. Die meisten meldepflichtigen Unfälle ereignen sich bei Erweiterungs-, Umbau-, Reparatur- und Instandhaltungsarbeiten außerhalb des Betriebes sowie bei Montagearbeiten auf Baustellen. Demgegenüber finden die klassischen Installationsarbeiten hauptsächlich in den Gebäuden statt, wobei sich die Arbeiten mit den zunehmenden Solar- und Photovoltaikmontagen mehr und mehr auf die Dächer verlagern, mit neuen Gefährdungen in der Folge.

Stolpern, Stürzen, Abstürzen

Die Technischen Regeln für Arbeitsstätten, speziell ASR 1.8 „Verkehrswege“ und ASR 2.1 „Schutz vor Absturz und herabfallenden Gegenständen, Betreten von Gefahrenbereichen“, geben den Stand der Technik, Arbeitsmedizin und Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse für das Einrichten und Betreiben von Arbeitsstätten wieder. Die Vorschriften definieren Schutzmaßnahmen für sichere Verkehrswege und für hochgelegene Arbeitsplätze. Diese sind von jedem Unternehmen zu beachten und umzusetzen.

So ist vor Ort dafür zu sorgen, dass Verkehrswege und Zugänge zum Arbeitsplatz sicher benutzt werden können. Mangelnde Ordnung und Sauberkeit, sorglos abgelegte Werkzeuge, Materialien und Verpackungen, zugestellte und verschmutzte Verkehrswege sowie verunreinigte Fußböden sorgen für Unfallgefahr. Gerade geringe Höhen verleiten zum leichtsinnigen Handeln und verursachen eine Vielzahl schwerer Verletzungen. Stürzen auf gerader Ebene, Stolpern an Ecken und Kanten, über herumliegende Teile, Herunterspringen von Absätzen, Stufen und Leitersprossen kennzeichnen das Unfallgeschehen der Branche.

Aus statistischer Sicht sind Absturzunfälle Stürze aus Höhen von mehr als einem Meter. Mangelhafte Aufstiege, fehlende Absturz- und Durchsturzsicherungsmaßnahmen und schlechte Standsicherheit sind die Ursachen dafür. Im stationären Betrieb sind Schutzmaßnahmen ab einer Absturzhöhe von mehr als einem Meter notwendig, auf Baustellen an Treppen und Schächten ebenfalls ab einem Meter und an allen anderen Arbeitsplätzen ab zwei Metern. Unabhängig davon ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung, ob Maßnahmen auch schon bei geringeren Höhen eingeleitet werden müssen. Sie ist das wichtigste Instrument und Dokument der Arbeitssicherheit im Unternehmen und wird seit 1996 im Arbeitsschutzgesetz gefordert. Auch für Montagetätigkeiten außerhalb des stationären Betriebes muss sie durchgeführt werden. Für Arbeiten in der Höhe sind bereits im Vorfeld wichtige Überlegungen notwendig:

  • Wie komme ich sicher zu meinem Arbeitsplatz? Sicherer Verkehrsweg!
  • Ist mein Untergrund ausreichend tragfähig? Ausreichende Standsicherheit
  • Welche Schutzmaßnahmen gegen Absturz sind notwendig? Wirksame Absturzsicherung!

Hierbei ist die Maßnahmenhierarchie zu beachten, technischen Maßnahmen ist somit der Vorzug zu geben. Bei der Verwendung von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz muss zudem auch ein Rettungskonzept entwickelt werden.

Umgang mit Handwerkzeugen

Bei Betrachtung der spezifischen Tätigkeiten zeigt sich das größte Unfallaufkommen bei Arbeiten mit Handwerkzeugen. Die Quote bei nicht kraftbetriebenen Werkzeugen liegt deutlich höher als bei kraftbetriebenen. Diese Unfälle resultieren meist aus der Unkenntnis über die sichere Verwendung von Handwerkzeugen und dem Einsatz von beschädigten Arbeitsgeräten. Verletzungen, hauptsächlich an Fingern und Händen, sind die Folge. Oft lassen sich diese Unfälle durch einfache Maßnahmen verhindern, etwa durch Sichtkontrollen vor dem Einsatz. Beschädigte Handwerkzeuge dürfen nicht mehr verwendet werden, und eine Reparatur hat fachgerecht zu erfolgen. Elektrische Betriebsmittel sind regelmäßig nach DGUV Vorschrift 3 zu prüfen. Für die Bereitstellung geeigneter und sicherer Arbeitsmittel trägt die Unternehmensleitung die Verantwortung. Die Beschäftigten müssen im Umgang mit den Werkzeugen erfahren sein und bei der Bereitstellung neuer Werkzeuge entsprechend unterwiesen und geschult werden.

Materialtransport

Ein weiterer Unfallschwerpunkt ist der Transport von Materialien, insbesondere der von schweren, unhandlichen Lasten, wie Heizkörper und Kessel. Dieser kann schnell zum Kontrollverlust führen. Zudem erschweren ungünstige Griffmöglichkeiten und scharfe Kanten an den Gegenständen die Handhabung. Beengte Platzverhältnisse in Gebäuden und schlechte Transportwege auf Baustellen erhöhen oft die Unfallgefahr. Die Folgen können Quetschungen, Prellungen oder sogar Knochenbrüche sein. Hilfsmittel, wie beispielsweise Tragegurte und Treppensteiger, erleichtern dagegen die Arbeiten oft deutlich. Auch das Hinzuziehen zusätzlicher Kolleginnen oder Kollegen zum Materialtransport entlastet die einzelnen Beschäftigten. Hier ist eine effiziente Planung notwendig. Bei der Vorbereitung und Organisation können Kenntnisse über die örtlichen Gegebenheiten und Rücksprachen mit den Verantwortlichen vor Ort (z. B. Bereitstellung und Nutzung von Aufzügen) den Ablauf der Montagearbeiten deutlich erleichtern.

Schweißen – Löten – elektrischer Strom

Der Kontakt mit heißen Oberflächen kann zu Verbrennungen führen. Beim Lichtbogenschweißen besteht die Gefahr des Verblitzens der Augen. Offene Flammen und der Einsatz von Gasen erhöhen die Brand- und Explosionsgefahr. Rohrleitungen im Heizungs- und Sanitärbereich werden üblicherweise verpresst. Durch den Einsatz von Presswerkzeugen ergeben sich Quetschgefahren. Aufgrund der zunehmenden Montagen von Solar- und Photovoltaikanlagen auf Dächern steigt zudem die elektrische Gefährdung durch Arbeiten in der Nähe von spannungsführenden Teilen. Präventive Maßnahmen zur Verhinderung möglicher Einwirkungen können sein:

  • Bereitstellen von Löschmitteln und Sicherstellen von Brandwachen
  • Anbringen der Sicherungen gegen Flammendurchschlag und Gasrücktritt an der Acetylen- und Sauerstoffflasche bei Schweiß- und Lötarbeiten, sicheres Ablegen des Brenners, Kontrolle der Gasschläuche und ggf. Erneuerung, Sicherung der Druckgasflaschen gegen Umfallen
  • ausreichende Sicherung der Ventile der Druckgasflaschen beim Transport
  • Sichern der Flaschen gegen Umfallen
  • Bei Arbeiten mit Presswerkzeugen Sicherheitshinweise aus den Betriebsanleitungen des Herstellers beachten und die Beschäftigten unterweisen.
  • Bei Arbeiten in der Nähe spannungsführender Teile auf Einhaltung der Sicherheitsabstände achten, besser ist es jedoch, vorher einen spannungsfreien Zustand herzustellen.
  • Verwenden von Persönlicher Schutz-ausrüstung wie Schutzbrillen, Handschuhe, eventuell schwer entflammbare Schutzkleidung und Augenschutz mit der richtigen Filterstufe

Mögliche Berufskrankheiten

Berufskrankheiten sind Erkrankungen, die Versicherte durch ihre berufliche Tätigkeit erleiden und die in der Berufskrankheiten-Verordnung aufgeführt sind. Im Heizungsbau werden die Lärmschwerhörigkeit und Hauterkrankungen am häufigsten angezeigt, gefolgt von Muskel- und Skelett-Erkrankungen. Wer ungeschützt einem Tages-Lärmexpositionspegel über 85 Dezibel ausgesetzt ist, muss bei entsprechender Einwirkzeit mit unheilbaren Schäden des Gehörs rechnen. Ein hoher Lärmpegel entsteht bei Arbeiten mit kraftbetriebenen Werkzeugen, wie Winkelschleifer oder Bohrhämmer, die regelmäßig bei Installationsarbeiten zum Einsatz kommen. Zudem werden die Arbeiten meist in schallharten Räumen, wie etwa Kellern, Rohbauten oder auch in engen Räumen durchgeführt. Oft ist es dabei notwendig, die Maschinen nah am Kopf zu führen. Um der Entstehung einer Lärmschwerhörigkeit vorzubeugen, ist hier das Tragen von geeignetem Gehörschutz unerlässlich.

Die Verwendung von Reinigern und Dichtmassen kann die Haut belasten, mit eventuellen chronischen und irreversiblen Hauterkrankungen in der Folge. Die Unkenntnis über den Umgang mit den bereitgestellten Stoffen führt dazu, dass Schutzmaßnahmen unterbleiben. In den Sicherheits- und Produktdatenblättern des jeweiligen Herstellers sind Schutzmaßnahmen, wie z. B. die Auswahl der Persönlichen Schutzausrüstung aufgeführt, die beim Umgang zu beachten sind. In der Betriebsanweisung finden diese dann Berücksichtigung. Sie ist die Grundlage für die gezielte Unterweisung der Beschäftigten. Die Betriebsanweisung ist im Arbeitsbereich zur Verfügung zu stellen, sodass sich die Beschäftigten jederzeit informieren können. Hautschutzmittel und Persönliche Schutzausrüstung, wie zum Beispiel geeignete Handschuhe, sind durch die Unternehmensleitung bereitzustellen.

Meniskusschäden und Arthrosen der Kniegelenke sind Muskel-Skelett-Erkrankungen, die im Heizungsbau auftreten können. Sie entstehen durch arbeitsbedingte Dauerzwangshaltung, insbesondere bei Belastungen durch Hocken oder Knien, wie bei der Installation von Fußbodenheizungen oder Arbeiten in engen Räumen, beispielsweise in Kniestöcken. Maßnahmen wie kurze Transportwege, Betriebsanweisungen zum Lastentransport sowie Schulungen und Informationen helfen, die Beschäftigten langfristig vor Muskel-Skelett-Erkrankungen zu schützen.

Kathrin Stocker/Christian Mayer, BGHM