Handgeführte Maschinen in der Holzbearbeitung

Schwerpunktthema in der BGHM-Aktuell

Ob auf der Baustelle, bei Montagearbeiten beim Kunden oder auch im heimischen Betrieb: Handgeführte Maschinen und Elektrowerkzeuge gehören zur unverzichtbaren Grundausstattung einer jeden Schreinerei und Tischlerei. Aber für deren sichere Nutzung sind einige wesentliche Punkte zu beachten.


Sei es die Handkreissäge zum passgenauen Zuschnitt von Plattenmaterial, die Stichsäge zum Anfertigen von Kurven- oder Formschnitten für Einbauten in Möbelteile oder die Handoberfräse mit ihren unzähligen Anwendungsmöglichkeiten, wie dem Herstellen von Profilierungen, Abrunden von Kanten oder Einbringen von Nuten: Handgeführte Maschinen machen es Schreinereien in vielen Fällen erst möglich, professionell und kreativ zu arbeiten.

Analysen des Unfallgeschehens mit handgeführten Maschinen zeigen jedoch, dass diese häufig unsachgemäß oder unüberlegt gebraucht werden. Die Unfallursache lässt sich dann oft auf den Satz reduzieren: Ungeduld hat häufig Schuld. Eine vorschnelle und unsichere Bearbeitung führt häufig nicht nur zu einem mangelhaften Arbeitsergebnis, sondern ist vielfach auch der Grund für teilweise schwere Verletzungen. Nicht selten gehe die mit einem bleibenden Körperschaden wie zum Beispiel dem Verlust eines Fingers einher. Vor dem Gebrauch eines Elektrowerkzeugs sollte deshalb stets überlegt werden, ob dieses auch sicher und ohne Gefährdung genutzt werden kann.

Richtig auswählen

Das beginnt schon beim Kauf und der Auswahl des richtigen Werkzeugs. Es gilt der Grundsatz: Für Profis nur Profiwerkzeuge. Die Anschaffung von vermeintlich günstigem Werkzeug in einem Discounterladen ist nicht zu empfehlen, da diese Geräte nur für den gelegentlichen privaten Gebrauch gebaut sind, nicht jedoch für den gewerblichen Einsatz. Meist schließen Hersteller diesen von der Gewährleistung für das Produkt auch explizit aus. Eine Hilfestellung zur Auswahl und dem Betrieb nichtstationärer elektrischer Betriebsmittel auf Bau- und Montagestellen gibt die BGI/DGUV-I 608.  

Nicht gespart werden sollte auch an einer passenden Aufbewahrungs- und Transportkiste. Hierdurch werden nicht nur Beschädigungen des wertvollen Elektrowerkzeugs beim Transport auf die Baustelle vermieden, die dann die Nutzung einschränken, es lassen sich darin in der Regel auch alle notwendigen Zubehör- und Anbauteile unterbringen und sind dann vor Ort gleich griffbereit.

Vor dem Einsatz einer Maschine muss grundsätzlich überlegt werden:

  • Ist meine Maschine für die vorgesehene Arbeit geeignet?  
  • Ist das montierte Werkzeug für das zu bearbeitende Material geeignet und zugelassen?
  • Sind alle an der Maschine einstellbaren Parameter wie z.B. Schnitttiefe, Drehzahl oder Winkel für den Arbeitsvorgang korrekt und sicher eingestellt?
  • Sind alle erforderlichen Schutzeinrichtungen an der Maschine wie z.B. Spaltkeil und Schutzhaube montiert und unbeschädigt?

Es versteht sich von selbst, dass während des Einrichtens der Maschine der Netzstecker gezogen sein muss. Ansonsten kann nur allzu leicht, z. B. bei einem Werkzeugwechsel, versehentlich der Betätigungsschalter gedrückt werden, was schwere Verletzungen zur Folge haben könnte.

Keine Beschäftigung

Nach Paragraf 22 des Jugendarbeitsschutzgesetzes dürfen Jugendliche unter 18 Jahren nicht mit Arbeiten beschäftigt werden, die mit Unfallgefahren verbunden sind. Jugendliche können aufgrund ihrer mangelnden Erfahrung und ihres noch nicht ausgeprägten Sicherheitsbewusstseins viele Gefährdungen nicht ausreichend einschätzen und dürfen deshalb nicht für Arbeiten mit folgenden Handmaschinen beauftragt werden:

  •    Handkreissägen
  •    Handoberfräsen
  •    Flachdübelfräsen
  •    Handhobelmaschinen
  •    Handkettensägen
  •    Handbandsägen

Das Verbot gilt nicht,

  • wenn die Tätigkeit zum Erreichen des Ausbildungszieles erforderlich ist
  • der Schutz der Auszubildenden durch die Aufsicht eines Fachkundigen gewährleistet ist
  • der Luftgrenzwert bei gefährlichen Stoffen unterschritten wird.

Die Ausbildungsziele und einzelnen Ausbildungsschritte sind in den jeweiligen Ausbildungsordnungen genau festgelegt.

Generell können Beschäftigte nur dann sicher und gesund arbeiten, wenn sie über die Gefährdungen an ihrem Arbeitsplatz sowie ihre Pflichten im Arbeitsschutz informiert sind und die erforderlichen Maßnahmen und betrieblichen Regeln kennen. Deshalb ist es wichtig, dass alle Beschäftigten eine Unterweisung an ihrem Arbeitsplatz von einer fachkundigen Person erhalten. Eine Praxishilfe zur Durchführung bietet die BGHM auf ihren Internetseiten unter www.bghm.de (Webcode 404).

Sicheres Führen

Elektrowerkzeuge zeichnen sich dadurch aus, dass sie frei und flexibel an einem Werkstück eingesetzt werden können. Aus diesem Grund ist es unerlässlich, dass das zu bearbeitende Werkstück eine sichere Auflage hat. Es darf bei der Bearbeitung nicht verrutschen können und muss nach Möglichkeit fest eingespannt werden. Nur ein sicher fixiertes Werkstück kann präzise und mit dem gewünschten Ergebnis bearbeitet werden. Die Werkzeughersteller bieten hierzu leicht zu transportierende Werkzeugtische an, auf denen sicher und professionell gearbeitet werden kann – auch auf der Baustelle und bei der Montage vor Ort.

Die Maschine muss für den gesamten Arbeitsvorgang sicher geführt werden, wobei beide Hände die Maschine stets fest im Griff haben. Dies und ein geeignetes Führungssystem sind Voraussetzungen z. B. für einen passgenauen Längsschnitt mit einer Handkreissäge oder das Fräsen einer präzisen Nut mit einer Oberfräse. Elektrowerkzeuge sind oft sehr kraftvolle Maschinen. Da Holzwerkstoffe während ihrer Bearbeitung, insbesondere beim Sägen, zum Verklemmen neigen oder je nach Bearbeitungsrichtung auch im Gleichlauf gearbeitet werden kann, muss stets mit dem Zurückschlagen der gesamten Maschine gerechnet werden. Besonders häufig kommt es zu Unfällen mit Verletzungen durch das rotierende Werkzeug, wenn sich das Werkzeug im Material verhakt und dem Nutzer oder der Nutzerin die Maschine aus der Hand gerissen wird.

Nicht zuletzt sollte auch an einen ausreichend großen Bewegungsraum während des Arbeitsvorgangs und an den sicheren Stand gedacht werden. Arbeiten auf Leitern sind grundsätzlich zu vermeiden, da hier durch die hohen Rückschlagkräfte immer ein potentielles Absturzrisiko besteht.

Fallen größere Abschnitte an, ist darauf zu achten, dass diese problemlos abfallen können, ohne Schäden anzurichten. Häufig wird z. B. beim Auftrennen mit der Handkreissäge mit einer Hand nachgegriffen, um den Abschnitt zu greifen. Dadurch ist keine sichere Führung der Maschine mehr gewährleistet, und die Hand kann leicht unter der Maschine ins rotierende Werkzeug geraten.  

Ein Bearbeitungsvorgang kann sich schon mal in einem Zug über mehrere Meter entlang eines Werkstücks erstrecken. Daher ist vorher zu prüfen, dass sich keine Stolperstellen in dem Bereich befinden und vor allem bei netzbetriebenen Maschinen auch alle Zuleitungskabel und Schläuche genügend lang sind. Werden diese nicht ausreichend sicher und locker geführt, können sie sich nur allzu leicht verhaken oder werden gar während des Bearbeitungsvorgangs beschädigt oder durchtrennt. Viele Profis führen aus diesem Grunde die Zuleitungen über die Schulter an die Maschine, damit sie diese stets unter Kontrolle haben und nicht mit dem rotierenden Bearbeitungswerkzeug in Berührung kommen können.  

Gefährlicher Staub

Stäube von Harthölzern wie Eiche und Buche können beim Menschen Krebs erzeugen. Darüber hinaus kann Holzstaub zu Beeinträchtigungen der Atemwege und der Haut, in schlimmeren Fällen zu allergischen Reaktionen führen. Auch können Holzstäube zusammen mit Luftsauerstoff explosionsfähige Gemische bilden. Genügend Gründe also, um möglichst alle zerspanenden und Holzstaub emittierenden Handmaschinen an eine externe Absaugeinrichtung wie einen geprüften Industriestaubsauger anzuschließen. Die Geräte für das Absaugen von Holzstäuben müssen eine Filterqualität der Staubklasse M aufweisen. Die Ausstattung mit einer Werkzeugsteckdose und einer Ein- und Ausschaltautomatik sollte dabei selbstverständlich sein. 

Aber auch die Maschinen selbst verursachen gesundheitsgefährdende Emissionen in Form von Schwingungen, die als Lärm und Vibrationen auf die Bedienperson einwirken. Beim Einsatz von Handmaschinen in der Holzbearbeitung muss je nach Bearbeitung mit einem Lärmemissionspegel von deutlich über 90 dB(A) gerechnet werden. Aus diesem Grund ist auch bei einem kurzzeitigen Einsatz grundsätzlich Gehörschutz zu tragen. Der zulässige Beurteilungspegel von 85 dB(A) innerhalb von acht Stunden, ab dem bei einer häufigen Überschreitung eine Lärmschwerhörigkeit möglich ist, wird z .B. bei einem Schallpegel von 97 dB(A) bereits nach 30 Minuten erreicht. Vibrationen der Maschine übertragen sich über die Handgriffe auch auf die Hände und Finger. Bei einem länger andauernden Gebrauch können, je nach Intensität, eine Nervenschädigung, Durchblutungsstörungen oder Gelenkschäden die Folge sein.  

Regelmäßige Prüfung

Handmaschinen für die Holzbearbeitung sind ortsveränderliche elektrische Arbeitsmittel, durch die aufgrund äußerer schädigender Einwirkungen, insbesondere beim Einsatz auf Baustellen, eine elektrische Gefährdung für die Bedienperson ausgehen kann. Aus diesem Grunde wird für elektrische Handmaschinen durch die Unfallverhütungsvorschrift BGV A3 in Verbindung mit der Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) und der TRBS 1201 eine regelmäßig wiederkehrende Prüfung der Geräte durch eine Elektrofachkraft oder eine entsprechend elektrotechnisch unterwiesene Person gefordert. Der Richtwert für die Prüffristen beträgt sechs Monate, beim Einsatz auf Bau- und Montagestellen drei Monate. Weitere Hinweise und Merkblätter zur Qualifikation des Prüfpersonals, des Prüfumfangs und der notwendigen Dokumentation finden Sie auf der BGHM Internetseite (Webcode: 224).

Hubert Gentner, BGHM