Erste Hilfe

Schwerpunktthema in der BGHM-Aktuell

Für das Jahr 2013 verzeichnete die Berufsgenossenschaft Holz und Metall (BGHM) 158.145 Unfälle, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen nach sich zogen. Um die Folgen eines Unfalls so gut wie möglich einzudämmen, ist in Notfällen die rasche Erste Hilfe entscheidend.


Jeder ist verpflichtet, Erste Hilfe zu leisten. Nach Paragraf 323 c des Strafgesetzbuches ist das vorsätzliche Unterlassen der Ersten Hilfe strafbar. Demgegenüber kann niemand für eine falsche Hilfeleistung zur Rechenschaft gezogen werden.

Verpflichtungen für Unternehmen

Der Unternehmer muss die personellen, sachlichen und organisatorischen Voraussetzungen schaffen, damit seinen Beschäftigten bei einem Arbeitsunfall sofort geholfen werden kann. Die Pflichten des Unternehmers sind in verschiedenen Gesetzen festgehalten. Sie alle verfolgen das Ziel, die Beschäftigten umfassend gegen Gesundheitsgefährdungen durch die Arbeit zu schützen. Sollte doch etwas passieren, ist die gute Organisation der Ersten Hilfe im Betrieb entscheidend. Verpflichtungen dazu finden sich im:

  • Paragraf 10 des Arbeitsschutzgesetzes,
  • Paragraf 4 der Arbeitsstättenverordnung
    und in den
  • Paragrafen 2 sowie 24 bis 28 der BGV A1 (Grundsätze der Prävention).

Das Arbeitsschutzgesetz verpflichtet den Unternehmer, in seinem Betrieb Ersthelfer zu bestellen und die Zusammenarbeit mit außerbetrieblichen Stellen für die Versorgung von Verletzten und dem öffentlichen Rettungsdienst sicherzustellen. Beratung und Unterstützung erhält er dabei vom Betriebsarzt. Auch dies ist im Arbeitsschutzgesetz festgehalten.

Die erforderliche Anzahl der Ersthelfer pro Betrieb regelt die Unfallverhütungsvorschrift BGV A1 „Grundsätze der Prävention“. Sie schreibt vor, dass bei zwei bis zu 20 anwesenden Versicherten ein ausgebildeter Ersthelfer im Betrieb sein muss. Bei mehr als 20 Versicherten müssen in Verwaltungs- und Handelsbetrieben fünf Prozent und in allen anderen Betrieben zehn Prozent der Versicherten von einer eigens dafür ermächtigten Stelle zum Ersthelfer ausgebildet werden. Zudem müssen die Ersthelfer alle zwei Jahre eine Fortbildung absolvieren.

Wie wird man Ersthelfer?

Ersthelfer kann nur werden, wer auch in der Ersten Hilfe ausgebildet worden ist. Die Ausbildung ist ausschließlich Sache der dazu ermächtigten Stellen. Dazu gehören unter anderem folgende, bundesweit operierende Organisationen:

  • Arbeiter-Samariter-Bund (ASB)
  • Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG)
  • Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
  • Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH)
  • Malteser-Hilfsdienst (MHD).

Weitere ermächtigte Stellen sind im Internet unter www.bg-qseh.de aufgelistet.

Die Kosten für die Ausbildung und die regelmäßige Fortbildung der Ersthelfer tragen die Berufsgenossenschaften, die diese direkt mit den Ausbildungsstellen abrechnen. Entgeltfortzahlung und Fahrtkosten trägt dagegen der Unternehmer selbst.

Folgende Themen sind Inhalte des Lehrgangs:

  • allgemeine Maßnahmen der Hilfe
  • Ablauf der Hilfeleistung
  • Maßnahmen bei Bewusstlosigkeit und Kreislaufstillstand
  • Schlaganfall, Herzerkrankungen
  • Umgang mit Verbandsmaterialien
  • Blutungen
  • Verbrennungen, Verätzungen
  • Schock
  • Knochenbrüche
  • Vergiftungen
  • praktische Übungen

Wann ist ein Betriebssanitäter erforderlich?

Je nach Arbeitssituation und Anzahl versicherter Mitarbeiter müssen Unternehmer Betriebssanitäter ausbilden lassen. Dies ist zum Beispiel dann der Fall, wenn in einer Betriebsstätte mehr als 1.500 Versicherte beschäftigt sind. In anderen Betriebsstätten erfordern Art, Schwere und Zahl der Unfälle die Gegenwart eines Betriebssanitäters bereits ab 250 anwesenden Versicherten. Auf Baustellen ist dies schon bei 100 anwesenden Versicherten der Fall.

Die Aufgaben der Betriebssanitäter gehen über die des Ersthelfers deutlich hinaus. So müssen diese beispielsweise mit medizinischen Geräten zur Beatmung und Sekretabsaugung umgehen können. Dennoch ist die Tätigkeit der Betriebssanitäter kein Ausbildungsberuf, sondern eine Qualifizierungsmaßnahme. Diese besteht aus einem 63-stündigen Grundlehrgang mit anschließendem 32-stündigem Aufbaulehrgang für den betrieblichen Sanitätsdienst bei speziell dazu ermächtigten Stellen (im Internet ebenfalls unter www.bg-qseh.de). Wie die Ersthelfer müssen sich auch die Betriebssanitäter regelmäßig weiterbilden, allerdings in Abständen von drei Jahren. Die Kosten für die Qualifikationsmaßnahmen zum Betriebssanitäter übernimmt die Berufsgenossenschaft nicht.

Erste-Hilfe Materialen

Die erforderlichen Materialien für die Erste Hilfe richten sich nach der Gefährdungsbeurteilung, der Betriebsgröße sowie der Anzahl der Mitarbeiter. Angaben dazu finden sich in der Arbeitsstättenregel
A 4.3. Sie unterscheidet zwischen einem kleinen und großen Verbandskasten, deren Inhalte wiederum die DIN 13169 für den großen und die DIN 13157 für den kleinen Verbandskasten beschreiben.

Betriebe mit bis zu 20 Beschäftigten benötigen in der Regel nur einen kleinen Verbandkasten, wobei der für das Auto bestimmte Verbandskasten diesen Zweck nicht erfüllt. Unternehmen mit 21 bis 101 Beschäftigten müssen mindestens einen großen Verbandskasten stellen. Alle zusätzlichen 100 Beschäftigte kommt stets ein weiterer großer Verbandskasten hinzu. Allerdings kann die Zahl der Verbandskästen pro Beschäftigtem auf Baustellen auch höher ausfallen. Zudem können die Ergebnisse der Gefährdungsbeurteilung auch die ständige Anwesenheit medizinischer Geräte oder anderer Hilfsmittel (Gegenmittel oder neutralisierende Stoffe) notwendig machen.

Am besten liegen die Verbandskästen in der Nähe der Unfallschwerpunkte bereit, wobei sich dies natürlich auch nach den räumlichen Gegebenheiten richtet. Allerdings sollte das Erste-Hilfe-Material höchstens 100 Meter von ständigen Arbeitsplätzen entfernt aufbewahrt werden. Und natürlich müssen diese Stellen mit dem Rettungszeichen „Erste Hilfe“ gekennzeichnet sein.

Verbandbuch

Der BGV A1 entsprechend haben Unternehmer dafür zu sorgen, dass jeder Unfall und jede Erste-Hilfe-Leistung in einem Verbandbuch dokumentiert werden. Zudem ist diese Dokumentation nach dem letzten Eintrag noch fünf Jahre lang aufzubewahren. Die Dokumente sind vertraulich zu behandeln. Folgende Angaben sind bei der Dokumentation der Erste-Hilfe-Leistungen wichtig:

  • Name des Verletzten
  • Datum und Uhrzeit des Unfalls
  • Ort des Unfalls
  • Unfallhergang
  • Art der Verletzung
  • Name der Zeugen

Das Verbandbuch kann auch elektronisch geführt werden.

Lebensretter Defi

Treten bei einem Mitarbeiter plötzlich Herzrhythmusstörungen auf, droht Lebensgefahr spätestens dann, wenn diese in das so genannte Herzkammerflimmern übergehen. Rechtzeitig eingesetzt, kann dann ein automatischer Defibrillator den Herzschlag wieder synchronisieren und auf diese Weise Leben retten. Wesentlich dabei ist, dass die Ersthelfer mit dem Defibrillator richtig umgehen können. Diese Unterweisung sollte sich deshalb an die Erste-Hilfe-Ausbildung anschließen. Außerdem sollten im Rahmen der jährlichen Unterweisung alle Mitarbeiter auf den Standort des Defibrillators aufmerksam gemacht werden. Zur Anschaffung und zum Einsatz eines Defibrillators kann der Betriebsarzt wertvolle Hinweise geben. Weiterführende Informationen dazu liefert aber auch die BGI 5163 (http://publikationen.dguv.de)

Erste Hilfe in besonderes Situationen

Auch für besondere Situationen gibt es Lösungen. Als Beispiel seien hier die Offshore-Windparks genannt. Denn der Aufbau von Windparks in der Nord- und Ostsee stellt die Unternehmen auch im Hinblick auf den Arbeitsschutz und die Erste Hilfe vor neue Herausforderungen. Die Tätigkeiten auf den im Meer liegenden Versorgungsplattformen und Windenergieanlagen sind für die Beschäftigten mit extrem hoher körperlicher Anstrengung verbunden. Teilweise liegen die neuen Windparks bis zu 125 km von der Küste entfernt, womit der Rettungsdienst vom Festland bis zu einer Stunde oder mehr benötigt, um dorthin zu gelangen. Die Erste-Hilfe-Maßnahmen nach einem Unfall müssen also diese Zeit überbrücken. Dafür ist der Unternehmer verantwortlich.

Empfehlungen sind erarbeitet

Berufsgenossenschaften und Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung haben Anfang dieses Jahres Empfehlungen zur Ersten Hilfe in Offshore-Windparks veröffentlicht. Der betriebliche „Ersthelfer offshore“ soll durch eine zusätzliche Weiterbildung in der Lage sein, vor Ort längere Wartezeiten zu überbrücken. Das erweiterte Konzept setzt sich wie folgt zusammen:

  • Erste Hilfe Lehrgang zum Ersthelfer Betrieb
  • zusätzliche Erste-Hilfe-Weiterbildung
    (20 Unterrichtseinheiten)
  • ergänzende Ausrüstung und Anwendung der erweiterten Maßnahmen
  • Telesupport

 

Dr. med. Marie-Luise Fritz, BGHM

 

Weitere Informationen:

Informationen zum Ersthelfer offshore finden sie unter: www.dguv.de   Webcode: d96268