Handgeführte Maschinen in der Holzbearbeitung

Schwerpunktthema in der BGHM-Aktuell

Alles eine Frage der Einstellung: In den meisten Holz- und Metallbetrieben steht die Beseitigung von Gefährdungen in der Produktion im Vordergrund. Verständlich, betrachtet man den Grad der offensichtlichen Gefährdung. Allerdings liegt die Zahl der Krankmeldungen im Bürobereich in vielen Unternehmen nicht selten über derjenigen aus der Produktion. 


Um die Krankmeldungen aus diesem Bereich nachhaltig zu reduzieren, kann es hilfreich sein, die Büroarbeitsplätze ergonomisch zu gestalten. Bereits mit geringem Aufwand können Sie Entscheidendes verbessern.

Die im Sommer 2013 neu erschiene Regel für Arbeitsstätten A 1.2 „Raumabmessungen und Bewegungsflächen“ definiert Zellenbüros, Gruppenbüros, Großraumbüros und Kombibüros. Zudem fordert sie für Arbeitsplätze eine Bewegungsfläche von mindestens 1,5 m2, wobei die Ausdehnung in Breite und Tiefe 1 m nicht unterschreiten darf. Werden Büro- und Bildschirmarbeitsplätze in Zellenbüros eingerichtet, so ist als Richtwert eine Fläche von 8 bis 10 m2 je Arbeitsplatz einschließlich Möblierung und anteiliger Verkehrsflächen im Raum zu berücksichtigen. Für Großraumbüros gilt ein Flächenbedarf von 12 bis 15 m2 je Arbeitsplatz.

„Es zieht!“ – „Ich brauche frische Luft!“

Jeder Mensch hat ein individuelles Wohlfühlempfinden. Dem einen ist es zu kalt, dem anderen zu warm, dem einen die Luft zu trocken, dem anderen ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch. Wie soll man es allen recht machen? Auch die gesetzlichen Vorgaben hinsichtlich des Raumklimas können nur einen Rahmen abstecken, der für ein zuträgliches Raumklima sorgen soll. Die neuen Regeln für Arbeitsstätten (ASR), die die ehemaligen Arbeitsstätten-Richtlinien abgelöst haben, fordern für sitzende Tätigkeiten (leichte Arbeitsschwere) eine Mindesttemperatur von 20 °C (ASR A3.5). Die Luftfeuchtigkeit darf bei 20°C maximal 80 Prozent betragen (ASR A3.6). Behaglichkeit wird sich bei den meisten Menschen allerdings erst bei einer höheren Temperatur einstellen. Im Sommer kann es bei hohen Außentemperaturen zu Problemen kommen, vor allem, wenn große Glasflächen zu einer starken Aufwärmung des Büros führen. Steigt die Lufttemperatur über 26 °C oder gar über 30 °C an, gibt die ASR A3.5 Hinweise auf eine Reihe technischer und organisatorischer Maßnahmen. Erfolgt die Lüftung des Büros über eine „Raumlufttechnische Anlage“ (RLT-Anlage), so darf von dieser keine zusätzliche Gefährdung ausgehen. Dies könnte bei einer schlecht gewarteten Anlage zum Beispiel durch Verkeimung (Schimmelpilze) geschehen.

Arbeitsstuhl

Fast alle der heute verkauften und in den Betrieben vorhandenen Arbeitsstühle erfüllen die von den Berufsgenossenschaften aufgestellten Anforderungen. Dazu zählen unter anderem:

  • leicht erreichbare Bedienelemente
  • Sitzhöhenverstellung von 42 bis 55 cm
  • Federung (auch in der untersten Stellung funktionsfähig)
  • atmungsaktive Polster
  • Sitzvorderkante abgerundet
  • fünf lastabhängig gebremste Laufrollen, die dem Fußbodenbelag angepasst werden können.

Beim Neukauf ist unbedingt auf eine verstellbare Sitzflächentiefe zu achten. Schon für mittelgroße Männer oder größere Frauen sind die üblichen Sitze zu kurz – ein ergonomisch richtiges Sitzen ist dann nicht mehr möglich. Auch höhenverstellbare Armlehnen sind sehr zu empfehlen; sie können auf jede Größe des Nutzers eingestellt werden.

Arbeitstisch

Die Oberfläche der Arbeitstische darf keine Blendung, Reflexion oder Spiegelung erzeugen, da dies die Augen belastet und zu Ermüdung führt. Die Oberfläche muss hell und matt sein. Dies gilt auch für Schreibtischunterlagen, die zum Teil dunkelgrün, dunkelbraun oder dunkelblau sind. Diese sollten durch helle oder besser durchsichtige ersetzt werden. Es wurde festgestellt, dass für die Mehrheit der heutigen Bevölkerung eine Tischhöhe von 74 cm am besten geeignet ist. Daher wird diese neue Tischhöhe in den Vorschriften verlangt. Bei den nicht höhenverstellbaren oder höheneinstellbaren Arbeitstischen werden dann insbesondere von kleineren Personen (Körpermaß kleiner etwa 1,65 m) häufig Fußstützen benötigt, um den Arbeitsplatz ergonomisch günstig einzustellen. Für größere Mitarbeiter (ab etwa 1,80 m Körpergröße) sind 74er Tische zu niedrig. An Arbeitsplätzen, an denen die Nutzer häufiger wechseln (bei Teilzeitarbeitskräften), bietet die Höhenverstellung eine ergonomisch sinnvolle Lösung. Diese sollte hydraulisch oder besser elektrisch erfolgen. Bei Arbeitsplätzen mit höhenverstellbaren Tischen, an denen immer dieselbe Person sitzt, wird die Arbeitshöhe einmal eingestellt und meist nicht mehr verändert. Hier erscheint eine elektrische und eventuell teure Höhenverstellung nicht sinnvoll. Eine gute Alternative sind höheneinstellbare (statt höhenverstellbare) Tische. Diese werden bei der Montage auf die Größe des Benutzers eingestellt.

Neue wissenschaftliche Untersuchungen fordern, dass die Anteile von sitzender und stehender Tätigkeit sowie des Laufens möglichst gleich groß sein sollten. Es werden Tische angeboten, die einen weiten Einstellbereich haben, sodass man die Arbeit im Sitzen wie auch im Stehen durchführen kann.

Stuhl–Tisch–Fußstütze

Die Vorgehensweise bei der Einstellung hängt entscheidend davon ab, ob ein höhenfester oder ein höhenverstellbarer bzw. höheneinstellbarer Tisch vorhanden ist. Bei einem höhenfesten Tisch muss die Einstellung in zwei Stufen „von oben nach unten“ erfolgen. Für den ersten Schritt ist der Stuhl in der Höhe so einzustellen, dass zwischen senkrecht herabhängenden Oberarmen und auf dem Tisch liegenden Unterarmen ein rechter Winkel (oder etwas mehr) entsteht. Die Tastatur soll ohne Anheben der Schultern bedient werden können. Zu niedrig eingestellte Stühle führen durch Anheben der Schultern zu Verspannungen im Schulterbereich, was Kopfschmerzen und im schlimmsten Fall orthopädische Probleme nach sich zieht. Im zweiten Schritt muss kontrolliert werden, ob die auf dem Sitz liegenden Oberschenkel mit den Unterschenkeln einen rechten Winkel (oder etwas mehr) bilden. Bei kleineren Personen wird, damit die Füße nicht in der Luft bleiben oder auf den Stuhlrollen abgestellt werden müssen, für die korrekte Einstellung eine Fußstütze benötigt.

Die Einstellung bei höheneinstellbaren und höhenverstellbaren Tischen wird von „unten nach oben“ vorgenommen. Als erstes wird der Stuhl so eingestellt, dass der Oberschenkel sich in der Waagerechten befindet. Die Füße stehen dabei fest auf dem Boden. Ober- und Unterschenkel bilden nun einen rechten Winkel (oder etwas mehr). Im zweiten Schritt wird die Tischplatte in der Höhe so ein- bzw. verstellt, dass bei herabhängenden Oberarmen und den auf der Tischplatte aufliegenden Unterarmen (Hände auf der Tastatur!) zwischen Ober- und Unterarm mindestens ein rechter Winkel entsteht. Die richtige Einstellung sollte häufiger kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden. Die Handgelenke dürfen sich beim Schreiben nie oberhalb der Ellenbogengelenke befinden, sonst treten Schulter- und Nackenbeschwerden auf.

Bildschirm und Tastatur

Für den Benutzer ist es wichtig, dass Zeichen und Grafiken gut lesbar sind. Neben der Zeichenschärfe sind hierfür die Zeichengröße und -gestalt maßgebend. Bei einem durchschnittlichen Sehabstand von 70 cm sollte die Mindestzeichenhöhe 4,5 mm betragen. Die Bildschirmgröße ist so zu wählen, dass die genannten Zeichengrößen eingehalten werden. Oft ist ein 22 Zoll-Bildschirm notwendig, um die genannten Zeichenhöhen zu erreichen.

Der Bildschirm sollte so eingestellt werden, dass die natürliche Kopfhaltung des Menschen berücksichtigt wird. In arbeitsmedizinischen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der natürliche Neigungswinkel des Kopfes etwa 35 Grad nach vorne beträgt. Das optimale Blickfeld liegt zwischen 15 Grad über und 15 Grad unter diesem Winkel. Die oberste Zeile darf sich nie oberhalb der horizontalen Sehachse befinden, sie sollte sich 20 bis 30 cm unter der Horizontalen befinden.

Die Bildschirmoberfläche ist so einzustellen, dass der Betrachter senkrecht auf den Bildschirm schaut; d. h. die Neigung des Bildschirms sollte der Neigung der Gesichtsfläche entsprechen. Zur Vermeidung von Reflexionen kann es aber notwendig sein, den Bildschirm anschließend leicht nach vorne zu neigen.

Eines der wichtigsten Eingabemittel bei der Bildschirmarbeit ist nach wie vor die Tastatur. Nach der Bildschirmarbeitsverordnung kann die Tastatur getrennt vom Bildschirm aufgestellt werden, um ein entspanntes und effektives Arbeiten zu ermöglichen. Mittlerweile gibt es auch besonders geformte Tastaturen, die durch eine gewinkelte Trennung der Bedienfelder für die rechte und linke Hand für mehr ergonomischen Komfort sorgen sollen.

Anordnung im Raum

Beim Aufstellen von Schreibtischen und Bildschirmen müssen Blendungen und störende Reflexionen vermieden werden. Der Bildschirm steht dann optimal, wenn ein Mitarbeitern parallel zum Fenster auf den Bildschirm blickt. Dies bedeutet in der Praxis, dass ein Bildschirm nie direkt vor dem Fenster stehen darf. Selbst wenn der Bildschirm in einem Winkel von 30 Grad oder 45 Grad vor dem Fenster aufgestellt wird, ist der Kontrast noch zu groß. Ein Bildschirm darf auch nicht gegenüber einem Fenster aufgestellt werden, da sich das Fenster sonst auf der Bildschirmoberfläche spiegelt.

  

Prof. Peter Hartung, BGHM