Arbeitssicherheit bei Tätigkeiten in der Instandhaltung

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Die Tätigkeit der Instandhalter selbst ist unter sicherheitstechnischen Aspekten besonders kritisch zu betrachten. Manchmal werden unzulässiger Weise Sicherheitseinrichtungen umgangen, weil Produktionssysteme sich in Ausnahmezuständen befinden.

Um die Instandhaltung sicher zu machen, müssen Arbeitsabläufe gut organisiert und die Mitarbeiter ausreichend qualifiziert sein. Basis der Ablaufplanung ist auch hier die Gefährdungsbeurteilung, die aber durch wechselnde Arbeitsplätze, vielfältige Gefährdungsfaktoren und durch unregelmäßig wiederkehrende Arbeiten erschwert wird.

Gefährdungen bei Instandhaltungstätigkeiten

Instandhaltungspersonal ist bei seiner Arbeit einer Vielzahl von Gefährdungen ausgesetzt, die sich nicht immer auf den ersten Blick erkennen lassen. Gefährdungen können dabei von Arbeitsmitteln, instand zuhaltenden Maschinen und Anlagen und anderen Personen ausgehen. Sie können sich aber auch nicht nur auf das Instandhaltungspersonal auswirken, sondern auch auf Personal, das in der Nähe des Arbeitsortes tätig ist. Die bekanntesten Beispiele sind:

Bild 1: Besondere Gefährdungen (Quelle DGUV Information 209-015)

Somit ist bei Instandhaltungsarbeiten besonders darauf zu achten, dass das Personal für die anstehenden Tätigkeiten ausreichend qualifiziert ist.

Mechanische Gefährdungen

Die meisten der tödlichen Instandhaltungsunfälle geschehen in der Folge von Quetschungen an laufenden Maschinen. Dabei zeigen Analysen, dass die meisten dieser Maschinen nicht ausgeschaltet oder keine ausreichenden Schutzmaßnahmen getroffen worden waren.

Es existiert eine klare Vorgehensweise für Instandhaltungsarbeiten, die die Anzahl der Unfälle deutlich reduzieren kann ohne die Ausführungen der Arbeiten zu behindern.

Bild 2: 4-Rangmethode (Quelle: BGHM Seminar IKIN10)

Die 4-Rang-Methode stellt seit langem einen Stand der Technik dar:

Die 4 Ränge sind so gestaltet, dass sie praxisnah ausgeführt werden können. Werden im Rahmen der Instandhaltung die 4 Ränge immer konsequent eingehalten, kann die Anzahl der Unfälle deutlich gesenkt werden. Für eine sichere Instandhaltung sind vor Aufnahme der Tätigkeiten vom Unternehmer und den betrieblichen Vorgesetzen die Arbeiten nach den Rängen 1 - 4 zu bewerten um das höchste Schutzniveau einhalten zu können.

Rang 1: Instandhaltung darf erst durchgeführt werden, wenn keine Gefährdungen vorhanden sind, d. h.:

  • Die Energieversorgung ist unterbrochen.
  • Ingangkommen infolge gespeicherter Energie ist verhindert worden.
  • Gefahrbringende Bewegungen sind zum Stillstand gekommen.
  • Physikalische, chemische und biologische Einwirkungen können ausgeschlossen werden
  • Unbefugtes, irrtümliches oder unerwartetes Ingangsetzen kann ausgeschlossen werden.

Rang 2: Instandhaltung mit vorhandenen Schutzeinrichtungen, d. h.:

  • trennende Schutzeinrichtungen
    • z. B. Verkleidungen, Verdeckungen, Umzäunungen oder Umwehrungen
  • ortsbindende Schutzeinrichtungen
    • z. B. Zweihandschaltungen
  • Schutzeinrichtungen mit Annäherungsreaktion
  • z.B. Lichtvorhang, Lichtschranke, Scanner, Schaltmatte, Schaltleiste oder Pendelkappe

Rang 3: Instandhaltungsarbeiten nur mit zusätzlichen Einrichtungen, die z. B.:

  • das Eingreifen in die Gefahrstelle entbehrlich machen oder
  • das zufällige Erreichen benachbarter Gefahrstellen erschweren oder
  • das Herabsetzen der Geschwindigkeiten ermöglichen oder
  • das schnelle Stillsetzen ermöglichen

Rang 4: Instandhaltung mit besonderen Maßnahmen, d.h.:

  • Mit entsprechenden Arbeiten dürfen nur fachlich geeignete Personen beauftragt werden, die im Stande sind, etwa entstehende Gefahren abzuwenden.
  • Unternehmerinnen oder Unternehmer müssen die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen ermitteln und dafür sorgen, dass sie eingehalten werden.
  • Die Beschäftigten müssen über die, mit der Arbeit verbundenen, Gefahren unterrichtet sein.
  • Für das Verhalten beim Auftreten von Unregelmäßigkeiten und Störungen müssen spezielle Anweisungen erteilt werden.
  • Im Gefahrenbereich dürfen sich nur Personen aufhalten, die für Instandhaltungsarbeiten unbedingt erforderlich sind.
  • In einigen Fällen ist eine Person zu bestellen, die den Fortgang der Arbeiten beobachtet und bei akuter Gefahr geeignete Maßnahmen ergreift. Dies ist nur anwendbar, wenn dadurch ein Unfall vermieden werden kann.

Unter Berücksichtigung dieser Methode und der einschlägigen Vorschriften und Regelwerken lassen sich die Unfallzahlen in der Instandhaltung deutlich senken.

Elektrische Gefährdungen

Nahezu jede moderne Maschine oder Anlage wird zumindest in Teilbereichen mit Elektrizität versorgt. Somit haben es Mitarbeiter in der Instandhaltung häufig mit elektrischer Energie zu tun. Die Gefährdung entsteht, wenn Abdeckungen und Schutzeinrichtungen demontiert werden müssen oder es zu Fehlern in elektrischen Arbeitsmitteln kommt.

Selbst bei geringen Spannungen und Stromstärken kann es durch Schreckreaktionen zu Sekundärunfällen kommen. Bei leistungsstarken Spannungsquellen kann bereits eine örtliche Nähe ausreichen um einen Lichtbogen hervor zu rufen. Bei hohen elektrischen Strömen kommt es dann zu so starken Muskelkontraktionen, dass ein eigenständiges Loslassen der Spannungsquelle unmöglich wird.

Deshalb gilt:

  • geeignete Arbeitsmittel auszuwählen,
  • elektrisches Fachpersonal einzusetzen und
  • die entsprechenden Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Die Einhaltung der fünf Sicherheitsregeln ist eine Pflicht und verhindert viele Unfälle:

  1. Freischalten
  2. Gegen Wiedereinschalten sichern
  3. Spannungsfreiheit feststellen
  4. Erden und Kurzschließen
  5. Benachbarte, unter Spannung stehende Teile abdecken oder abschranken.

Absturz

Häufig sind Instandhaltungsarbeiten an hochliegenden Arbeitsplätzen wie Förderanlagen, Heizungs- Lüftungs- und Beleuchtungsanlagen sowie hochgelegenen Maschinenteilen notwendig. Leider zeigt das Unfallgeschehen, dass bereits während der Planungsphase diese Gefährdungen nur unzureichend berücksichtigt werden.

Die häufigsten Absturzursachen des Instandhaltungspersonals an hochgelegenen Arbeitsplätzen sind:

  • fehlende, ungeeignete oder unvollständige Aufstiege, Zugänge, Arbeitsbühnen
  • fehlende Absturzsicherungen und fehlende Podeste an Maschinen, Anlagen und betrieblichen Einrichtungen bei regelmäßig wiederkehrenden Instandhaltungsarbeiten

Es gilt das Verbot, dass Instandhaltungsarbeiten größeren Umfangs von Leitern und ungesicherten hochgelegenen Arbeitsplätzen aus durchgeführt werden. In der DGUV Information 209-015 Kapitel 4.1 werden Gefährdungsbeurteilungen ab bestimmten Höhen gefordert. Durch eine solche lassen sich leicht die Gefahren erkennen und entsprechende Schutzmaßnahmen ableiten.

Gefährdungsbeurteilung

Der Arbeitgeber hat gemäß §3 BetrSichV Gefährdungsbeurteilungen zu erstellen, um die Gefährdungen zu erfassen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Dabei müssen folgende Punkte mit einbezogen werden:

  • alle Arbeitsmittel:
    • Werkzeuge, Geräte
    • Maschinen oder Anlagen
  • jegliche Tätigkeiten:
    • Montieren, Installieren
    • Bedienen, An-/ Abschalten, Einstellen, Gebrauchen, Betreiben
    • Instandhalten, Reinigen, Prüfen, Umbauen, Erproben
    • Demontieren Transportieren, Überwachen
  • vor Beginn der Arbeiten

Eine Gefährdungsbeurteilung sollte enthalten:

  • Tätigkeit/ Arbeitsmittel
  • Gefährdungen
  • Schutzmaßnahmen
  • Wirksamkeit (ab wann werden die Schutzmaßnahmen wirksam; besteht Handlungsbedarf?)
  • Risikobewertung

Es ist wichtig die Gefährdungsbeurteilung nicht nur als ein Blatt Papier, sondern auch als einen sich wiederholenden Prozess zu sehen, in den die Beschäftigten mit einbezogen werden.

Weiterführende Informationen zu diesem Thema sind in der BGHM Bibliothek unter dem Schlagwort Gefährdungsbeurteilungen zu finden.

Bild 3: Ablaufdiagramm - Instandhaltung und Erprobung (Quelle: TRBS 1112, Anhang 1)

Schutzmaßnahmen

Bei den Maßnahmen ist eine Hierarchie zu beachten, die sich nach der Wirksamkeit der jeweiligen Maßnahmenart richtet. Als Eselsbrücke kann das Wort STOP genommen werden, das sich wie folgt zusammensetzt:

  • S – Substitution/ Beseitigung der Gefahr
  • T – Technische Maßnahmen
  • O – Organisatorische Maßnahmen
  • P – Persönliche Schutzausrüstung
Bild 4: Rangfolge der Schutzmaßnahme (Quelle: BGHM Seminar SBSB11)

Beispiele für Maßnahmen, die durch den Unternehmer ergriffen werden müssen, werden weiter unten angeführt:

Technische Maßnahmen

  • sichere Zugänge für das Instandhaltungspersonal vorsehen
  • Vermeidung von Gefährdungen durch bewegte oder angehobene Arbeitsmittel oder deren Teile sowie durch gefährliche Energien oder Stoffe

Organisatorische Maßnahmen

  • Verantwortlichkeiten für die Durchführung der erforderlichen Sicherungsmaßnahmen festlegen
  • ausreichende Kommunikation zwischen Bedien- und Instandhaltungspersonal sicherstellen
  • Freigabesysteme für bestimmte Arbeiten anwenden. Bei gleichartigen Arbeitsbedingungen und gleichartig wirksamen Schutzmaßnahmen kann das Freigabe-/Erlaubnisscheinverfahren mehrere Arbeitsbereiche umfassen
  • sichere Arbeitsverfahren für solche Arbeitsbedingungen festzulegen, die vom Normalzustand abweichen
  • Absichern des Arbeitsbereichs während der Instandhaltungsarbeiten und
  • das Verhindern des Betretens des Arbeitsbereichs durch Unbefugte, soweit das nach der Gefährdungsbeurteilung erforderlich ist

Persönliche Maßnahmen

  • Bereitstellung einer geeigneten Persönlichen Schutzausstattung (PSA)
  • erforderliche Warn- und Gefahrenhinweise bezogen auf Instandhaltungsarbeiten an den Arbeitsmitteln zur Verfügung zu stellen
  • Bereitstellung geeigneter Geräte und Werkzeuge
  • Einrichtungen zum Beseitigen von Energien, die nach einer Trennung des instandzuhaltenden Arbeitsmittels noch gespeichert sind

Übergreifende Maßnahmen

  • Bei Auftreten oder Bildung gefährlicher explosionsfähiger Atmosphäre sind Schutzmaßnahmen entsprechend § 9 Absatz 4 Satz 1 zu treffen (siehe TRBS 1112 Teil 1)