Neuer Sägeblattschutz für Baukreissägen

12.04.2018

An Baukreissägen kommt es immer wieder zu schweren Unfällen, obwohl die Sicherheitseinrichtungen seit Jahren weiter verbessert werden. Ursache ist häufig, dass die vorhandene Schutzhaube unzureichend ist (Bild 1) oder auf einfache Weise außer Funktion gesetzt wurde (Bild 2). Diese gefährliche Manipulation gehört leider zum Alltag auf Baustellen, auf denen die notwendigen Hilfsmittel wie Holzstückchen oder Draht leicht zu finden sind.

Ungeeignete Schutzhaube bei einer Baukreissäge.

Bild 1: Ungeeignete Schutzhaube

Manipulierte Schutzhaube bei einer Baukreissäge

Bild 2: Manipulierte Schutzhaube

Fragt man die Beschäftigten auf den Baustellen, warum sie die Schutzhaube manipulieren, so argumentieren sie häufig, dass sie dadurch das Sägeblatt für eine korrekte Schnittführung am Anriss sehen können.

Dies führte bei der Berufsgenossenschaft Holz und Metall zu einer Idee für einen neuartigen Schutz des Sägeblatts. Sie besteht im Wesentlichen darin, an Stelle einer zusätzlichen Schutzhaube den Spaltkeil zur Verhinderung eines Zugriffs auf das Sägeblatt zu verwenden (Bild 3). Der Spaltkeil muss dazu so ausgeführt werden, dass er eine Rotationsbewegung um das Sägeblatt ausführen kann. In der Ruhestellung verdeckt er den Zahnkranz des Sägeblatts von außen vollständig.

Bild 3: Neuartiger Sägeblattschutz

Der seitliche Zugriff zu den Sägezähnen wird durch eine zusätzliche Schutzeinrichtung aus Kunststoff verhindert. Mit dem zugeführten Werkstück wird der Spaltkeil so weit „angehoben“, dass er nur den zum Sägen notwendigen Bereich des Sägeblatts freigibt. Hinter dem Werkstück fällt er sofort wieder in seine Ruhestellung.

Der Vorteil dieser Konstruktion liegt in der freien Sicht auf die Sägelinie, da Spaltkeil und Sägeblatt in einer Flucht liegen. Ein Nachteil gegenüber der üblichen Schutzhaube ist die noch fehlende Möglichkeit zur Absaugung. Daher bietet es sich an, das Konzept zuerst an Baukreissägen zu erproben, die ohne Absaugung im Freien betrieben werden dürfen.

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall hat in Zusammenarbeit mit der Firma Avola, einem Hersteller von Baukreissägen, einen Prototyp mit dieser Lösung gebaut, um zu prüfen, ob die Konstruktion grundsätzlich machbar ist. Das ist gelungen. Natürlich ist dieser Prototyp kein in jedem Detail ausgereiftes Produkt und hat noch reichlich Potenzial zur Verbesserung.

Die Information über den Prototyp und die geplante Vorstellung, zum Beispiel bei Messeauftritten der Berufsgenossenschaft Holz und Metall, sollen die Idee für einen neuartigen Schutz des Sägeblatts für alle Hersteller von Baukreissägen zugänglich und frei nutzbar machen, damit sie sie aufgreifen und weiterentwickeln können.

Wenn sich bei den nun geplanten Evaluationen der neuen Schutzeinrichtung durch erfahrene Expertinnen und Experten aus der Praxis herausstellt, dass es bei diesem Konzept keinen Anreiz zur Manipulation mehr gibt, lohnt es sich umso mehr, die Idee zur Marktreife zu bringen.