Neue Technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 619

Aluminiumsilikatwolle durch weniger gefährliche Gefahrstoffe ersetzen

Bei Aluminiumsilikatwolle handelt es sich um einen krebserzeugenden Stoff der Kategorie 2 gemäß Gefahrstoffverordnung. Diesen gilt es möglichst durch weniger gefährliche Stoffe zu ersetzen.

Die TRGS 619 beschreibt, nach welchen Grundsätzen die Substitution von eingestuften Hochtemperaturfasern durch faserfreie Materialien und nicht eingestufte Faserprodukte möglich ist. Dabei werden sowohl die technischen Parameter als auch die Gesundheitsgefährdung und Energie- und Ressourceneffizienz berücksichtigt.

Da in den Bereichen Hausgerätetechnik und Brandschutz die Substitution eingestufter Faserprodukte bereits weitgehend abgeschlossen ist, fallen diese Bereiche und Faserarten nicht in den Geltungsbereich. Ebenso nicht Mineralwollen, da diese nur bis zu einer Temperatur von etwa 600° C einsetzbar sind und damit nicht in der Hochtemperaturdämmung.

Die TRGS 619 dürfte, wenn man nur den Text betrachtet, eine der kürzesten aller TRGS sein. Allerdings hat sie eine große Praxisrelevanz, denn die in den Anlagen enthaltenen Anforderungsprofile mit ihren detaillierten Fragen geben dem Anwender eine wichtige Entscheidungshilfe bei der Fragestellung, ob eine Substitution möglich ist und welches Produkt hierfür eingesetzt werden kann.

Was ist neu?

Bei der Charakterisierung der möglichen Substitute richtet sich die Einteilung der nichtfaserförmigen Produkte nach dem aktuellen technologischen Stand. Bei den Kriterien für die technische Eignung und die gesundheitliche Gefährdung durch die Substitute sind die zu betrachtenden technischen Parameter aufgeführt, wie thermische und mechanische Eigenschaften, chemische und mechanische Beständigkeit sowie die Energie- und Ressourceneffizienz. Die TRGS 619 weist darauf hin, dass durch die Substitution die Gefährdung durch Gefahrstoffe am Arbeitsplatz insgesamt verringert werden muss. So darf es zu keiner Erhöhung anderer Gefährdungen am Arbeitsplatz und zu keiner erhöhten Beeinträchtigung anderer Schutzgüter kommen, wie dies zum Beispiel durch eine erhöhte Brand- und Explosionsgefahr oder Ofendurchbrüche mit dem Austritt von Schmelze der Fall wäre. Faserhaltige Substitutionsprodukte kommen nur dann in Frage, wenn darin keine als krebserzeugend eingestuften Fasern (K1 bzw. 1A, K2 bzw. 1B) enthalten sind.

Ausführlich erläutert die TRGS 619 die Einstufung der Hochtemperaturfasern und das eventuell damit im Zusammenhang stehende Krebsrisiko sowie die Anwendungstemperatur, die von ausschlaggebender Bedeutung für eine erfolgreiche Substitution ist. Zudem erfährt der Leser, unter welchen Bedingungen sich bei der Anwendung silikogene Stäube bilden können.

Sehr positiv für den Praktiker ist, dass am Ende des Textteiles der TRGS 619 die Vorgehensweise bei der Prüfung von Substitutionsmöglichkeiten genau beschrieben ist, sodass auch ein Nichtfachmann auf diesem Gebiet mit den Anforderungsprofilen in den Anlagen der TRGS besser arbeiten kann. Gegebenenfalls ist es aber dennoch notwendig, den Sachverstand von Herstellern, Lieferanten oder anderen Fachleuten mit Kenntnissen zu Aspekten der Substitutionsprüfung heranzuziehen.

Info

Technische Regeln für Gefahrstoffe sind Empfehlungen und technische Vorschläge vom Ausschuss für Gefahrstoffe, die helfen, ein Gesetz, eine Verordnung oder einen technischen Ablauf einzuhalten. Sie geben den Stand der Technik, der Arbeitsmedizin und der Arbeitshygiene sowie sonstige gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse für Tätigkeiten mit Gefahrstoffen wieder, einschließlich deren Einstufung und Kennzeichnung. Sie werden vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Gemeinsamen Ministerialblatt bekannt gegeben.