Das Muskel-Skelett-System

"Das richtige Maß an Belastung hält den Rücken gesund." Das ist die Kernbotschaft der aktuellen Präventionskampagne zur Reduzierung von Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE). Schon seit Jahren verursachen diese die höchsten Kosten durch Krankheitsbehandlung und Produktivitätsausfall.

Unterforderung / Überlastung

Hinter dieser Kernbotschaft steckt ein aus den Arbeitswissenschaften bekanntes Belastungs-Beanspruchungs-Modell. Auf der einen Seite stehen Personen mit zu hohen Belastungen im Fokus (Überforderung), also Beschäftigte, die zu schwere Lasten zu oft heben und tragen oder zu lange in Zwangshaltungen arbeiten. Auf der anderen Seite sind es die Arbeitsbedingungen, die Personen körperlich oder geistig unterfordern: Beschäftigte am Schreibtisch oder in Führerständen oder mit monotonen Arbeitsaufgaben. Die Kampagne soll die Verantwortlichen sensibilisieren, Arbeitsplätze, -aufgaben und -organisation zu optimieren. Diese sind so zu gestalten, dass sie die Menschen weder über- noch unter fordern. Die Mitwirkung der Beschäftigten  ist dabei  erforderlich, denn neben den Arbeitsbedingungen  beeinflusst auch der persönliche Trainingszustand des Rückens das Maß der optimalen Beanspruchung.

Die Zusammenhänge erkennen

Viele Faktoren haben Einfluss darauf, ob der Bewegungsapparat leistungsfähig und gesund ist oder Schmerzen bereitet. Nur wer die Zusammenhänge kennt, ist motiviert, zusätzlich zu den Vorgaben aus geltenden Arbeitsschutz-Regularien entweder - als Arbeitgeber - die richtigen Präventionsmaßnahmen zu ergreifen, oder sich - als Beschäftigte/r - rückengerecht zu verhalten.

Neben den physischen werden auch psychische und psychosoziale Belastungsfaktoren mit Rückenbeschwerden in Verbindung gebracht (siehe: Literature Review on work-related musculoskeletal disorders (Link: DGUV)). Besonders gravierend erscheinen arbeitsbezogene Risiken für Muskel-Skelett-Erkrankungen immer dort, wo sich körperliche Belastungen mit starken psychischen Belastungen verbinden – etwa durch hohen Zeit- oder Leistungsdruck, von dem sich über die Hälfte der deutschen Beschäftigten häufig betroffen sieht.

Zudem steht die Prävention arbeitsbezogener Muskel-Skelett-Erkrankungen mit dem demografischen Wandel und der Erhöhung des Renteneintrittsalters vor weiteren Herausforderungen. Dies macht stärkere Anstrengungen notwendig, die Arbeit alternsgerecht zu gestalten. Alternsgerecht ist sie dann, wenn ihr ein umfassendes, auf den gesamten Alterungsprozess und über den gesamten Erwerbsverlauf aller Beschäftigten bezogenes Konzept zugrunde liegt. Dies sollte unter anderem Weiterbildungsbedürfnisse und -notwendigkeiten, alter(n)sgerechte Laufbahngestaltung, Gesundheitsschutz, Verhältnisprävention und gesundheitsgerechte Verhaltensweisen berücksichtigen.

Die gute Nachricht

Unternehmen und Beschäftigte können viel gegen arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen tun – und es ist nie zu spät, damit zu beginnen.

Tipp

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