Handlungshilfen / Tools

Methoden zur Gefährdungsbeurteilung bei Muskel-Skelett-Belastungen

Warum eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen?

Gemäß Arbeitsschutzgesetz muss durch eine Beurteilung der für die Beschäftigten mit ihrer Arbeit verbundenen Gefährdung ermittelt werden, welche Maßnahmen des Arbeitsschutzes erforderlich sind. Dadurch sollen Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten erreicht und Fehlbelastungen verhindert werden. Für Belastungen im Bereich des Muskel-Skelett-Systems ist die Lastenhandhabungsverordnung (bei Vibrationsbelastungen die Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung) zu beachten. Kann eine Gefährdung nicht sicher ausgeschlossen werden, müssen spezielle Schutzmaßnahmen durchgeführt werden.

Erste Schritte der Gefährdungsbeurteilung

  • Bei Muskel-Skelett-Belastungen: die Checkliste aus BGI/ GUV-I 504-46 (bzw. BGI 7011) liefert konkrete Anhaltspunkte für physische Überforderungen und kann für eine orientierende Gefährdungsbeurteilung eingesetzt werden. Auch bei Beschwerden der Beschäftigten kann die Checkliste als erster Schritt einer Gefährdungsbeurteilung eingesetzt werden.
  • Speziell bei Lastenhandhabung sind die Gefährdungsmerkmale im Anhang der Lastenhandhabungsverordnung zu berücksichtigen, bei Vibrationsbelastungen die Gefährdungsmerkmale aus der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung.

Anzeichen für Überforderungen oder Fehlbelastungen:

  • Die Belastung wird von den Beschäftigten als zu hoch empfunden.
  • Gesundheitliche Beschwerden, die im Zusammenhang mit der ausgeübten Tätigkeit stehen, treten gehäuft auf.
  • Erhöhter Krankenstand durch Muskel-Skelett-Erkrankungen.
  • Beschäftigte streben einen Tätigkeitswechsel an.
  • Es treten gehäuft Qualitätsmängel auf, die durch ermüdungsbedingte Fehler entstanden sein können.

Diese "Signale" sollten der Fachkraft für Arbeitssicherheit und dem Betriebsarzt Anlass zu einer Arbeitsplatzbeurteilung geben!

Gefährdungsbeurteilungen helfen:

  • Risiken zu erkennen und zu bewerten (bereits in der Planungsphase).
  • Präventionsmaßnahmen zu ermitteln.
  • bei einer systematischen Vorgehensweise und Dokumentation.
  • Tätigkeiten und Arbeitsplätze untereinander zu vergleichen.
  • den Erfolg einer reduzierten Belastung darzustellen.

Auswahl der Beurteilungsverfahren

Um physische Belastungen zu beurteilen und diese systematisch zu dokumentieren, stehen unterschiedliche Beurteilungsverfahren zur Verfügung.

Gefährdungsbeurteilung bei physischen Belastungen

Beispiele für Beurteilungsverfahren

(in Anlehnung an die „Handlungsanleitung für die arbeitsmedizinische Vorsorge nach dem Berufsgenossenschaftlichen Grundsatz G 46 "Belastungen des Muskel- und Skelettsystems einschließlich Vibrationen" (BGI/GUV-I 504-46))

Für den Betrieblichen Praktiker

Für Ergonomie-Experten/Arbeitsgestalter

Für Wissenschaftler

  • Messverfahren (z.B. spezielle Arbeitsanalyseverfahren, physiologische Messverfahren, wie z. B. die    Elektromyographie (EMG))
  • Vielzahl auch international verfügbarer wissenschaftlicher Mess- und Analyseverfahren.

Die genannten Handlungshilfen und Tools für Praktiker sind frei erhältlich und sind praxisnah in der Anwendung:

  • im Betrieb schnell umsetzbar - (Aber: Schulung und ergonomische Kenntnisse sind notwendig!)
  • erleichtern es, körperliche Belastungen zu erkennen und zu bewerten (bereits in der Planung)
  • erleichtern eine strukturierte Gefährdungsbeurteilung
  • helfen, körperliche Fehlbelastungen und Beeinträchtigungen zu erkennen und vorzubeugen
  • dienen der ergonomischen Bewertung und sind Grundlage für die Prävention

Zur Anwendung der Beurteilungsverfahren in der Praxis

Checkliste „Orientierende Beurteilung der Gefährdung bei Belastungen des Muskel- und Skelettsystems“ BGI/GUV-I 504-46 bzw. BGI 7011

  • entwickelt für die arbeitsmedizinische Vorsorge Muskel-Skelett-Belastung einschließlich Vibrationen (BGI/GUV-I 504-46)
  • Einsatz auch in Kleinbetrieben möglich
  • schnelle Anwendung im Betrieb (ergonomische Grundkenntnisse vorausgesetzt)

BAuA Leitmerkmalmethoden

  • entwickelt für Betriebe jeder Größe
  • bevorzugt Bewertung von standardisierten Tätigkeiten
  • Gefährdungsbeurteilung mit „Risikobereichen 1-4“ nach Ampelmodell.

Die KoBRA-Tools

(KoBRA = Kooperationsprogramm zu normativem Management von Belastungen und Risiken bei körperlicher Arbeit - www.kobra-projekt.de

  • entwickelt für größere Betriebe,
  • bewertet standardisierte Tätigkeiten,
  • bewertet Mischbelastungen
  • bewertet Belastungen beim Einsatz von Körperkräften
  • auch in der Planungsphase einsetzbar