Muskel-Skelett-Belastungen

Physische Belastungen bei der Arbeit - Muskel-Skelett-Belastungen - finden sich in jeder Stufe der technisch-wirtschaftlichen Entwicklung in modifizierten Kombinationsformen und Anforderungsmustern.

Geeignete Bewegung und im richtigen Maß auch entsprechende dynamische Muskel-Skelett-Belastungen mit ausreichenden Erholungsphasen sind Grundvoraussetzung für Sicherheit und Gesundheit auch bei der Arbeit.

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So positiv regelmäßige und maßvolle Bewegungen und Kräfteausübungen sind, so negativ können sich Belastungen auswirken, die physiologische und/oder psycho-physische Dauerleistungs- bzw. Dauerbelastungsgrenzen überschreiten.

Es werden folgende Arten von Muskel-Skelett-Belastungen unterschieden:

Transport einer Holzplatte

1. Manuelle Lastenhandhabung

  • Heben, Halten, Tragen
  • Ziehen, Schieben
  • Sonderformen I: Patiententransfer, Bergen/Retten,..
  • Sonderformen II: Schaufeln, Fangen/Werfen,…

2. Tätigkeiten mit lange andauernden oder wiederholten erzwungenen Körperhaltungen/Bewegungen

  • Sitzen (Bsp.: Mikroskopiertätigkeit)
  • Stehen
  • Rumpfbeuge
  • Hocken, Knien, Fersensitz, Kriechgang, Liegen
  • Arme über Schulterniveau

3. Wiederkehrende Belastungen der oberen Extremitäten (Hand-Arm-System)

  • Einzel- oder Kombinationsbelastungen aus Repetition (hohe Handhabungsfrequenzen), ungünstigen Gelenkwinkelstellungen/Schulter-Arm-Handhaltungen, Kraftaufwand/-einwirkungen, Vibrationseinwirkungen, hohe Dynamik, fehlende Erholungszeiten
  • Einsatz des Hand-Arm-Systems als Werkzeug (Klopfen, Hämmern, Drehen, Drücken)

4. Tätigkeiten mit erhöhter Kraftanstrengung und/oder Krafteinwirkung

  • Schwer zugängliche Arbeitsstellen (Steigen, Klettern,…)
  • Kraftbetonte Tätigkeiten, Einsatz von Ganzkörperkräften (Beispiele z. B. im Kraftatlas - BGIA-Report 3/2009)
  • Kraft- oder Druckeinwirkung bei der Bedienung von Arbeitsmitteln (Niet-Schweißzangen, Hebehilfen (Balancer),…)

5. Tätigkeiten mit Vibrationsbelastungen (Hand-Arm-/Ganzkörper-Vibrationen)

6. Mischbelastungen (Kombinationen aus 1 bis 5)

Physische Belastungen können je nach Art, Intensität, Dauer und Häufigkeit zu Fehlbelastungen, Gefährdungen, Beschwerden bis hin zu Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems - den Muskel-Skelett-Erkrankungen (MSE) - führen. Befindensstörungen, Funktionsstörungen oder strukturelle Schädigungen am Muskel-Skelett-System sowie psycho-physiologische Folgewirkungen können festgestellt werden.

Ausgehend von Gefährdungsbeurteilungen kann durch ergonomische Arbeitsgestaltung bzw. geeignete Verhältnis- und Verhaltensprävention erreicht werden, dass Unter- wie auch Überforderungen vermieden werden. Gesundheitsförderliche Ressourcen werden gestärkt, aktiviert und aufgebaut. Hier liegt auch ein präventives Potential der Beratungen von Arbeitgebern und Beschäftigten im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge bei Muskel-Skelett-Belastungen.

Arbeitsbedingte Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen in Deutschland und auch in anderen Industriestaaten allerdings immer noch an der Spitze der arbeitsbezogenen Krankheitsstatistiken. Nahezu 25 % der Arbeitsunfähigkeitstage sind laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zurückzuführen. Mit zunehmendem Alter steigt diese Zahl und beträgt bei den über 55-Jährigen bereits 35%. Jeder fünfte Rentenzugang wegen verminderter Erwerbsfähigkeit beruht auf Muskel-Skelett-Erkrankungen.

Zur Gefährdungsbeurteilung bei Muskel-Skelett-Belastungen können z. B. die BAuA Leitmerkmalmethoden herangezogen werden. Eine Fülle weiterer Bewertungsinstrumente ist - auch international - verfügbar.

Präventionsmaßnahmen können in diesen Bereichen besonders wirksam sein.

Hinweis

Weitere Fachinformationen, aber auch alle Praxishilfen, Gesetze, Verordnungen, Betriebsanweisungen, Seminare, Filme oder Internet-Links zum Thema "Ergonomie und Arbeitsplatzgestaltung" finden Sie in der Dokumenten-Bibliothek "Ergonomie".

Weitere Fragen

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