Gefährdungen durch Alligatorscheren
November 2007
Dipl.-Ing. Alfred Kail, c/o Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd, Mainz
In Recycling-Unternehmen werden für die Zerkleinerung nicht mineralischer Abfälle, wie z. B. Langeisen, Elektrokabel oder Metallschrott, Alligatorscheren eingesetzt. Alligatorscheren, auch als Krokodilscheren bekannt, tragen ihre Bezeichnung in Anlehnung an das Maul eines Reptils.
Das untere Scherenblatt ist horizontal auf einem stabilen Rahmen in Arbeitshöhe befestigt. Der Scherenkopf (obere Scherenblatt) ist an einer Seite mit einem Drehgelenk am Rahmen befestigt und wird mechanisch oder hydraulisch mit einer konstanten Geschwindigkeit abwärts bewegt. Ein vollständiger Zyklus (Einzelhub) besteht aus einem Abwärtshub des Scherenkopfs bis zum Passieren des unteren Scherenblatts mit anschließendem Aufwärtshub in die Startposition. Als kraftbetriebene Schere ist die Alligatorschere eine Maschine im Sinne der Richtlinie für Maschinen (98/37/EG).
Da die Alligatorschere relativ einfach und vergleichsweise langsam in ihren Bewegungen ist, neigen Bediener dazu, die entstehenden Gefährdungen zu unterschätzen. Vom Betrieb einer Alligatorschere gehen u. a. folgende Gefährdungen aus:
- Amputation von Finger oder Hand an der Schneidkante
- Fingerverletzungen durch Quetschen zwischen zu schneidendem Material
- Schnittwunden an Hand oder Arm beim Umgang mit Material
- Augenverletzungen durch herumfliegende Metallstücke
- Fuß- und Beinverletzungen durch herabfallendes Material
Für einen unfallfreien Betrieb von Alligatorscheren sind Bediener zu unterweisen und sollten u. a. folgendes beachten:
- Betreiben der Alligatorschere über ein vom Gefahrenbereich entfernt angeordnetes Befehlsgerät, so dass ein Eingreifen in den Gefahrenbereich nicht möglich ist.
- Einbringung des Schneidgutes nur seitlich von der Alligatorschere, d. h. von der Vorderseite und parallel stehend zur Schneidlinie.
- Neuanpassung der Positionierung des Sicherheitskorbs bei jedem Materialwechsel, um den Kontakt des Bedieners mit der Schneidstelle und der Quetschstelle des Niederhalters zu verhindern.
- Verwendung des Niederhalters (handbetätigt oder kraftbetätigt) in Verbindung mit einem ausreichend großen Auflagetisch, so dass das Halten des zu schneidenden Materials von Hand nicht mehr
- erforderlich ist.
- automatische Zuführeinrichtungen, wie z. B. Rollentisch verwenden, wenn das Material in Größe und Form einheitlich ist.
- Der Bediener sollte Schutzbrille oder Gesichtsschutz als Schutz gegen herumfliegende Bruchstücke tragen.
- Den Bediener anweisen, abstandsgebende Werkzeuge zu benutzen, wenn dessen Hände in die Schneidlinie hineinreichen können, aufgrund der Größe des zu schneidenden Materials.
- Beschäftigte anweisen, dass keine Tätigkeiten auf der Scherenrückseite bei laufendem Betrieb oder im eingeschalteten Zustand durchzuführen sind.
Thema der Dezember-Ausgabe: Ableitströme an Werkzeugmaschinen



