FA MFS: Sachgebiet Hydraulik / Pneumatik

- Ordnungsgemäß aufgebaute Hydrospeicher

- Schlauchleitungen in natürlicher Lage an einem Prüfstand
Das Sachgebiet Hydraulik und Pneumatik im Fachausschuss umfasst das Zusammenführen von Erkenntnissen, Erfahrungswissen und Fachmeinungen im Themenbereich Hydraulik und Pneumatik. Zu ausgewählten Themen von allgemeinem Interesse werden Grundsatzuntersuchungen beim Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung DGUV in Auftrag gegeben.
Im angegliederten berufsgenossenschaftlichen Arbeitskreis "Hydraulik und Pneumatik (Fluidtechnik)“ sind Vertreter zahlreicher Unfallversicherungsträger, der Industrie sowie Sachverständige beteiligt, die als Experten für die Prävention im Bereich der Fluidtechnik tätig sind. Auf den Sitzungen des Arbeitskreises Hydraulik und Pneumatik wird das aktuelle Unfallgeschehen ausgewertet und die Schutzmassnahmen beraten. Durch Betriebskontakte gewinnt der Arbeitskreis Einblick in die aktuelle Praxis des Arbeitsschutzes zur Hydraulik- und Pneumatik-Instandhaltung und wertvolle Erkenntnisse für die Verbesserung und die Umsetzung fachbezogener Prävention.
Grundsätzlich werden im Sachgebiet alle Fragen der Sicherheit der fluidtechnischen Ausrüstung von Maschinen behandelt. Dies umfasst sowohl die Beratung von Maschinenherstellern als auch die Instandhaltung der fluidtechnischen Ausrüstung bei Betreibern sowie die Mitarbeit bei der Regelsetzung und der Normung.
Derzeit maßgebliche harmonisierte Europäische Norm für die Sicherheit von Maschinen bzgl. der Hydraulik/Pneumatik-Ausrüstung sind die pr EN ISO 4413/4414, welche die DIN EN 982/ DIN EN 983 ablösen. Alle Normen sind beim Beuth-Verlag, Berlin (www.beuth.de) erhältlich.
Die folgenden berufsgenossenschaftliche Regeln und Informationsschriften können Sie hier abrufen:
- BGR 237 "Hydraulik-Schlauchleitungen - Regeln für den sicheren Einsatz"
(bisher: ZH1/74 „Sicherheitsregeln für Hydraulik-Schlauchleitungen“) - BGR 137 „Regeln für Sicherheit und Gesundheitsschutz beim Umgang mit Hydraulikflüssigkeiten“
(früher ZH1/215) - BGI 5100 „Sicherheit bei der Hydraulik-Instandhaltung“
- BGI 5100 e „Safe Maintenance of hydraulic systems“ (engl. Ausgabe)
Folgende Fachausschuss-Informationsblätter des FA MFS zur Fluidtechnik sind derzeit verfügbar:
- Nr. 025: Verwechselungsgefahr von metrischen und zölligen Hydraulikverschraubungen (Ausgabe 11/2008)
- No. 025: Danger of confusion of metric and inch hydraulic threaded joints (Edition 11/2008)
- Nr. 042: Hydraulische Druckübersetzer Ausgabe 02/2010
- Nr. 046: Hydropneumatische Druckspeicher (Entwurf 11/2010)
- No. 050: Fluid engineering power elements Hydraulic and pneumatic motors and cylinders (03/2011)
- Nr. 058: Reduzierte Geschwindigkeit - bei fluidtechnischen Steuerungen (Entwurf 01/2012)
Angebotene Lehrgänge zum Thema Hydraulik / Pneumatik
- INHY Hydraulik-Instandhaltung
- KOST Konstruktion Steuerungen (Schwerpunkt Hydraulik / Pneumatik)
Beschaffung von Hydraulik-Schlauchmeterware und -Schlauchleitungen
Auf Qualiät achten!
Hydraulik-Schlauchleitungen werden in fast allen stationären und mobilen Maschinen mit hydraulisch gesteuerten Baugruppen eingesetzt, insbesondere dort, wo starre Rohre für die Energieübertragung nicht in Frage kommen. Im Zuge der globalisierten Märkte werden zunehmend auch Hydraulikschläuche aus verschiedensten Ländern bezogen und meist hierzulande mit den gewünschten Anschlussarmaturen versehen und zu Hydraulik-Schlauchleitungen verarbeitet bzw. „konfektioniert“.
Von Seiten der hiesigen Konfektionäre wurde dem Fachausschuss zuletzt häufiger über die unregelmäßige Qualität der weltweit beschafften bzw. angelieferten Schlauchwaren berichtet. Die Druck- und Impulsfestigkeit sei von Lieferung zu Lieferung sehr unterschiedlich und erfülle oft nicht die Normanforderungen. Dies beeinflusst dann sowohl die Sicherheit von Maschinen als auch den Aufwand für deren Instandhaltung negativ. Auch kann ein Maschinenhersteller ein Imageproblem bekommen, wenn Hydraulik-Schlauchleitungen nicht mehr die geforderten Standzeiten erreichen. Viele Konfektionäre haben dieses Problem mit der weltweit beschafften Schlauchware erkannt und arbeiten daran bzw. beraten ihre Kunden, nur geprüfte Premiumware mit der gewohnten Qualität einzusetzen. Aufgrund der wechselhaften Qualität sollten Betreiber bzw. Besteller der Erst- bzw. Ersatzbeschaffung von Hydraulik-Schlauchleitungen die nötige Vorsicht walten lassen. Auf der angelieferten Schlauchware sind die erforderlichen Angaben nach den Schlauchleitungsnormen z.B. DIN EN 853-857 (Normenliste siehe z.B. Berufsgenossenschaftliche Regel BGR 237 „Hydraulik-Schlauchleitungen“) vorhanden. Ob die Schlauchmeterware bzw. konfektionierte Schlauchleitung einer Norm oder gar zusätzlichen Lieferspezifikationen entspricht, kann aber nur durch Prüfungen auf geeigneten Prüfständen beurteilt werden.
Was kann getan werden?
Grundsätzlich sollte nur geprüfte Schlauchmeterware und geprüfte Hydraulik-Schlauchleitungen und auch nur von zertifizierten Lieferanten bzw. Herstellern (auch als Einkäufergemeinschaft) bezogen werden. Die Zertifizierung basiert auf einem Audit der Zulieferkette und umfasst neben der Abfrage der technischen Ausstattung des Konfektionär mit Verpressgeräten, die eine Reproduzierbarkeit von Pressergebnissen zulassen, und mit Berst- und Impulsprüfständen auch ein Audit der Betriebsorganisation einschl. eines Qualitätsmanagement, welches die Verfahren- und Arbeitsanweisungen für eine dauerhaft reproduzierbare Qualität konfektionierter Hydraulik-Schlauchleitungen sicherstellt. Dazu gehören auch entsprechend hinterlegte Arbeitsprozesse bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiter bzgl. der Verpressung sowie bei der Auftragsbearbeitung einschl. Kontrolle bzw. Prüfungen mittels Prüfständen.
Der Maschinenhersteller bzw. Erstbeschaffer sollte darauf achten, dass sein Lieferant bzw. Konfektionär zertifiziert ist und über die technische Ausstattung und die Kenntnisse zur Überprüfung der Verpressung und ggf. der Impulsfestigkeit der Hydraulik-Schlauchleitungen nach den einschlägigen Normen verfügt.
Der Konfektionär muss imstande sein, die Zulieferkette einschl. der Lieferanten, Inverkehrbringer oder Direktimporteure zu überprüfen bzw. zu qualifizieren. Konfektionäre und Einkäufergemeinschaften können die Prüfung der weltweit beschafften Schlauchwaren bzw. Schlauchleitungen auch an qualifizierte externe Stellen mit entsprechenden Dienstleister bzw. Prüfeinrichtungen vergeben.
Die Überprüfung von Schlauchhersteller und Schlauchmeterware umfasst folgende Teilschritte:
- Der Schlauchlieferant bzw. das Schlauchmaterial muss in einem systematischen Prozess einer „Werkserstbesichtigung“ bzw. die Schlauchware einer Erstbemusterung inklusive Erstmusterprüfbericht (oft auch FAIR, First Article Inspection Report, genannt) unterzogen werden. Dies stellt die generelle Tauglichkeit des Lieferanten bzw. der zu beschaffenden Artikel sicher. Hierdurch wird die Übereinstimmung mit den relevanten Normen und Anforderungen überprüft. Die Dokumente sind zu archivieren. Die Werkserstbesichtigung sollte noch erweitert werden um Maschinenfähigkeitsuntersuchungen, FMEAs, Kontroll-Prozesse etc., sowohl bzgl. der Schlauchherstellung als auch den QM-Prozessen des Schlauchherstellers. Dann wendet man den recht aufwändigen PPAP (Production Part Approval Process, ein Verfahren aus der QS 9000) an.
- Nach bestandener Werkserstbesichtigung und Erstbemusterung muss die Qualität innerhalb der Serienlieferungen sichergestellt werden. Hier geht es um das tägliche Geschäft des Qualitätsmanagement. Der Konfektionär kann auch in diesem Fall berechtigt einen entsprechenden Prozess beim Schlauchhersteller fordern, der eine regelmäßige Prüfung der Schlauchwaren gemäß schriftlich niedergelegtem Prüfplan umfassen sollte. Die Stichprobenanzahl innerhalb dieses Prüfplans ist i. d. Regel dynamisiert, d.h., dass ein guter Lieferant weniger häufig als ein weniger guter Lieferant geprüft wird. Schlechte Lieferanten werden entweder qualifiziert oder nicht mehr berücksichtigt.
Jeder Konfektionär bzw. Maschinenhersteller kann diese o.g. systematischen Prozesse inklusive Evidenzen (empirische Befunde) vom Schlauchlieferanten bzw. Konfektionär fordern. Ein detaillierter Abnahmeprozess ist Stand der Technik und alle Konfektionäre sollten diesen Abnahmeprozess bzgl. der Schlauchlieferanten beherrschen. Um eine immer gleichbleibende Verpressung zu gewährleisten, muss der Konfektionär zudem den Wartungsplan des Verpressgeräteherstellers beachten. Dieser sollte auch die Prüfung der Verpresswerkzeuge umfassen bzw. mögliche Nachkalibrierungen beschreiben.
Die Berufsgenossenschaftliche Regel BGR 237 „Hydraulik-Schlauchleitungen“ bezeichnet die Prüfer für Hydraulik-Schlauchleitungen als „Befähigte Person“ nach TRBS 1203. Dies betrifft insbesondere die Prüfung beim Betreiber einer Maschine. Beim Hersteller der Hydraulik-Schlauchleitung d.h. beim Konfektionär unterliegen Einhaltung von Qualitätskriterien und deren Kontrolle der Werksleitung bzw. der dazu eingerichteten Qualitätsprüfungsstellen. Deren Prüfprozesse sind im QM-Handbuch des zertifizierten Konfektionärs bzw. den internen Werksnormen hinterlegt, einschl. Leitung von Auftragsdokumenten und Zeichnung des Konfektionärs auf die Richtigkeit seiner Arbeit. Letzteres beinhaltet auch das Messen der Pressmaße nach Vorgaben mit der aus der QS freigegebenen und in Versuchen ermittelten Pressmaßtabelle sowie die Prüfung auf Nippeleinfall mittels Prüfdorn.
Zur Überprüfung von Schlauchleitungen gehört ferner, dass der Konfektionär die Hydraulik-Schlauchleitungen nur mit solchen Schläuchen und Schlaucharmaturen sowie nach solchen Verbindungsverfahren hergestellt werden, die ihre Funktionssicherheit in zutreffenden Prüfverfahren ( z.B. DGUV-Test- oder TÜV-Baumusterprüfung) nachgewiesen haben. Dies kann und sollte der Maschinenhersteller vom Konfektionär bzw. Hersteller der Hydraulikschlauchleitung einfordern.
Eine stichprobenmäßige Überprüfung der Hydraulik-Schlauchleitungen auf Berstdruck- und Impulsfestigkeit (nach Norm oder zusätzlichen meist höheren Lieferspezifikationen) auf entsprechenden Prüfständen ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, die an den Kunden weitergegeben werden: Qualität hat eben ihren Preis.
Wer als Betreiber ungewöhnlich frühe oder vorzeitige Ausfälle von Hydraulik-Schlauchleitungen feststellt, sollte dies unbedingt dem Maschinenhersteller oder dem Konfektionär mitteilen, damit das Problem durch Änderung in der Beschaffungskette beseitigt werden kann.
Weitere Informationen zu Hydraulik-Schlauchleitungen
Weitere Informationen zu Auswahl, Normen bzw. zu Auswechselintervallen von Hydraulik-Schlauchleitungen und deren Richtwerten sind in der Berufsgenossenschaftlichen Regel BGR 237 „Hydraulik-Schlauchleitungen“ enthalten. Dort sind auch Kriterien angeführt, die bei der Beurteilung einer Abweichung von den Richtwerten der BGR 237 bzw. einer Verlängerung oder Verkürzung der Auswechselintervalle herangezogen werden sollten. Die Erfahrungen des Betreibers dürfen dabei einfließen.
Fragen zu Hydraulik-Schlauchleitungen beantwortet Ihnen:
Fachausschuss Maschinenbau,
Fertigungssysteme, Stahlbau – FA MFS
Postfach 3780
55027 Mainz
Email
PDF-Fassung des Beitrags "Beschaffung von Hydraulik-Schlauchmeterware und Schlauchleitungen" zum Herunterladen. (Langfassung zu VMBG-Mitteilungen 6/2010).



