Bewertung der Schweißrauchexposition mittels Berechnung einer Gefährdungszahl

Stand: November 2014

Die hier zur Verfügung stehende Bewertung der Schweißrauchexposition basiert auf einem in "Schweißen und Schneiden"  63 (2011)  Heft 9 dargestellten Modell zur Bewertung der Schweißrauchexposition und deren Wirkung. Siehe Beitrag Arbeitsschutzregelungen beim Schweißen, Bewertung der Schweißrauchexposition und deren Wirkung", S 528 bis 535.
Das Modell und die damit berechnete Gefährdungszahl sind nicht als arbeitsmedizinisch-toxikologische Bewertung zu verstehen, sondern sollen aus technischer Sicht Vergleiche zwischen Verfahren, Werkstoffen und
arbeitsplatzspezifischen Faktoren darstellen und dabei versuchen zu erklären, warum bei manchen schweißtechnischen Arbeiten ein gesundheitliches Restrisiko bestehen bleibt. Die Anwendung der persönlichen Schutzausrüstungen, hier das Tragen von Atemschutzgeräten, soll als eine notwendige ergänzende Schutzmaßnahme erkannt werden (siehe TRGS 528, insbesondere die Abschnitte zur Beurteilung der Gefährdung und zu den Schutzmaßnahmen).

Einleitung
Beim Schweißen, Schneiden und bei verwandten Verfahren entstehen abhängig von den eingesetzten Verfahren und Werkstoffen unterschiedliche Mengen an gas- und partikelförmigen Stoffen. Die partikelförmigen Stoffe haben vorwiegend eine Partikelgröße (aerodynamischer Durchmesser) unter 1 μm, sind alveolengängig (erreichen die Lungenbläschen) und werden in der Praxis als "Schweißrauche" bezeichnet.

In den Schweißrauchen sind auch ultrafeine Partikel (Durchmesser < 0,1 μm) und deren Agglomerate  enthalten.

Schweißrauch bei nicht aktivierter Absaugung
Schweißrauch bei nicht aktivierter Absaugung (Quelle: Alexander Binzel Schweisstechnik GmbH & Co. KG)

Beim Schweißen mit Zusatzwerkstoff entstehen in der Regel über 95% der
Schweißrauche aus dem Zusatzwerkstoff und nur etwa 5% aus dem Grundwerkstoff.
Die chemische Zusammensetzung der partikelförmigen Stoffe hängt in erster Linie von der chemischen Zusammensetzung der angewendeten Werkstoffe (Zusatz-/Grundwerkstoff) ab. Demgegenüber sind für die Menge und Zusammensetzung der gasförmigen Stoffe in erster Linie Oberflächenverunreinigungen (Öl, Fett) sowie Beschichtungen verantwortlich. Da die Schweißrauche sehr komplexe und unterschiedliche Zusammensetzungen haben, wird bei der Arbeitsplatzüberwachung meistens mit Leitkomponenten gearbeitet.
Zur Bewertung der Gefährdung durch verschiedene Typen von Schweißrauchen wurde ein empirisches Modell entwickelt. Hierfür wurden sowohl Messergebnisse aus dem Labor und vom Arbeitsplatz ausgewertet, als auch arbeitsmedizinische Erkenntnisse und Erfahrungen über die Wirkung der Schadstoffe zu Grunde gelegt. Die Exposition des Schweißers gegenüber Schweißrauchen am Arbeitsplatz hängt von einer Reihe verschiedener Faktoren ab. Dazu gehören die eingesetzten Verfahrens-/ Werkstoffkombinationen, die verantwortlich sind für die Höhe der jeweiligen gas- und partikelförmigen Stoffe, die Emissionen (siehe Punkt 1), die Werkstoffe, die die Zusammensetzung der Schweißrauche bestimmen (siehe Punkt 2 und Punkt 4) sowie die Arbeitsplatzbedingungen, zum Beispiel Lüftungsverhältnisse, räumliche Verhältnisse, Arbeitsposition des Schweißers (siehe Punkt 3).
Bezüglich der Relation zwischen der Lichtbogenbrenndauer und der Schweißarbeitszeit siehe auch Bild 3-4 der BGI 616.

Bedienung der Software
Der Anwender folgt den Anweisungen und Erläuterungen, einschließlich der angebotenen Hilfen und hinterlegten Dateien von Punkt 1 bis Punkt 4.
Wenn alles Zutreffende ausgewählt wurde, erfolgt unter Punkt 5 die Berechnung der Gefährdungszahl für die jeweilige beschrieben Situation.
Anschließend besteht die Möglichkeit durch Anklicken der mit Farbe markierten Worte, Hinweise mit Beispielen von Schutzmaßnahmen zu finden, wie die Gefährdungszahl und somit die gesundheitliche Gefährdung reduziert werden kann.

Mit steigender Gefährdungszahl steigt auch die Gefährdung. Durch die rigorose Umsetzung der je nach Anwendung empfohlenen Schutzmaßnahmen wird die Gefährdungszahl reduziert oder sogar minimiert. Somit wird die Gefährdung durch Schweißrauche und Gase  stark reduziert oder sogar ausgeschlossen.

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Weitere Fragen

beantwortet Ihnen die Autorin Frau Dr.-Ing. Vilia Elena Spiegel-Ciobanu gerne
per E-Mail oder über die kostenlose Service-Hotline der BGHM: 0800 9990080-2